Deutsche Rentenversicherung testet bald Video-Beratung

Rentenserie : Renteninfos per Online-Chat

Einmal im Jahr bekommen Millionen Menschen Post von der Deutschen Rentenversicherung, die über die Ansprüche im Alter informiert. Zukünftig soll immer mehr digital abgewickelt werden, inklusive Videoberatung.

Es gab eine Zeit, da erschien vielen Unternehmen eine App als Lösung für alles – oder zumindest als Ausweis ihrer Digitalbemühungen. Das Problem war nur: Es kamen immer mehr Apps auf den Markt, die Menschen installierten sie auf ihren Smartphones, füllten damit immer mehr Seiten auf ihrem Bildschirm. Und dann ignorierten sie sie.

So erging es auch der App „iRente“, die vor rund sieben Jahren von der Deutschen Rentenversicherung gestartet und dann im vergangenen Jahr wieder vom Markt genommen wurde. Mit der App konnten Kunden einen Beratungstermin mit der Deutschen Rentenversicherung vereinbaren. Doch wie oft macht man das? „Die Erfahrungen haben gezeigt, dass diese App nur im geringen Umfang genutzt wurde“, bestätigt eine Sprecherin. Nur 0,2 Prozent aller Beratungstermine seien auf diesem Wege gebucht worden. Wer will, kann den Termin immer noch über die Internetseite buchen.

Zu viele Apps und zu wenig wirkliche Digitalisierung öffentlicher Stellen – so lässt sich die Bilanz der vergangenen Jahre zusammenfassen. Andere Länder sind deutlich weiter. In Schweden erfahren Menschen über das Internet-Portal MinPension zum Beispiel sogar, wie viel ihnen aus verschiedenen Formen der Altersvorsorge in späteren Jahren einmal bleibt. In Deutschland gibt es weder das Portal, noch die Übersicht aus mehreren Quellen.

Immerhin: Die Große Koalition hat sich in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, dies auch bald möglich zu machen. Dort heißt es: „Wir werden eine säulenübergreifende Renteninformation einführen, mit der Bürgerinnen und Bürger über ihre individuelle Absicherung im Alter Informationen aus allen drei Säulen erhalten und möglichen Handlungsbedarf erkennen können.“ So würden viele Bürger erstmals einen transparenten Überblick über ihre Situation bekommen.

Bis es soweit ist, arbeitet man bei der Deutschen Rentenversicherung an weiteren digitalen Lösungen, um die Kommunikation zwischen Bürger und Behörde zu vereinfachen. Bereits heute lassen sich ja nicht nur Termine online vereinbaren, sondern auch Daten ändern, Anträge stellen oder der Stand des Versicherungskontos einsehen. Rund 25.000 Menschen nutzen diese Möglichkeiten nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung momentan im Schnitt pro Monat.

Weitere Angebote sind bereits in Planung. „Wir sind gerade in Vorbereitung eines Pilotprojektes zur Videoberatung“, sagt eine Sprecherin. Im Rahmen dieses Projektes würden zunächst fünf Träger der Rentenversicherung die Videoberatung mit dem externen Kunden in einem Pilotprojekt testen. Der Start dieses Projekts soll zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember erfolgen. „Im Anschluss ist geplant, dieses Angebot für alle Rentenversicherungsträger über die Online-Dienste der Rentenversicherung anzubieten“, sagt die Sprecherin.

Auch der Einsatz von Chat-Bots wurde bereits diskutiert. Diese könnten unterstützend auf der Internetseite eingesetzt werden. Über ein Chat-Fenster könnten die Menschen dann mit einer Maschine kommunizieren, Fragen stellen und Hilfe erhalten. 

Der digitale Rentner, der keine Zettelwirtschaft braucht, sondern sein Leben digital verwalten kann, existiert noch nicht. Zumindest nicht in Deutschland. Doch einiges deutet darauf hin, dass es ihn irgendwann geben könnte. Besser wäre jedoch nicht irgendwann, sondern bald.

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