Deutsche Boeing 737 ohne Risse

Probleme mit Vorgänger der Unglücksmaschinen : Deutsche Boeing-737-Jets ohne Risse

Die Maschinen vom Typ Boeing 737 Max müssen nach Absturzkatastrophen mit mehr als 340 Toten weiter am Boden bleiben. Jetzt gibt es auch Probleme mit dem Vorgängermodell 737 Next Generation. Deutsche Airlines geben aber bislang Entwarnung.

Der US-Flugzeughersteller Boeing scheint nicht aus der Krise zu finden. Nach zwei verheerenden Abstürzen mit 346 Todesopfern wurde der Maschinentyp 737 Max nahezu weltweit mit einem Startverbot belegt. Jetzt wurde bekannt, dass die US-Luftfahrtaufsicht FAA auch beim Vorgängermodell, der Boeing 737 Next Generation (NG), Probleme entdeckte. So tauchten an zwei Maschinen der US-Airline Southwest Risse an wichtigen Bauteilen auf, die die Flügel mit dem Flugzeugrumpf verbinden. Die Maschinen wurden aus dem Verkehr gezogen. Bei baugleichen Flugzeugen deutscher Airlines ist bislang nichts gefunden worden, wie eine Abfrage unserer Redaktion ergab.

In Deutschland haben Tuifly und Sunexpress, eine von Lufthansa und Turkish Airlines gemeinsam betriebene Fluglinie, Boeing 737 NG im Flottenbestand. Die insgesamt 55 Flugzeuge, 35 davon bei Tui Fly und 20 bei Sun Express, wurden nach Unternehmensangaben von Technikern auf Risse überprüft. Es habe keine Beanstandungen gegeben, hieß es. Hauptgrund ist wohl die deutlich geringere Beanspruchung im Vergleich zu den in den USA auffällig gewordenen Maschinen. Der Finanznachrichtendienst Bloomberg hatte gemeldet, dass bei fünf Prozent der insgesamt 493 älteren 737-NG-Maschinen Risse festgestellt wurden. So musste beispielsweise die brasilianische Fluggesellschaft Gol Linhas Aereas Inteligentes ebenfalls elf Maschinen des Typs aus dem Verkehr ziehen. Die Sprecher von Tuifly und Sunexpress versicherten, dass man prophylaktisch die Bauteile im Blick behalte.

Unterdessen bleibt weiter unklar, wann die amerikanischen und die europäischen Luftsicherheitsbehörden wieder grünes Licht für Starts der gestoppten 737-Max-Jets geben werden. Die große US-Fluggesellschaft American Airlines rechnet in diesem Jahr nicht mehr mit einer Wiederinbetriebnahme der Maschinen. Das Unternehmen teilte mit, die Flugzeuge bis zum 16. Januar aus dem Flugplan zu nehmen. Boeings Bestseller fällt somit in der von starkem Reiseaufkommen geprägten Weihnachtszeit aus. Zuvor hatte American 737-Max-Flüge bis zum 3. Dezember gestrichen. Angesichts der andauernden Schwierigkeiten, die es bei der angestrebten Wiederzulassung der Maschinen gibt, kommt der Schritt wenig überraschend. Boeing steht unter Druck, Software-Probleme zu beheben, die als eine entscheidende Ursache der zwei Abstürze gelten. Das Bundesverkehrsministerium teilte auf Anfrage unserer Redaktion mit, dass die US-Behörde FAA die Wiederzulassung in einem gemeinsamen Schritt mit den anderen großen Luftfahrtbehörden wie der europäischen EASA absprechen wolle. Pläne, dass dies im Januar 2020 der Fall sein soll, seien dem Ressort von Minister Andreas Scheuer (CSU) nicht bekannt, hieß es.

(jd)
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