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Die Ökonomin: Der Niedergang der Lebensversicherung

Die Ökonomin : Der Niedergang der Lebensversicherung

Erst hat der Staat Privilegien gekappt, dann kam die Euro-Krise. Nun fällt es der Branche immer schwerer, ihre Rendite-Versprechen einzuhalten. Eine Warnung.

Einst war die Lebensversicherung der Deutschen liebstes Kind: Die Rendite war hoch, der Fiskus gnädig und der Vertreter – "Hallo, Herr Kaiser" – kam persönlich ins Haus. Das ist vorbei. Herr Kaiser ging in der Budapester Gellert-Therme baden, die Lustreise von Vertretern der früheren Hamburg-Mannheimer sorgte 2012 für den größten Skandal der Branche.

Schlimmer für die Kunden: Kapitallebensversicherungen lohnen immer weniger, auch wenn das – zum Glück für die Branche – viele Bürger noch nicht mitbekommen haben. Anders ist nicht zu erklären, dass die Zahl der Neuverträge steigt.

Am Niedergang der Lebensversicherung haben Staat und Branche mitgewirkt. Der erste Schlag kam 2004. Damals unterwarf Rot-Grün die Betriebsrenten der vollen Beitragspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wer mit einer vom Arbeitgeber finanzierten Lebensversicherung von 100 000 Euro in den Ruhestand wechselte, musste plötzlich 16 000 Euro Krankenkassenbeitrag zahlen. 2005 der nächste Schlag: Der Staat kippte das Steuerprivileg. Wer seitdem eine Kapitallebensversicherung abschließt, muss künftige Auszahlungen versteuern.

Dann kam die Euro-Krise. Die Niedrigzinsen machen es Versicherern immer schwerer, ihre Renditeversprechen einzuhalten. Nun rächt sich, dass die Branche Kunden früher mit üppigen Garantiezinsen von vier Prozent lockte, die heute nicht mehr zu verdienen sind. Für neue Verträge wurde der Garantiezins auf magere 1,75 Prozent gesenkt. Aber nicht mal den scheint die Branche sich dauerhaft zuzutrauen, schon werden Rufe nach zeitlicher Begrenzung von Zinsversprechen laut.

Kein Wunder, die Verwaltungskosten sind hoch. Zu viele Vertreter wollen von der Vermittlung immer unattraktiverer Policen leben. Eine Weile mag es helfen, wenn die Branche von Kunden, die vorzeitig kündigen, hohe Abschläge kassiert. Ein Geschäftsmodell mit Zukunft ist das nicht, zumal die Branche von (sinnvollen) Risikolebensversicherungen allein nicht leben kann.

Was lernen wir daraus? Investiere nie in ein Produkt, das nur wegen der staatlichen Privilegien attraktiv ist. Die können schnell fallen – das gilt auch für die Solarförderung.

(RP)