1. Wirtschaft

Wolfsburg: Der Absturz des Martin Winterkorn

Wolfsburg : Der Absturz des Martin Winterkorn

Martin Winterkorn, intern "Wiko" genannt, kann sich einige große Erfolge aufs Konto schreiben. Sein Jahresgehalt liegt bei mehr als 15 Millionen Euro - Rekord. Kein Chef in Deutschland verwaltet mehr Umsatz: 202 Milliarden Euro. Und im VW-Reich ist er der erste, der eine Intrige des allmächtigen Ferdinand Piëch abwehrte: Der wollte ihn hinausekeln, scheiterte aber. Am Ende gab Piëch im April den Aufsichtsratsvorsitz auf. Doch jetzt ist Winterkorn (68) enorm unter Druck: Eigentlich sollte diese Woche sein Vertrag noch einmal um zwei Jahre verlängert werden. Tatsächlich droht nun der Rücktritt des Spitzenmanagers. Gestern kam das Präsidium des VW-Aufsichtsrates zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, heute berät es weiter. Kapitalmarkt Seit Volkswagen die Abgasmanipulationen in den USA zugegeben hat, ist der Firmenwert an der Börse um 40 Prozent abgerutscht - ein rekordverdächtiger Verlust. Ein sicherer Rekord ist der absolute Verlust: Rund 35 Milliarden Euro Börsenwert sind zunächst einmal verloren gegangen. Verantwortlichkeit Seit seinem Amtsantritt als Vorstandschef Anfang 2007 ist der promovierte Ingenieur auch weltweiter Entwicklungschef. Der frühere Leiter der Messtechnik ist extrem detailverliebt, er misst Türspalten, er nimmt Wagen persönlich ab. Kein VW-Kenner kann sich vorstellen, dass im autoritär geführten Weltkonzern Ingenieure systematisch Software der wichtigen Motoren manipulierten, ohne dass dies die Zentrale wusste. Nachdem VW gestern einräumen musste, dass weltweit bis zu elf Millionen Wagen manipulierte Programme eingebaut haben, ist die Theorie eines Alleingangs der für den US-Markt zuständigen Ingenieure sowieso undenkbar.

Martin Winterkorn, intern "Wiko" genannt, kann sich einige große Erfolge aufs Konto schreiben. Sein Jahresgehalt liegt bei mehr als 15 Millionen Euro - Rekord. Kein Chef in Deutschland verwaltet mehr Umsatz: 202 Milliarden Euro. Und im VW-Reich ist er der erste, der eine Intrige des allmächtigen Ferdinand Piëch abwehrte: Der wollte ihn hinausekeln, scheiterte aber. Am Ende gab Piëch im April den Aufsichtsratsvorsitz auf. Doch jetzt ist Winterkorn (68) enorm unter Druck: Eigentlich sollte diese Woche sein Vertrag noch einmal um zwei Jahre verlängert werden. Tatsächlich droht nun der Rücktritt des Spitzenmanagers. Gestern kam das Präsidium des VW-Aufsichtsrates zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, heute berät es weiter. Kapitalmarkt Seit Volkswagen die Abgasmanipulationen in den USA zugegeben hat, ist der Firmenwert an der Börse um 40 Prozent abgerutscht - ein rekordverdächtiger Verlust. Ein sicherer Rekord ist der absolute Verlust: Rund 35 Milliarden Euro Börsenwert sind zunächst einmal verloren gegangen. Verantwortlichkeit Seit seinem Amtsantritt als Vorstandschef Anfang 2007 ist der promovierte Ingenieur auch weltweiter Entwicklungschef. Der frühere Leiter der Messtechnik ist extrem detailverliebt, er misst Türspalten, er nimmt Wagen persönlich ab. Kein VW-Kenner kann sich vorstellen, dass im autoritär geführten Weltkonzern Ingenieure systematisch Software der wichtigen Motoren manipulierten, ohne dass dies die Zentrale wusste. Nachdem VW gestern einräumen musste, dass weltweit bis zu elf Millionen Wagen manipulierte Programme eingebaut haben, ist die Theorie eines Alleingangs der für den US-Markt zuständigen Ingenieure sowieso undenkbar.

Zuspitzung Die US-Umweltschutzbehörde EPA hat in ihrer Abmahnung von VW minutiös aufgeführt, wie systematisch der Konzern die US-Behörden täuschte. Das Papier liegt unserer Redaktion vor. So bewies eine Studie Mitte 2014, dass viele Wagen in den USA viel mehr schädliches Stickstoffoxid ausstoßen als angegeben. Nachdem die Aufseher um eine Stellungnahme baten, rief VW Ende 2014 rund 500.000 Dieselfahrzeuge zurück. Aber die Aktion war eine Täuschung: Die Emissionen im echten Fahrbetrieb blieben schlecht, nur unterdrückte das Informationssystem die Meldungen. Als die EPA damit drohte, Volkswagen die Umweltzertifzierung zu entziehen , gab der Konzern die Manipulationen zu.

Martin Winterkorn muss die monatelangen Diskussionen mit den US-Behörden mitbekommen haben, nahm aber das weitere Tricksen hin. Zudem hat er jetzt ein aktienrechtliches Problem, weil der Konzern den Ärger in den USA monatelang verheimlichte. Aktionärsschützer drohen nun mit Klagen.

(RP)