Düsseldorf: Deutsch-Banker: Fusionswelle rollt

Düsseldorf: Deutsch-Banker: Fusionswelle rollt

Für Marcus Schenck ist die Konsolidierung der Branche ohne Alternative.

Europas Bankenlandschaft hat in den vergangenen Jahren zwar schon so manchen Zusammenschluss gesehen. Aber die Fusionswelle wird nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Vorstand Marcus Schenck noch stärker rollen. Eine weitere Konsolidierung in der Branche sei unausweichlich, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende gestern beim Neujahrsempfang der größten deutschen Bank in Düsseldorf. Dabei wolle die Deutsche Bank eine aktive Rolle spielen. "Wir brauchen mehr Bankenfusionen", so Schencks Forderung.

Den Trend zu weiteren Zusammenschlüssen werde die wachsende Digitalisierung weiter befördern, lautet seine Einschätzung. Die Deutsche Bank solle auch die größte deutsche Digitalbank werden, kündigte der Manager an - "wohl wissend, dass wir uns damit selbst Konkurrenz machen". Aber weil elf Millionen Kunden ihre Bankgeschäfte schon weitgehend online machen, sieht Schenck keine Alternative. In fünf bis zehn Jahren werde man das Bankgeschäft nicht mehr wiedererkennen. Es sei zwar so manche Zweigstelle geschlossen worden, aber gleichzeitig seien andere ausbaut worden - im Sinne der Bank der Zukunft.

Gleichzeitig fordert Schenck einen integrierten Kapitalmarkt in Europa. "Dass die amerikanischen Banken deutlich profitabler sind als die in Europa, liegt an der unterschiedlichen Zinspolitik - da sind uns die Amerikaner derzeit drei bis vier Jahre voraus - und daran, dass es anders als in Europa nur einen großen Markt gibt", erklärte Schenck.

Der frühere Eon-Manager, bei der Deutschen Bank einer der Verantwortlichen für das Investmentbanking, betonte die Bedeutung der Sparte für die Volkswirtschaft. "Kapitalmarktgeschäft ist kein Selbstzweck", so Schenck, der bei aller Internationalität des Investmentbankings auch die Bedeutung des deutschen Marktes betonte. Der Heimatmarkt sei und bleibe Grundvoraussetzung für das Deutsche-Bank-Geschäft.

Selbstkritisch merkte Schenck an, dass die Deutsche Bank in den vergangenen Jahren nicht immer "alle PS auf die Straße" gebracht habe. Jetzt sei die Bank aber wieder in der Lage zu wachsen. Und: Die Deutsche Bank solle wieder für Integrität stehen. Also für Rechtschaffenheit und Unbescholtenheit. Dieses Attribut habe die Bank tatsächlich nach den zahlreichen Klagen und sonstigen Rechtsstreitigkeiten der vergangenen Jahre verloren.

(RP)