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Der Tank-Ansturm aus dem Nachbarland​

Spritpreise : Der Tank-Ansturm aus dem Nachbarland

In den Grenzregionen kommen die niederländischen Autofahrer in Scharen. Hierzulande ist Super noch deutlich billiger – und das obwohl die Mineralölkonzerne einen großen Teil des Tankrabatts in die eigene Tasche stecken.

Mitte März kostete ein Liter Superbenzin in den Niederlanden noch annähernd 2,50 Euro, für den Liter Diesel mussten Autofahrer 2,37 Euro zahlen. Dann kündigte Ministerpräsident Mark Rutte eine deutliche Senkung der Abgabenlast auf die Kraftstoffe an, und im April waren zumindest die Preise für Diesel und Gas im Nachbarland teils deutlich niedriger als bei uns. Doch selbst wenn die Mineralölkonzerne jetzt einen mehr oder weniger großen Teil des Nachlasses selbst einstecken, der in Deutschland seit Anfang Juni gewährt wird, haben die Niederländer ihren Preisvorteil längst wieder verloren. Beim Super waren sie auch im April und Mai ohnehin nicht billiger gewesen, beim Diesel sind sie mittlerweile auch wieder ein bisschen teurer.

Den Angaben des ADAC zufolge kostet ein Liter Super in den Niederlanden derzeit durchschnittlich 2,25 Euro, ein Liter Diesel 1,96 Euro. Zum Vergleich: In Deutschland ist der Diesel nur drei Cent billiger, der Liter Super aber gleich 37 Cent. Macht beispielsweise bei 50 Liter Tanken schon 18,50 Euro Ersparnis. Nur in Dänemark und Griechenland ist das Super-Tanken derzeit noch teurer. Der ADAC verweist auf seiner Website allerdings auch darauf, dass es bei der Übermittlung der Preise auch schon mal einen großen Zeitverzug geben kann und es im Ausland zum Teil starke regionale Unterschiede geben kann.

Kein Wunder, dass in den deutschen Grenzregionen zu den Niederlanden ein gewaltiger Tanktourismus eingesetzt hat. Nicht nur am Niederrhein, sondern beispielsweise auch im Emsland und im Münsterland.   Die Prognose hatte der ADAC bereits vor zweieinhalb Wochen gestellt. „Wenn mit der Senkung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel die Spritpreise deutlich unter das Niveau der Nachbarländer fallen sollten, gehen wir davon aus, dass Menschen aus Belgien oder den Niederlanden, die in Grenznähe wohnen, auch vermehrt zum Tanken nach Deutschland fahren», hatte ein Sprecher damals gesagt.  

Wobei man als Autofahrer natürlich immer im Auge haben sollte, ob sich die Fahrt ins Nachbarland wirklich lohnt – nicht nur angesichts des zusätzlichen Kraftstoffverbrauchs (beim Diesel bleibt da vom Preisvorteil für die niederländischen Fahrer im Einzelfall nicht mehr viel übrig), sondern auch wegen des Zeitaufwands und der Mehremissionen beim CO2 .