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Berlin: Deutsche Exporte in Euro-Krisenländer brechen ein

Berlin : Deutsche Exporte in Euro-Krisenländer brechen ein

Die Euro-Krise belastet zunehmend die deutsche Realwirtschaft. So brachen im ersten Halbjahr die deutschen Exporte in die Euro-Krisenländer ein. Die Unternehmen verkauften 1,2 Prozent weniger in die Währungsunion als im Vorjahreszeitraum, teilte das Statistische Bundesamt mit. In das unter einer Rezession leidende Portugal fielen die Ausfuhren mit 14,3 Prozent besonders stark. Die Exporte nach Spanien sanken um 9,4 Prozent, die nach Griechenland um 9,2 Prozent und die nach Italien um 8,2 Prozent.

Allerdings glich die starke Nachfrage aus Übersee und Osteuropa den Einbruch in der Eurozone mehr als aus, so dass die gesamten Ausfuhren von Januar bis Juni um 4,8 Prozent auf 550 Milliarden Euro zulegten. Besonders gefragt waren deutsche Waren in Japan, den USA und Russland. Der Branchenverband BGA senkte wegen der Rezession in manchen Euro-Ländern seine Wachstumsprognose für das gesamte Jahr auf gut vier Prozent. Bislang hatte er ein Plus von mindestens sechs Prozent erwartet.

Eine Lösung der Schuldenkrise ist weiter nicht in Sicht. Während Deutschland die Käufe von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) ablehnt, warb Frankreichs Präsident François Hollande gestern für den Ankauf. "Wenn man die große Kluft bei den Renditen sieht, könnte das eine Intervention im Namen der Geldpolitik rechtfertigen", sagte Hollande nach einem Besuch bei dem spanischen Regierungs-Chef Mariano Rajoy in Madrid. Auch Rajoy betonte, die großen Rendite-Unterschiede stünden mit den wirtschaftlichen Fundamentaldaten der Euro-Länder nicht im Einklang. Nächsten Donnerstag will die EZB über das Ankaufprogramm beraten. Es würde vor allem Spanien entlasten.

Am Dienstag reist der griechische Finanzminister Ioannis Stournaras zu Wolfgang Schäuble nach Berlin. Dabei soll es auch um das geplante Sparpaket von elf Milliarden Euro gehen, für dessen Umsetzung Athen mehr Geld haben will. Dieses Sparpaket werde das letzte seiner Art sein, versprach gestern der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras seinen Landsleuten. "Mehr kann die griechische Wirtschaft nicht aushalten."

(RP)