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Deutsche Telekom gibt T-Online an Ströer ab

Köln/Bonn : Telekom gibt T-Online an Ströer ab

Die Kölner Firma baut das digitale Geschäft neben Plakatwerbung aus.

Die im Süden von Köln gelegene Plakatwerbe-Firma Ströer ist gestern endgültig eines der wichtigsten Digital-Unternehmen Deutschlands geworden. Sie kaufte für rund 300 Millionen Euro das führende deutsche Internetportal T-Online sowie InteractiveMedia, einen Vermarkter digitaler Werbung. Die Telekom erhält den Preis in Aktien von Ströer aus einer geplanten Kapitalerhöhung. Die Ströer-Aktionäre befürworten das Geschäft: Der Kurs schnellte um 13 Prozent hoch, damit stieg der Unternehmenswert um mehr als 200 Millionen Euro auf 2,1 Milliarden Euro.

"Die Transaktion markiert den Beginn einer neuen Ära für unser Unternehmen", sagte Vorstandschef Udo Müller, der das Plakatgeschäft als Medizinstudent kennenlernte, als er in Berlin Werbung an Hauswände hängte. Dann baute er eine große Plakatfirma auf. Die wurde von Ströer übernommen - und der 1962 geborene Müller wurde Vorstandschef.

Ströer wird mit dem gestrigen Geschäft deutscher Marktführer bei der Vermarktung digitaler Werbung mit einem Marktanteil von rund 15 Prozent inklusive bisheriger Aktivitäten. Er ist nun doppelt so groß wie die Axel-Springer-Tochter Media-Impact, die rund sieben Prozent hat und der auch hohes Interesse an T-Online/InteractiveMedia nachgesagt wurde.

Müller glaubt, dass das Kartellamt das Geschäft abnicken wird. Die Dominanz von US-Internetriesen wie Google oder Facebook bei Online-Werbung sei so groß, dass niemand etwas dagegen haben könne, dass die deutschen Unternehmen zusammenrücken.

Für die Nutzer von T-Online wird sich mit der Übernahme nur wenig ändern. In einem Interview deutete Müller nur an, dass er möglicherweise etwas weniger Werbung schalten wolle - aber dafür etwas anspruchsvollere. Die vielen Millionen E-Mail-Adressen über T-Online wird Ströer nicht mit übernehmen, diese werden von der Telekom weiter betrieben. Die Telekom erklärte auch, sie gäbe keine Daten von privaten Kunden an Ströer weiter, um den Datenschutz zu sichern.

Allerdings plant Ströer, die redaktionellen Inhalte von T-Online zu nutzen, um öffentliche Bildschirme des Unternehmens zu bedienen. So betreibt der Konzern 20 000 "Stadtmöbel", gemeint sind Info-Bild-Schirme in Bahnhöfen oder an öffentlichen Plätzen, wie es sie beispielsweise auch am Düsseldorfer Hauptbahnhof gibt.

Das Geschäft zeigt, wie sowohl die Telekom als auch Ströer ihre Strategie ändern: Die Telekom gibt praktisch alle ihre Aktivitäten mit reinen Internetfirmen ab, weil der Konzern sich auf den Betrieb von Kommunikationsnetzen konzentriert.

Ströer setzt dagegen viel mehr als bisher auf die digitale Karte. Bekannt wurde die Firma zwar bisher vor allem als Vermarkter von Außenwerbung speziell auf Plakaten, auf Straßenbahnen und in Fußballstadien. Der Zukauf erhöht den Umsatz von rund 700 Millionen Euro im Jahr auf rund eine Milliarde Euro, wovon fast die Hälfte aus digitalen Geschäften kommen wird. Vorstandschef Müller nennt die Übernahme denn auch einen "Game-Changer" - was frei übersetzt "radikaler Wandel" bedeutet.

(RP)