Deutsche-Bahn-Chefkontrolleur Utz-Hellmuth Felcht in Bedrängnis

Düsseldorf: Chefkontrolleur der Bahn in Bedrängnis

Utz-Hellmuth Felcht musste sich gestern bei Verkehrsminister Alexander Dobrindt erklären. Dem Aufsichtsratschef des Staatskonzerns wird vorgeworfen, dass er in der Sitzung am Montag den Abgang Rüdiger Grubes nicht verhindert hat.

Die chaotische Sitzung des Aufsichtsrats vom Montag, bei der Rüdiger Grube überraschend seinen Rücktritt als Bahnchef erklärt hatte, wird zur Belastungsprobe für den Chef des Kontrollgremiums, Utz-Hellmuth Felcht. Dem ehemaligen Chemie-Manager war es nicht gelungen, dass der Aufsichtsrat einer Vertragsverlängerung Grubes um drei Jahre zustimmte. Das sorgte gestern für massive Kritik.

Foto: dpa, mut sab pat

Die "Zeit" zitierte Teilnehmer mit den Worten, der Chefkontrolleur habe die Sitzung am Montag schlecht vorbereitet und dann auch nicht im Griff gehabt. "Das hätte Felcht einfach abmoderieren können, es war ja alles im Vorfeld ausdiskutiert worden", sagte ein Teilnehmer. Stattdessen habe der Vorsitzende die Diskussion laufen lassen.

Auf die Frage nach einer möglichen Ablösung Felchts sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, sein Haus beteilige "sich an solchen Personalspekulationen nicht". Felcht sprach am Nachmittag in Berlin mit Minister Alexander Dobrindt (CSU) über die Vorgänge, die am Montag zum Rücktritt geführt hatten. Felcht wies vor dem Treffen die alleinige Verantwortung für das Ergebnis der Sitzung von sich. "Wer unsere Pressemeldung richtig gelesen hat, kann eindeutig nachlesen, dass die Entscheidung dort einstimmig gefallen ist", sagte er.

Der 70-Jährige kam im März 2010 zur Bahn. Der frühere Degussa-Chef war Wunschkandidat des damaligen Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer (CSU). Zuvor hatten bereits mehrere Manager wie Klaus-Peter Müller (Commerzbank) und Jürgen Hambrecht (BASF) der Politik eine Absage erteilt. Für seine Tätigkeit an der Gremiumsspitze erhielt Felcht im Geschäftsjahr 2015 knapp 92.000 Euro.

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Gestern kursierten bereits erste Namen von möglichen Nachfolgern - etwa der des ehemaligen Tui-Chefs Michael Frenzel. Der Manager sitzt - auf Vorschlag der SPD - für die Eigner im Aufsichtsrat der Bahn. Für ihn spricht seine Erfahrung: Der 69-Jährige war bereits von 2001 bis 2005 Vorsitzender des Kontrollgremiums.

Derweilen hat Grube sich mit einem Schreiben an seine früheren Mitarbeiter gewandt, um die Hintergründe seines Rücktritt darzulegen. Der 65-Jährige schildert darin, wie eine ihm bereits erteilte Zusage für einen Drei-Jahres-Vertrag im Aufsichtsrat wieder zurückgenommen wurde, obwohl er auf Gehaltssteigerung und Abfindung verzichtet hätte. "Wie Sie wissen, komme ich vom Bauernhof, da habe ich gelernt, was Geradlinigkeit und zu seinem Wort zu stehen bedeuten."

Die Suche nach seinem Nachfolger läuft derweilen auf Hochtouren. Als aussichtsreicher Kandidat gilt dabei weiterhin Infrastruktur-Vorstand Ronald Pofalla. Gegen ihn spricht allerdings die mangelnde Management-Erfahrung. Zuletzt fiel deshalb auch immer wieder der Name Volker Kefer. Der frühere Technik-Vorstand war allerdings erst kürzlich aus dem Unternehmen ausgeschieden. Kefer, der als versierter Branchenkenner - also "echter Bahner" - gilt, wurden Mauschelei und schlechte Kommunikation insbesondere bei dem kostenmäßig aus dem Ruder gelaufenen Großprojekt Stuttgart 21 vorgeworfen. Zudem sei der 61-Jährige nicht mehr der Jüngste.

In Branchenkreisen wird auch die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta, als erste Bahnchefin der Geschichte gehandelt. Die 47-Jährige verfüge nicht nur über umfassende Branchenkenntnis, sondern habe auch eindrucksvoll bewiesen, dass sie einen Problemkonzern wieder nach vorne bringen könne, hieß es.

(maxi)
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