München: Deutsche-Bank-Prozess zieht sich

München : Deutsche-Bank-Prozess zieht sich

Der Richter hat weitere Termine bis kurz vor Weihnachten angesetzt.

Im Betrugsprozess gegen den Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und vier ehemalige Topmanager des Instituts hat das Landgericht München mehrere neue Termine bis kurz vor Weihnachten festgelegt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wollen die Richter einige Zeugen laden, die bislang nicht vernommen wurden. Insgesamt sind zehn weitere Termine bis zum 22. Dezember geplant. "Dann müssten wir es eigentlich haben", sagte der Vorsitzende Richter Peter Noll. Bislang war der letzte Prozesstag für den 13. Oktober vorgesehen gewesen. Die Staatsanwaltschaft hatte aber überraschend die Vernehmung von rund 30 weiteren Zeugen beantragt. Zumindest eine Handvoll davon will Noll an den nächsten Verhandlungstagen laden.

Gleichzeitig versetzte Noll der Staatsanwaltschaft erneut einen Dämpfer. Er ermahnte die Strafverfolger in der Verhandlung des Landgerichts München, sie müssten zwingende Beweise für ihre Vorwürfe liefern. Die Staatsanwaltschaft müsse "eine Kausalität zwischen Täuschung, Irrtum und Schaden" nachweisen. Bisherige Schlussfolgerungen der Staatsanwaltschaft könne er nicht nachvollziehen, erklärte Noll. Ähnlich hatte er sich bereits im Juli geäußert.

Laut Anklage sollen die fünf angeklagten Banker, zu denen auch die früheren Konzernchefs Josef Ackermann und Rolf Breuer gehören, versucht haben, ein anderes Gericht zu täuschen, um eine milliardenschwere Schadenersatzklage der Erben des Medienunternehmers Leo Kirch abzublocken.

Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere Ex-Vorstände von Deutschlands größter Bank stehen wegen des Vorwurfs des versuchten Prozessbetrugs seit April vor Gericht. Die Anklage bezieht sich auf Aussagen der Banker in einem Schadenersatzprozess, den der mittlerweile verstorbene Medienunternehmer gegen das Institut geführt hatte. Kirch hatte die Bank für die Pleite seines Medienimperiums verantwortlich gemacht. Später einigten sich beide Seiten auf einen 925 Millionen Euro schweren Vergleich.

(dpa/rtr)
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