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Das sind die wertvollsten Unternehmen der Welt​

EY-Studie : Das sind die wertvollsten Unternehmen der Welt

Der staatliche Ölriese Saudi Aramco ist derzeit beim Börsenwert die Nummer eins – vor neun amerikanischen Unternehmen. Unter den Top 100 ist aktuell kein deutscher Konzen mehr zu finden.

Rund 14 Prozent hat der Deutsche Aktien-Index (Dax) seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs verloren. Der Angriff Russlands auf das Nachbarland mit der daraus resultierenden enormen Preissteigerung bei Gas und Öl hat zwei Effekte gehabt: Er hat erstens die Energiekosten vor allem für Industrieunternehmen enorm erhöht und zweitens die Ölmultis zu den Profiteuren dieser Krise gemacht.

Ein Ergebnis: Nach einer Studie der Beratungsgesellschaft EY ist Mitte des Jahres nicht mehr einer der großen amerikanischen Tech-Konzerne die weltweite Nummer eins beim Börsenwert, sondern Saudi Aramco, aktuell die größte Erdölfördergesellschaft der Welt mit Sitz im saudi-arabischen Dhahran. Umgerechnet rund 2,27 Billionen Euro betrug die Marktkapitalisierung zum Stichtag 30. Juni, und damit haben die Saudis Apple (2,21 Billionen) vom ersten Platz verdrängt.

Der Wechsel an der Spitze hat andererseits auch damit zu tun, dass die Kursverluste der weltweit 100 größten Unternehmen (minus 17 Prozent) die Technologiekonzerne (minus 28 Prozent) stärker getroffen haben, während Öl- und Gasanbieter knapp ein Fünftel zugelegt haben. An der Dominanz der Tech-Riesen im Gesamtbild hat sich freilich nichts geändert – hinter Saudi Aramco folgen neun US-Konzerne, und von denen sind fünf seit Jahren die Vorreiter bei digitalen Geschäftsmodellen: Apple, ­Microsoft, Alphabet (Google), Amazon und Meta (Facebook). Dazu kommt mit Tesla noch der Pionier der Elektro­mobilität.

Gewaltig fällt dann der Unterschied zu Deutschland ins Gewicht, das erstmals in der Geschichte der EY-Statistik keinen Vertreter mehr unter den Top 100 stellt. Die Besten sind der Softwarekonzern SAP und die Deutsche Telekom auf den Plätzen 113 und 120, was die Vermutung verstärkt, dass Technologie und Verwandtes die Lieblings-Investments vieler Investoren sind. Die Industriekonzerne findet man unter ferner liefen: VW (Platz 148), Siemens (152), Mercedes (225), Bayer (241) und BMW (289) sind Welten von der Spitze entfernt.

Wobei das keineswegs immer etwas mit dem wirtschaftlichen Erfolg zu tun hat. „Die erheblich eingetrübten Konjunkturaussichten, die hohe Inflation, steigende Zinsen und die massiven geopolitischen Spannungen haben zu einer tiefgreifenden Verunsicherung geführt, obwohl viele der Top-Konzerne nach wie vor hohe Gewinne ausweisen“, sagt Henrik Ahlers, Vorsitzender der EY-Geschäftsführung.

Und die Verunsicherung hält an. „Ein drohender Gasmangel entpuppt sich als fundamentale Bedrohung für viele große Volkswirtschaften, darunter Deutschland. Die Preise für Öl, Gas und Strom werden wohl auf absehbare Zeit hoch bleiben“, sagt Ahlers voraus. Das könnte die Aktienkurse der Industrieriesen weiter belasten, zumal bei steigenden Zinsen die Refinanzierung teurer wird. „Die Hiobsbotschaften häufen sich, viele Krisen, die sich teils gegenseitig befeuern, müssen bewältigt werden, die Gefahr einer weltweiten Rezession ist inzwischen real“, sagt Ahlers. Zudem setzten Geldgeber gegenwärtig mehr auf Profitabilität als auf Wachstum.