Düsseldorf: Cromme erstattet Reisekosten

Düsseldorf : Cromme erstattet Reisekosten

ThyssenKrupp soll Rückforderungen an Ex-Aufsichtsratschef gestellt haben

Gerhard Cromme bleibt unter Druck. Eine von Siemens und ThyssenKrupp zunächst gemeinsam finanzierte Reise hat nach einem Bericht des "Manager Magazins" mehr als eine halbe Million Euro gekostet. Cromme reiste demnach über die Jahreswende 2011/12 in Begleitung von Familienangehörigen nach Südamerika – zwar vor allem in seiner Funktion als Aufsichtsratschef der beiden Konzerne. Aber "da die Reise über den Jahreswechsel stattfand, hatte sie auch einen privaten Anteil", sagte gestern ein Sprecher von ThyssenKrupp.

Wie der Sprecher weiter sagte, hat Cromme den privat verursachten Kostenanteil inzwischen zwar beglichen. Im Fall von ThyssenKrupp aber erst, "als die Firma ihm diesen in Rechnung gestellt hat", so der Sprecher. Laut "Manager Magazin" geschah dies im März, kurz bevor Comme nach zahlreichen Querelen zurücktreten musste – also 14 Monate nach der Reise.

Den Vorgang bewerten Beobachter auch deshalb als peinlich für Cromme, weil der groß gewachsene Manager als langjähriger Chef der "Corporate Governance Kommission" im Auftrag der Bundesregierung Regeln für das korrekte Verhalten von Führungskräften festschrieb. Außerdem musste er sowohl bei Siemens als auch bei ThyssenKrupp als Aufsichtsratschef mehrfach selbst prüfen, ob andere Manager den Konzernen aufgrund von problematischen Reiseabrechnungen oder Fehlentscheidungen Zahlungen schuldig sind.

Unterdessen brach die ThyssenKrupp-Aktie gestern um 2,6 Prozent auf 14,55 Euro ein. Die Anzeichen für eine Kapitalerhöhung häufen sich: Nach einem Fünf-Milliarden-Euro-Verlust im vergangenen Jahr gerät jetzt offenbar auch noch der Verkauf des Problem-Stahlwerkes in Brasilien ins Stocken, das die Ursache für die Schieflage des Konzerns ist. Einer der beiden Hochöfen ist ausgefallen. Zudem drohen neue Abschreibungen auf ein Aktienpaket, das ThyssenKrupp im Zusammenhang mit dem Verkauf der Edelstahlsparte an die finnische Outokumpu übernommen hat.

(tor)
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