Deutsche Bank: Im Golfresort "Hotel Margarethenhof" geht es um die Zukunft

Frankfurt : Deutsche Bank: Im Golfresort geht es um die Zukunft

Malerisch ist die Kulisse für die Aufsichtsratssitzung der Deutschen Bank: die Kontrolleure des skandalgeschüttelten größten deutschen Geldhauses haben sich für drei Tage zu einer Klausurtagung nach Bayern zurückgezogen, in das Golfresort "Hotel Margarethenhof" hoch über dem Tegernsee. Zum Golfspielen werden die 19 Aufsichtsratsmitglieder wohl kaum kommen. Es gibt viel zu besprechen, vielleicht erklärt der neue Co-Chef John Cryan, wie er das Bankhaus umzugestalten gedenkt.

Der Brite hatte Anfang Juli Anshu Jain abgelöst und angekündigt, die "inakzeptabel hohen Kosten" zu senken. Mehrere Milliarden Euro zusätzlich sollen eingespart werden. An den Grundzügen der von Anshu Jain und Jürgen Fitschen Ende April vorgestellten Strategie will er zwar festhalten: den Verkauf der Postbank hat man ja schon vorbereitet, etwa 200 Filialen sollen geschlossen, viele Stellen abgebaut werden. Man vermutet, dass dies bis zu 10 000 der knapp 100 000 Mitarbeiter treffen könnte. Der Kostenabbau dürfte aber auch zu einer Straffung der Strukturen führen, denn die Bank hat zu viele Führungsgremien, so dass die Entscheidungswege viel zu lang sind. Die Details der "Strategie 2020", die die alte "Strategie 2015+" ablösen soll, will Cryan erst Ende Oktober vorstellen.

Von diesem Wochenende erwarten Analysten deshalb noch keine grundlegenden Entscheidungen des Aufsichtsrates. Solche externen Sitzungen dienten auch dazu, grundsätzliche Fragen zu besprechen, heißt es bei der Bank. "Dabei dürfte wenig Konkretes herauskommen", vermutet etwa Dieter Hein vom Analysehaus fairesearch. Denn Cryan werde wohl noch die Zeit bis Ende Oktober benötigen, um die Details zur Strategie auszugestalten. Vor allem, da Cryan als sehr gründlicher Manager gilt.

Dass bei der Umgestaltung des Hauses auch einige Manager gehen müssen, setzen Beobachter voraus. Betroffen sein dürften davon auch einige Gefolgsleute von Ex-Co-Chef Anshu Jain. Weil das Geschäft jedoch noch laufen soll, ist ein grundlegender Neuanfang eher unwahrscheinlich. "Auch Cryan kommt vom Investmentbanking", sagt Hein. Das soll zwar gestutzt werden, gewinnt aber wegen der Schrumpfung der anderen Sparten eher wieder an Bedeutung. Die Strategie kritisiert Hein seit langem: Die Bank sei immer noch in der Hand der Investmentbanker. Das Strategieziel, zehn Prozent Rendite auf das neu definierte Eigenkapital, ergebe einen Gewinn von sechs Milliarden Euro - nach der alten Strategie waren bis zu neun Milliarden Euro Gewinn angepeilt worden. "In den letzten drei Jahren aber hat die Bank insgesamt nur einen Gewinn von 2,6 bis 2,7 Milliarden Euro erzielt", sagt Hein: "In dieser Zeit sind aber Boni in Höhe von neun Milliarden Euro vor allem an die Investmentbanker ausgeschüttet worden."

(RP)
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