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Corona 3G Kontrollen in Unternehmen: Mittelfinger statt Impfnachweis

3G-Kontrollen in Unternehmen : Mittelfinger statt Impfnachweis

Betriebe müssen jetzt überprüfen, ob ihre Mitarbeiter geimpft, genesen oder getestet sind. Die Ergebnisse fallen sehr unterschiedlich aus – und nicht überall gibt es Verständnis.

Es ist ein Extrem-, aber kein Einzelfall, von dem Henning Funke berichtet: In einer Bäckerei im Rheinland habe ein Mitarbeiter seine Sachen in einen Müllsack gepackt, dem Chef den Mittelfinger gezeigt und sei gegangen. Impfung? Ohne mich, so die Botschaft. „Der Ton wird rauer“, sagt der Geschäftsführer des Verbands des Rheinischen Bäckerhandwerks. Er hat in den vergangenen Tagen mit etwa einem halben Dutzend Betrieben gesprochen, in denen Mitarbeiter damit drohten, nicht mehr zur Arbeit zu kommen, sobald die 3G-Regeln gelten.

Seit Mittwoch müssen Betriebe kontrollieren, ob ihre Mitarbeiter gegen das Coronavirus geimpft, von einer Erkrankung genesen oder getestet sind. Speziell im Handwerk führt das dazu, dass oft der Chef persönlich den Status seiner Mitarbeiter kontrollieren muss – was gerade bei Betrieben mit unterschiedlichen Einsatzorten der Mitarbeiter umständlich ist. Andreas Ehlert, Präsident von Handwerk.NRW, fordert daher auch: „Die Pandemiebekämpfung muss aktuell Vorrang vor dem Datenschutz haben. Ein Whatsapp-Foto vom frischen Testergebnis des Mitarbeiters auf der Baustelle an den Firmensitz darf kein Datenschutz-Vergehen des Arbeitgebers sein.“

Große Betriebe hingegen regeln die Kontrolle anders. Ford-Chef Gunnar Herrmann erzählt, dass der Autohersteller exakt um Mitternacht die Zugangsberechtigung aller Mitarbeiter zurückgesetzt habe. Beim Betreten der Werksgelände im Saarland oder Köln wurde dann der Status kontrolliert. „Toll ist, dass die Impfquote bei fast 90 Prozent liegt“, sagt Herrmann. Auch die Schlange derjenigen, die sich nun doch noch beim medizinischen Dienst impfen lassen wollen, sei länger geworden.

Bäckerhandwerks-Chef Funke und auch die Landesvereinigung der Unternehmensverbände Nordrhein-Westfalen (Unternehmer.NRW) kritisieren die kurze Zeit, die von der Ankündigung der Regeln bis zur Umsetzung blieb. „Die Vorbereitungszeit ist zu knapp gewesen, um ordentlich zu kommunizieren und die Mitarbeiter zu überzeugen“, sagt Funke. Wer den Nachweis verweigert oder sich einfach krankmeldet, um der Kontrolle zu entgehen, müsse dennoch mit Folgen rechnen: „Wir empfehlen jetzt die konsequente Linie.“ So sieht das auch Johannes Pöttering, Hauptgeschäftsführer von Unternehmer.NRW: „Eine Krankschreibung darf nur dann eingereicht werden, wenn man tatsächlich krank ist – ansonsten drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen.“