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Deutsche-Bank-Tochter DWS tauscht Chef aus​

Asoka Wöhrmann geht : Deutsche-Bank-Tochter DWS tauscht Chef aus

Asoka Wöhrmann muss seinen Posten räumen – unter anderem nach der Razzia wegen des Verdachts auf Greenwashing. Stefan Hoops übernimmt nach der Haupotversammlung in der kommenden Woche.

In Zeiten von Klimawandel und wachsendem Umweltbewusstsein sind entsprechende Geldanlagen groß im Kommen. Mit der wachsenden Beliebtheit solcher Investments wächst aber auch die Gefahr des Greenwashing. Dahinter verbirgt sich, dass manche Anbieter ihre Produkte als umweltfreundlicher verkaufen als diese in Wirklichkeit sind und so verstärkt umweltbewusste Anleger anlocken wollen. Solchen Vorwürfen sieht sich seit fast einem Jahr auch die Deutsche-Bank-Tochter DWS ausgesetzt (die das seither vehement bestreitet).

Zugleich sind sie einer der Gründe dafür. warum die Konzernmutter jetzt den Chef austauscht: Asoka Wöhrmann, einer der prominentesten Vertreter der Branche, legt mit der Hauptversammlung am 9.Juni sein Amt nieder. Sein Nachfolger soll Stefan Hoops werden, der seit drei Jahren die Unternehmensbank im Konzern leitet.

Wöhrmann galt seit längerer Zeit als umstritten. Auch weil ihm intern zweifelhafte Kontakte, umstrittene Deals und andere Dinge vorgeworfen wurden. Der Verdacht des Greenwashing wiegt aber wohl am schwersten. Denn dabei geht es um das Thema Kapitalanlagebetrug und die Tatsache, dass die DWS möglicherweise Investments in einem weitaus höheren Maß als nachhaltig deklariert haben könnte, als das die tatsächlichen Zahlen hergegeben hätten. Die Razzia, die am Dienstag in der Zentrale stattgefunden hat, gab wohl den Ausschlag für die Demission Wöhrmanns. DWS und Wöhrmann selbst hatten die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Die Fondsgesellschaft erklärte, sie habe in dieser Angelegenheit umfassend mit allen relevanten Regulierungsbehörden zusammengearbeitet und werde dies auch weiterhin tun.

Die Durchsuchung war dann aber wohl doch zu viel öffentlicher Ballast. In der Mitteilung der DWS heißt es zwar wörtlich, dass Wöhrmann sich entschieden habe, „sein Mandat im Einvernehmen mit dem Unternehmen zum Ablauf der Hauptversammlung am 9. Juni niederzulegen“. Das klingt vordergründig wie eine aktive Handlung des Managers, aber die Formulierung „im Einvernehmen mit dem Unternehmen“ wirkt wie ein klares Indiz dafür, dass Wöhrmanns Abgang nicht freiwillig erfolgte. Die Vorwürfe, „die in den vergangenen Monaten gegen die DWS und mich persönlich erhoben wurden“ seien eine Belastung für das Unternehmen „und auch für meine Familie und mich persönlich geworden“, erklärte Wöhrmann am Mittwoch. „Um die Institution und auch meine Familie zu schützen“, wolle er den Weg frei machen „für einen personellen Neuanfang“. Abseits aller inhaltlichen Vorwürfe soll es auch rassistische Beleidigungen gegeben haben gegen Wöhrmann, der in Sri Lanka geboren wurde.

Die mögliche Diskrepanz zwischen Schein und Sein bei den nachhaltigen Geldanlagen der DWS ist beträchtlich, und sie beschäftigt die DWS seit 2020 – seit Desirée Fixler, die damalige Chefin der Abteilung für Nachhaltigkeit, auf die Differenzen hingewiesen hat. Der Geschäftsbericht des Unternehmens für 2020 wies nachhaltige Vermögensanlagen von 460 Milliarden Euro aus, doch laut „Wall Street Journal“ erfüllten nur 76 Milliarden Euro die sogenannten ESG-Kritieren. ESG steht für die englischen Begriffe Environmenrt (“Umwelt“), Social (“Gesellschaft“) und Governance (“Unternehmensführung“). Fixler musste im vorvergangenen Jahr übrigens mit Ende ihrer Probezeit das Unternehmen wieder verlassen – ein Umstand, der in der aktuellen Situation ein denkbar schlechtes Licht auf die Bank wirft.

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Gegen wen die Staatsanwaltschaft ermittelt, ist offiziell nicht bekannt. „Das Verfahren richtet sich gegen bislang unbekannte Mitarbeiter und Verantwortliche der DWS“, hat die Behörde mitgeteilt. Sie erklärte, dass die Untersuchungen seit Mitte Januar liefen. Bis offizielle Ergebnisse vorliegen, wird also noch Zeit vergehen. Erwiesen ist in der Affäre um mögliches Greenwashing noch nichts. Aber die öffentlichen Spekulationen und die Razzia in der Zentrale haben gereicht, um dem Aktienkurs der DWS zu schaden. Fast sieben Prozent verlor das Papier am Mittwoch zwischenzeitlich an Wert.

Gleichzeitig wird der Verdacht auf Greenwashing bei einer der weltweit großen Fondsgesellschaften Konsequenzen für die gesamte Branche haben, wie Magdalena Senn glaubt. „Greenwashing ist kein Kavaliersdelikt. Die Durchsuchung und der Rücktritt werden Signalwirkung für andere Vermögensverwalter entfalten. Anbieter von als nachhaltig beworbenen Finanzprodukten werden nun genau prüfen, ob ihre eigenen Anlagekriterien halten, was sie versprechen“, erklärte die Referentin für nachhaltige Finanzmärkte bei der Bürgerbewegung Finanzwende am Mittwoch. Das wäre sicher ganz im Sinne der Anleger.