München: Desertec kostet Konzerne nur 100 000 Euro im Jahr

München: Desertec kostet Konzerne nur 100 000 Euro im Jahr

Kurz vor der entscheidenden Gesellschafterversammlung des Wüstenstromkonsortiums Desertec am Montag, auf der über die Zukunft der Gesellschaft Dii entschieden wird, hüllen sich die beteiligten Unternehmen über ihr künftiges Engagement in Schweigen. Dabei war der PR-Rummel beim Desertec-Start 2009 groß: Munich-Re-Vorstand Torsten Jeworrek kündigte überschwänglich Investitionen in Höhe von rund 400 Milliarden Euro bis 2019 an. Bis 2050 könne mit dem Projekt, insbesondere mit den geplanten Solarkraftwerken in der Wüste, 15 Prozent des europäischen Strombedarfs gedeckt werden, so die optimistische Botschaft.

Heute sagt so mancher Projektbeteiligter hinter vorgehaltener Hand, man hätte besser die Erwartungen nicht so hochgeschraubt. Die Investitionen fielen deutlich niedriger aus: Der finanzielle Beitrag, den die 20 Gesellschafter eingebracht haben, beträgt nach Informationen unserer Zeitung lediglich 100 000 Euro pro Jahr - macht bei einer Projektlaufzeit von fünf Jahren zehn Millionen Euro. Hinzu kommt der Beitrag der 17 assoziierten Partner - darunter der Baukonzern Bilfinger oder der Automobilhersteller Audi. Deren Mitgliedergebühr fällt deutlich niedriger aus als der Gesellschafterbeitrag. Primär, so sagen die Beteiligten heute, sei es bei Desertec um die Deckung des drastisch steigenden Strombedarfs vor Ort gegangen, quasi um Entwicklungshilfe in Form eines Technologietransfers. Strom für Europa sei drittrangig gewesen.

Für Eon und die HSH Nordbank wird Montag die letzte Gesellschaftersitzung sein, sie scheiden zum Jahresende aus. "Es gibt Anwärter für die Übernahme von Anteilen", sagte ein Dii-Sprecher, ohne Details zu nennen. Wenn keine neuen Geldgeber gefunden werden, könnte die Dii als Beratungsunternehmen fortgeführt werden - allerdings in deutlich abgespeckter Form. Den Mitarbeitern könnte dann der Umzug nach Saudi-Arabien oder Katar drohen.

(RP)
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