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Deutsche Bahn: Sprinter-Züge ab Düsseldorf und Köln sollen Flüge unnnötig machen

Klimaschutz durch weniger Flugverkehr : Sprinter-Züge ab Düsseldorf und Köln sollen viele Flüge unnnötig machen

Deutsche Bahn und Luftfahrtbranche möchten ein Fünftel der innerdeutschen Flüge unnötig machen. Gerade für Geschäftsreisende soll es bessere Angebote auf der Schiene geben.

Die Deutsche Bahn und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) wollen enger zusammenarbeiten, um rund ein Fünftel der Flüge beim innerdeutschen Luftverkehr unnötig zu machen. Einen entsprechenden Aktionsplan stellten Bahn und BDL am Donnerstag vor. Die Luftfahrtbranche reagiert damit auf den Druck, das Klima weniger zu belasten. Die Bahn hat schon länger vor, Flüge durch bessere Zugverbindungen zu ersetzen und auch die Anreise zu großen Umsteigeflughäfen wie Frankfurt stärker mit Zügen zu organisieren statt mit Zubringerflügen. „Wir sind das umwelt- und klimafreundlichste Verkehrsmittel“, sagte bei der Video-Pressekonferenz Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn.

Zwei neue Sprinter-Routen der Bahn zeigen, wohin die Reise ab NRW geht. Ab dem Winterfahrplan, der am 13. Dezember beginnt, starten wie bereits bekannt täglich dreimal ICE 4 Züge in Bonn nach Berlin, die nach einem kurzen Zwischenstopp in Köln-Deutz direkt nach Berlin durchbrausen. Die Fahrtzeit ab Bonn wird bei vier Stunden und 20 Minuten liegen, die Fahrzeit ab der Domstadt bei rund vier Stunden. Damit wäre der Zug zwar noch immer etwas langsamer als das Flugzeug (inklusive Ein- und Auschecken sowie Warten) nach Berlin, doch bekanntermaßen landen Jets in der Bundeshauptstadt nicht mehr stadtnah in Tegel sondern am neuen Hauptstadtflughafen weitab von der Innenstadt.

Die zweite neue Sprinter-Route führt von Düsseldorf über Köln-Deutz, Frankfurt-Flughafen und Nürnberg nach München. Die Fahrt von der NRW-Hauptstadt nach München verkürzt sich laut Bahn um 30 Minuten auf vier Stunden und 20 Minuten. Natürlich ist das Flugzeug schneller, aber wegen des Trends zum klimafreundlichen Reisen hofft die Bahn trotzdem auf viele neue Kunden, die bisher per Flugzeug an die Isar jetteten. Zu diesen denkbaren Wechslern gehört beispielsweise Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Deutschland, der privat in München lebt, aber in Düsseldorf sein Hauptbüro hat. Sein Unternehmen will bis 2025 klimaneutral sein und kauft schon seit 2020 nur noch Ökostrom.

Der BDL geht grundsätzlich davon aus, dass die Bahn innerdeutsche Flüge dann fast ganz unnötig macht, wenn sie eine Route schneller als in drei Stunden schafft. Aber schon bei einer Fahrtzeit von vier Stunden wie seit 2017 zwischen München und Berlin gewinnt die Bahn massiv hinzu.

Ärgerlicherweise wird es keinen Sprinter-ICE von Düsseldorf nach Berlin geben. Der Grund ist wohl, dass Ruhrgebietsstädte wie Essen, Bochum oder Dortmund es nur schwer verschmerzen könnten, wenn Sprinter-Züge von der NRW-Landeshauptstadt direkt ohne jeden Zwischenhalt nach Berlin durchbrausen. Neben schnelleren und häufigeren ICE-Zügen zwischen wichtigen Städten setzt die Bahn außerdem darauf, dass ihr Angebot mit dem der Airlines besser verknüpft wird.

So wird geplant, dass mit dem ICE anreisende Passagiere im Fernbahnhof des Flughafens Frankfurt ihr Gepäck direkt abgeben, wenn sie den Zug verlassen haben. Die Anreisenden per Zug sollen auch bevorzugt zum Abflug durchgeleitet werden. Bisher nutzen viele Menschen dagegen noch einen Zubringerflug ab Düsseldorf, um im größten Airport von Deutschland in einen Überseejet umzusteigen, weil dies oft bequemer ist als in Frankfurt vom Zug in das Flugzeug zu wechseln.

Stefan Schulte, Chef des Frankfurter Flughafens (Fraport) glaubt außerdem, dass der Trend zur Mitnahme nur von kleinen Rollkoffern beim Reisen dazu beiträgt, dass Menschen häufiger mit dem Zug zum Flughafen anreisen. „Es kommt uns entgegen, wenn die Leute nur Handgepäck haben.“