Frankfurt/M.: Der Goldpreis sinkt so stark wie zuletzt im Jahr 1920

Frankfurt/M. : Der Goldpreis sinkt so stark wie zuletzt im Jahr 1920

Gründe sind die Erholung der US-Konjunktur und das nahe Ende der lockeren Geldpolitik. Bis 2014 soll der Preis weiter fallen.

Der Goldpreis setzt seine Talfahrt fort. Der Preis für eine Feinunze (31 Gramm) rutschte gestern um vier Prozent auf 1225 Dollar – und damit auf den tiefsten Stand seit September 2010. Nach Berechnungen der Finanzagentur Bloomberg verlor der Goldpreis im laufenden Quartal 22 Prozent und ist damit so stark eingebrochen wie zuletzt im Jahr 1920.

Im diesem Sog ging auch der Silberpreis in die Knie. Der Preis für eine Feinunze fiel gestern um 6,1 Prozent und lag bei 18,39 Dollar. Mit einem Minus von 35 Prozent im Quartal steuert das – auch wegen seiner antibakteriellen Eigenschaften in der Medizintechnik häufig verwendete Edelmetall – auf den größten Verlust seit mindestens 30 Jahren zu.

Grund für den Preissturz sind Nachrichten aus den USA. "Es gibt derzeit zwei Sargnägel für den Goldpreis: Die Aussicht auf ein Auslaufen der ultralockeren Geldpolitik in den USA und die Kursgewinne beim Dollar", erklären Experten wie David Lennox vom Finanzdienstleister Fat Prophets. In der größten Volkswirtschaft der Welt kommt die Wirtschaft in Schwung, der Immobilienmarkt erholt sich. Das treibt den Dollar und macht Gold für Investoren anderer Währungsräume unattraktiver. Zudem will US-Notenbankenchef Ben Bernanke im laufenden Jahr mit dem Ausstieg aus dem Anleihe-Kaufprogramm beginnen, wenn die Wirtschaft sich weiter gut entwickele. Finanz- und Euro-Krise hatten Anleger jahrelang die Krisenwährung Gold schmackhaft gemacht. Läuft die Wirtschaft gut, verliert das Edelmetall seinen Reiz – und wird eher verkauft als gekauft.

Das "Wall Street Journal" analysierte zudem, dass mit Indien und China ausgerechnet die zwei größten Abnehmerländer für Gold derzeit wenig Interesse an dem Edelmetall zeigen. In Indien hatte die Notenbank die Importzölle für Gold seit Jahresbeginn zwei Mal erhöht und damit die Nachfrage sinken lassen. China fürchtet eine Kreditklemme.

Zuletzt setzte auch noch Goldman Sachs dem Edelmetall-Markt zu. Die amerikanische Investmentbank hatte zu Beginn der Woche ihre Prognose für den Goldpreis deutlich nach unten korrigiert. Am Ende des laufenden Jahres erwartet Goldman Sachs den Goldpreis nur noch bei 1300 Dollar. Zuvor war die Bank noch von 1435 Dollar ausgegangen. Noch schlechter sieht die Prognose für das Jahr 2014 aus: Hier senkte Goldman Sachs die Erwartung von 1270 Dollar auf nur noch 1050 Dollar.

Beim größten deutschen Goldhändler Pro Aurum machte sich der Preiseinbruch bereits bei den Ankäufen bemerkbar: "Die Umsätze liegen derzeit etwa 50 Prozent höher als an normalen Handelstagen", sagte ein Sprecher. Nach dem letzten Preissturz im April war die Nachfrage zeitweise auf das Fünf- bis Sechsfache gestiegen.

(RP)