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München: Cyber-Angriffe verursachen 43 Milliarden Euro Schaden

München : Cyber-Angriffe verursachen 43 Milliarden Euro Schaden

Viele Firmen unterschätzen die Risiken noch immer.

Viele Unternehmen in Deutschland sind aus Sicht von Fachleuten noch immer zu wenig auf kriminelle Attacken über das Internet vorbereitet. Dabei nehme die Bedrohung zu - nicht nur die Zahl der Angriffe steige, auch der Schaden wachse, zudem betreffe das Thema inzwischen eigentlich jeden Bereich. "Grundsätzlich muss man davon ausgehen, dass heute mehr oder weniger alle Branchen im Fokus stehen", sagt der IT-Experte der Unternehmensberatung Oliver Wyman, Claus Herbolzheimer. Neben Industriespionage geht es dabei etwa um Zugriff auf Geld, Betrug, Datendiebstahl oder Sabotage.

Die Beratungsfirma KPMG geht nach einer Umfrage davon aus, dass inzwischen 40 Prozent aller Unternehmen bereits Ziel von Attacken waren. 2013 habe der Anteil bei 26 Prozent gelegen. Ein typisches Delikt gebe es nicht. "Unternehmen müssen sich deshalb buchstäblich gegen alle möglichen Risiken wappnen", teilte KPMG-Experte Alexander Geschonneck jüngst mit. "Besorgniserregend ist die Tatsache, dass vor allem Unternehmen, die bisher noch kein Opfer von Computerkriminalität wurden, sich in trügerischer Sicherheit wiegen."

Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) aus den USA schätzt die jährlichen Verluste durch Cyber-Kriminalität in Deutschland auf 43 Milliarden Euro. Die Zahl der Cyber-Attacken wächst laut CSIS weltweit pro Jahr um 20 Prozent. Die Angreifer würden immer professioneller - und sie verdienen auch mit ihrem Fachwissen Geld. "Die Täter begehen heute nicht mehr nur die Straftaten im eigentlichen Sinne, sondern bieten auch die zur Begehung von Straftaten erforderliche Schadsoftware oder gar komplette kriminelle Infrastruktur", heißt es beim BKA.

Viele Opfer bemerken gar nicht, dass sie Ziel eines Angriffs wurden - oder trauen sich nicht, diesen zu melden, um ihren Ruf nicht zu riskieren. Die Folgen eines Angriffs für das Image einer Firma sind äußerst unangenehm. "Die Schäden können enorm sein", sagt IT-Experte Herbolzheimer. Zum Beispiel in der Hotellerie: Würden Touristen oder Geschäftsreisende ein Hotel noch buchen, wenn bekannt würde, dass in der Vergangenheit Gäste über das Funknetzwerk ausgespäht wurden? Unternehmen müssten vor allem erkennen, welche Bereiche wichtig und schützenswert sind, um Maßnahmen ergreifen zu können, sagt Herbolzheimer: "100-prozentigen Schutz können sie nicht erreichen. Es ist aber wichtig, dass die Firmen wissen, worauf sie sich konzentrieren müssen."

(dpa)