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Düsseldorf: Das Millionen-Geschäft mit dem Müll

Düsseldorf : Das Millionen-Geschäft mit dem Müll

Hausmüll wird in Zeiten steigender Rohstoffpreise zur wertvollen Ressource. Die EU fordert, dass Elektroschrott besser verwertet wird. Durch besseres Recycling könnten Experten zufolge künftig die Müllgebühren sinken.

Hausabfälle sind bares Geld wert. Sie enthalten viele Rohstoffe, die wiederverwendet werden können. Und sie sind der Brennstoff für Müllverbrennungsanlagen, die Millionen Deutsche mit Strom und Wärme versorgen. Stefan Gäth, Professor für Abfall- und Ressourcenmanagement an der Universität Gießen, ist überzeugt, dass das, was wir wegwerfen, immer wertvoller wird. "Egal ob Altpapier, Elektroschrott oder Plastikmüll – mit steigenden Preisen für fossile Rohstoffe wird sich unser Umgang mit Müll künftig ändern."

Das größte Potenzial stecke im Elektroschrott, sagt Gäth. Die Preise für Seltene Erden wie Gold, Lithium oder Indium, die für die Produktion von Smartphones oder Tablets gebraucht werden, steigen. Sie haben sich in den vergangenen Jahren teilweise verzehnfacht.

"Insbesondere durch die wachsende Nachfrage in China und Indien steigen die Preise. Rohstoffgewinnung aus Elektroschrott wird immer wichtiger", sagt Michael Schneider vom Entsorger Remondis. Der betreibt im westfälischen Lünen die größte Rückbauanlage für Elektroschrott in Europa. Bereits jetzt versorge sich die Industrie zu gut zehn bis 14 Prozent aus Sekundärrohstoffen. Doch nach wie vor geraten viel zu viele Altgeräte illegal als Gebrauchtware deklariert ins Ausland, sagt der Remondis-Sprecher. "Wir brauchen eine europaweit geregelte Entsorgungspflicht."

Im August 2012 hatte die EU ihre Richtlinien für den Umgang mit Elektroschrott verschärft und sich ehrgeizigere Ziele für die Sammlung von Altgeräten gesetzt. Ab 2016 soll die Zahl der eingesammelten Geräte eine Höhe erreichen, die 45 Prozent der im Vorjahr verkauften Geräte entspricht.

In Deutschland werden jährlich gut 14 Kilogramm Elektroschrott pro Kopf gesammelt – Tendenz steigend (siehe Grafik). Im EU-Durchschnitt sind es nur vier bis sechs Kilogramm. Gut die Hälfte aller in der EU gesammelten Altgeräte werden laut Kommission illegal nach Westafrika, Indien oder Osteuropa exportiert, wo sie teilweise unter brutalen Arbeitsbedingungen ausgeschlachtet werden.

Das sei kein Wunder, sagt Henning Friege, Chef des Düsseldorfer Entsorgers Awista. "Das große Geschäft mit Müll gibt es nur dort, wo Umweltauflagen keine Rolle spielen." Die Trennung des Mülls und die umweltgerechte Entsorgung von hochgiftigen Stoffen seien nach wie sehr aufwendig.

Ein Grund ist, dass Bürger den Müll nicht sorgfältig genug trennen. "Zwei Drittel des Inhalts einer Gelben Tonne in Wohnblöcken sind Fehlwürfe", sagt Friege. "Nicht alles davon kann so getrennt werden, dass sich die Rohstoffverwertung lohnt." Was nicht gewinnbringend recycelt werden kann, landet in der Verbrennungsanlage. 400 000 Tonnen Hausmüll verbrennt die Awista jährlich.

Recycling-Experte Gäth ist überzeugt: Künftig wird mehr Müll recycelt und immer weniger verbrannt werden. Marktführer Eon Energy from Waste (EEW) betreibt 16 Verbrennungsanlagen in Deutschland, diese seien zu mindestens 95 Prozent ausgelastet. Die EEW-Sprecherin ist überzeugt, dass künftig viele Anlagen schließen. "Das wird aber überwiegend ältere Anlagen mit geringer Kapazität betreffen."

Was bedeutet das für die Verbraucher? Recycling-Experte Gäth geht davon aus, dass die wachsende Bedeutung der Rohstoffe aus Müll die Abfallgebühren sinken lässt. Bereits im Juli 2012 hatte der Bund der Steuerzahler berichtet, dass im NRW-Durchschnitt die Gebühr bei 14-tägiger Leerung der Abfalltonnen um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist. Auch der NRW-Städtetag ist überzeugt, dass sich ein weiterer Anstieg des Recycling dämpfend auf die Abfallgebühren auswirkt.

(RP)