1. Wirtschaft

Düsseldorf: Deutsche Bank für Anleihekäufe der EZB

Düsseldorf : Deutsche Bank für Anleihekäufe der EZB

Nachdem die Inflation auf 0,5 Prozent gesunken ist, steigt die Sorge vor Deflation, also vor allgemein sinkenden Preisen. Wir erklären, warum viele Experten wie auch die Deutsche Bank eine EZB-Intervention im Notfall unterstützen würden.

Die Diskussion über radikale Gegenmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen eine drohende Deflation hat am Wochenende neues Tempo erhalten. Nachdem die EZB intern geprüft hat, Anleihen von bis zu einer Billion Euro (1000 Milliarden Euro) aufzukaufen, um sinkende Preise auf breiter Front zu verhindern, unterstützt Jürgen Fitschen, der Co-Chef der Deutschen Bank, entsprechende Gedanken: "Falls sich — entgegen unserer Erwartungen — die Preisperspektiven tatsächlich in Richtung Deflation eintrüben sollten, wäre wohl ein Aufkaufprogramm von marktgängigen Wertpapieren seitens der EZB eine angemessene und meines Erachtens auch wirksame Reaktion", sagte er in einem Interview. Wir erklären, worum es bei der Diskussion geht.

Die Deflationssorge Die EZB ist alarmiert, weil die Inflation in der Eurozone im März auf 0,5 Prozent gesunken ist, so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr. Weil beispielsweise in Spanien bereits sinkende Preise gemessen wurden, sorgen sich EZB und Finanzexperten nun sogar vor allgemein sinkenden Preisen: Das könnte provozieren, dass die Wirtschaft weiter schwächelt, weil Unternehmen und Verbraucher Ausgaben in die Zukunft verschieben, weil die Waren ja immer billiger werden. Weil das wiederum die Nachfrage schwächen könnte, würde eine Stagnation wie in Japan seit vielen Jahren oder sogar eine Rezession wie in den USA in den 1920er-Jahren drohen. Umgekehrt sind leicht steigende Preise eher ein Zeichen einer florierenden Wirtschaft — die EZB peilt darum eine Inflation von rund zwei Prozent an.

EZB-Position Die EZB hat am Donnerstag angekündigt, möglicherweise "unkonventionelle Maßnahmen einzusetzen... um effektiv gegen die Risiken einer zu lange dauernden Phase niedriger Inflation vorzugehen." Fast alle Experten verstehen dies als Ankündigung, notfalls massenhaft Anleihen aufzukaufen, umso indirekt die Wirtschaft anzukurbeln. Sie würde damit dem Vorbild der US-Notenbank folgen, die seit Jahren riesige Geldsummen mit Anleihekäufen in die Wirtschaft pumpt.

Bundesbank-Haltung Die Bundesbank hat stets den Erwerb von Staatsanleihen abgelehnt, wenn das zum Ziel hatte, einzelnen Ländern unter die Arme zu greifen. Zuletzt hat Bundesbank-Präsident Jens Weidmann aber seinen Widerstand gegen Anleihenkaufprogramme abgeschwächt. Bei einem Kaufprogramm mit einem konkreten geldpolitischen Zweck — wie etwa dem Kampf gegen eine drohende Deflation — habe er eine offenere Haltung, meint Reinhard Kluse, Europa-Chefvolkswirt der Großbank UBS.

Aktion Hauptziel der Ankündigung der EZB ist wohl, die Angst vor Deflation gezielt zu dämpfen — Bürger und Investoren wissen nun, dass die EZB dagegenhalten würde. Falls die Preise aber doch weiter extrem wenig steigen oder sogar sinken, werden Anleihekäufe starten. Damit sie aber nicht als Finanzierung einzelner Staaten interpretiert werden können, kommen laut Jürgen Fitschen "letztlich nur Staatsanleihenkäufe gewichtet mit den EZB-Staatsanteilen" in Betracht. Es würden also auch deutsche Anleihen gekauft.

Risiko Je lockerer die Geldpolitik wird, umso mehr drohen Spekulationsblasen mit dem billigen Geld — und auf Dauer dann doch Inflation.

(RP)