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San Francisco: Das iPhone bekommt ein neues Gesicht und ein Radio

San Francisco : Das iPhone bekommt ein neues Gesicht und ein Radio

Apple macht die Benutzerfläche des iPhone übersichtlicher, setzt stärker auf Laptops und arbeitet enger mit den Autokonzernen.

Apple hat schon bessere Zeiten gehabt: Soeben kam heraus, dass der US-Konzern dem heimischen Geheimdienst Nutzerdaten offenbart, im Mai musste sich Vorstandschef Tim Cook im US-Senat wegen Steuertricks rechtfertigen, und kontinuierlich holen die Rivalen Samsung und Google auf– umso wichtiger war für Cook gestern abend hiesiger Zeit, auf der jährlichen Entwicklerkonferenz mit Innovationen zu glänzen. Immerhin hatte die Aktie seit Herbst 40 Prozent ihres Wertes verloren.

Cook stellte tatsächlich einige interessante Produkte vor – doch eine Sensation wie damals ein ganz neues iPhone oder das erste iPad waren nicht darunter. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass Apple immer stärker auch auf den eigenen Tischcomputer (Mac) sowie die Laptop-Familie Macbook setzt. Cook betonte stolz, dass entsprechende Geräte in den USA bereits besser verkauft werden als Geräte mit Betriebssystem von Microsoft. Cook ließ zeigen, wie mit einem Macbook drei Bildschirme mit verschiedenen Inhalten gleichzeitig angesteuert werden. Und die besonders leichten MacBook Air haben künftig zehn Stunden Akkulaufzeit – genug, um eine Filmtrilogie zu sehen.

Die meisten Nutzer dürfte das neue Betriebssystem iOS 7 interessieren, weil es ab Herbst das neue Gesicht von vielen Millionen iPhones und iPads wird. Zu den Details: iOS 7 sieht deutlich übersichtlicher aus als die Vorversion. In der neuen Wetter-App etwa wird anschaulich vor Gewittern gewarnt. Im Internet-Browser Safari kann man sehr schnell zwischen gespeicherten Online-Seiten wie in einem Rollregister blättern. Fotos lassen sich sowohl nach Ort als auch nach Datum leicht sortieren. Und als wohl größte Verbesserung lassen sich künftig mehrere Apps gleichzeitig nutzen – die besten Samsung-Geräte sind da teilweise Vorbild.

Ganz in der Apple-Tradition von vernetzten Geräten können die Kunden Fotos untereinander deutlich leichter austauschen als bisher.

Gleichzeitig versucht Apple, die Geräte immer stärker in das Auto zu integrieren: Eine Reihe an Autokonzernen wie auch Mercedes wollen schon 2014 in die Wagen Displays einbauen, die direkt mit Apple-Geräten verbunden sind – und Apples Informationssystem Siri gibt dann unterwegs Antworten auf mündliche Fragen – indirekt wird Apple so zu einem ähnlichen Suchmaschinenkonzern wie Google.

Passend dazu startet der Streaming-Dienst iTunes Radio. Je nach Geschmack wählen die Kunden ein Programm aus – zum Beispiel einen Extra-Kanal für Fans der Hardrock-Band Led Zeppelin. Wie verdient Apple Geld mit dem Dienst? Songs, die dem Nutzer gefallen, lassen sich kaufen. Ansonsten gibt es Werbe-Unterbrechungen wie im "normalen" Radio. Oder man zahlt im Jahr 24,99 Euro für den Dienst iTunes-Match.

(RP)