1. Wirtschaft

Der ewige Streit um das Dienstwagenprivileg​

Verkehrspläne : Der ewige Streit um das Dienstwagenprivileg

Die Grünen wollen zur Finanzierung neuer ÖPNV-Modelle die Pauschalversteuerung abschaffen, die FDP lehnt das ab. Wir erklären, was hinter dem Steuervorteil für Arbeitnehmer und Arbeitgeber steckt.

Den öffentlichen Personennahverkehr zu fördern, ist in Zeiten des tiefgreifenden Klimawandels eine lobens- und lohnenswerte Sache. Deshalb zerbrechen sich viele gut drei Wochen vor dem Auslaufen des Neun-Euro-Tickets den Kopf über mögliche preisgünstige Nachfolgemodelle im ÖPNV – und deren Finanzierung.

Und so wird dieser Tage wieder mal über eine Abschaffung zumindest von Teilen des Dienstwagenprivilegs in Deutschland debattiert, die von den Grünen angestoßen worden ist. Sie wollen die Pauschalversteuerung abschaffen und stoßen dabei auf den Widerstand des Koalitionspartners FDP.

Was sich hinter dem Privileg verbirgt: Unternehmen können die Anschaffung von Dienstwagen steuerlich absetzen, genauso wie die Kosten für Verschleißteile wie Reifen und Bremsen, die Reparaturen und den Sprit für die Dienstfahrten. Die Beschäftigten müssen für die Nutzung eines Dienstwagens nur dann Steuern zahlen, wenn sie ihn auch privat fahren dürfen. Sie müssen dann den sogenannten geldwerten Vorteil versteuern, also die Sachleistung, die ihnen der Arbeitgeber in Form des Autos über das Gehalt hinaus anbietet. Dabei haben sie die Wahl: Entweder sie versteuern monatlich pauschal ein Prozent des Listenpreises oder sie führen ein Fahrtenbuch, in dem akribisch alle gemachten Privatfahrten dokumentiert werden. Was die günstigere Variante ist, kann jeder selbst entscheiden. Meist ist es die Pauschalversteuerung. Ein Prozent des Listenpreises wird dann auf das Gehalt aufgeschlagen, plus 0,03 Prozent je Kilometer zwischen Wohnort und Arbeitsplatz.

Unterm Strich ein für die Bediensteten meist lohnenswerten Modell, weil man in der Regel mit dem Dienstwagen mehrere tausend Euro besser wegkommt als bei der privaten Anschaffung eines Autos, bei dem man auch den Wertverlust und die Kosten für Reparaturen selbst tragen muss. Und auch für die Arbeitgeber ist das Ganze attraktiv, wie die offiziellen Zulassungszahlen für das vergangene Jahr zeigen – zwei Drittel davon waren Dienstwagen.

Die Gegner des Privilegs argumentieren nicht nur damit, dass dem Staat jedes Jahr Milliarden an Steuereinnahmen durch die Lappen gehen, sondern auch mit der Lenkungswirkung: Je größer (und damit vermutlich auch emissionsstärker) ein Auto sei, umso größer sei de Steuervorteil für Nutzerinnen und Nutzer.

Dann vielleicht ein Elektroauto als Dienstwagen? Wer ein solches nutzt, muss bei einem Anschaffungswert bis 60.000 Euro nur noch 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises als geldwerten Vorteil versteuern. Bei teureren Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden bleibt es bei 0,5 Prozent.