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Commerzbank willin den nächsten Jahren viele viele Filialen schließen

Umbaupläne in den nächsten Jahren : Wie das Filialnetz der Commerzbank schrumpft

Etwa 3000 Beschäftigte in den noch 800 Niederlassungen könnten in den nächsten Jahren vom Stellenabbau betroffen sein. Die Digitalisierung ist ein wesentlicher Grund für die Filialschließungen.

In Zeiten, in denen 79 Prozent aller Deutschen ihr Girokonto online pflegen, die Bürger immer mehr mit Karte zahlen und sich Bargeld zur Not auch im Supermarkt besorgen können, kann man sich als verantwortlicher Banker stärker denn je die Frage stellen, ob und wofür man künftig noch Niederlassungen aufrechterhalten will, in denen Menschen arbeiten.

Das Thema ist seit Jahren eines in den Chefetagen nicht nur der deutschen Geldhäuser, doch die Corona-Krise mit ihren Folgen dient vermutlich auch hier als Brandbeschleuniger. Bei der Commerzbank sind von den einst 1000 Niederlassungen 200, die pandemiebedingt geschlossen worden sind, erst gar nicht wieder geöffnet worden. Und von den 800, von denen sich aktuell etwa ein Viertel in Nordrhein-Westfalen befindet, könnten auch bis zu 400 verschwinden, wie das „Manager-Magazin“ berichtet.

Ein Sparprogramm, bei dem Tausende Mitarbeiter ihren Job zu verlieren drohen, könnte eine der ersten großen Duftmarken in der Amtszeit des neuen Konzernchefs Manfred Knof sein. Schon zu Jahresbeginn, als er seinen Job gerade erst angetreten hatte, verkündete Knof der Belegschaft in einem internen Brief frustrierende Nachrichten. Von „noch mehr harten Entscheidungen und weiteren Restrukturierungsmaßnahmen“ war da die Rede, und wer dieses Vokabular kennt, kann sich leicht ausmalen, dass hier weiterer Jobabbau angedeutet wird.

Die Pläne dazu sind schon in der Vor-Knof-Ära entstanden, als Großaktionär Cerberus öffentlichen Druck auf den damaligen Chef Martin Zielke ausübte. Der trat dann prompt zurück, und mit ihm ging Chefkontrolleur Martin Schmittmann, der durch Hans-Jörg Vetter ersetzt wurde, den ehemaligen Vormann der Landesbank Baden-Württemberg. Der holte dann auch noch den früheren HSBC-Deutschland-Vorstandssprecher und Aufsichtsratsvorsitzenden Andreas Schmitz in das Kontrollgremium des Frankfurter Instituts Vetter gilt als Mit-Urheber des Filialprogramms. „Ein konsequenter Sanierer“, sagt Hans-Peter Burghof, Bankprofessor an der Universität Hohenheim..

Also alles wieder neu bei der Commerzbank. Den Kontrolleuren soll Knof in knapp drei Wochen die konkreten Pläne vorstellen. Natürlich äußert sich die Bank zu dem Thema noch nicht und verweist auf die Vorlage der Bilanzzahlen für das vergangene Jahr am 11. Februar. Aber der Kurs ist absehbar. Mit ihm folgt die Bank auch dem Trend, dass immer weniger Menschen in die Niederlassung kommen, jedenfalls nicht, um Geld abzuheben, ihren Kontostand zu prüfen oder irgendeine Überweisung zu tätigen.

Das war schon vor dem Durchbruch des Online-Bankings so, weil es da schon SB-Terminals gab, deren Pflege und Instandhaltung Techniker und Monteure verlangte, aber keine Banker. Die werden heute und in Zukunft mehr denn je gebraucht, um den Kunden eine qualifizierte Beratung zu gewährleisten, wenn sie ihr Geld rentabel anlegen oder eine komplizierte Finanzierung brauchen. „Die technologische Veränderung macht die Schließung von Filialen unumgänglich“, urteilt Burghof. Aber er gibt auch zu bedenken: „Zweigstellen haben einen gewissen Wert, was die Verankerung einer Bank in der jeweiligen Region angeht. Das kann auch zum Problem werden, wenn man sich von Niederlassungen trennt.“

Doch der Trend ist nicht aufzuhalten. In den verbleibenden Zweigstellen heißt es dann: mehr Stellen ins Front Office, wie das Geschäft mit direktem Kundenkontakt heißt, und noch weniger Belegschaft für die Arbeiten im Hintergrund. Für den Abbau dieser Stellen wird die Commerzbank viel Geld aufwenden müssen, denn bevor sie betriebsbedingte Kündigungen ausspricht, wird sie vermutlich erst einmal versuchen, die Personalstärke über Abfindungen und Vorruhestandsregelungen zu verringern. Und einen Teil der Mitarbeiter dafür qualifizieren, dass er andere Aufgaben im Konzern übernehmen kann.

Die Börse hat die Spekulationen gestern ohne große Veränderungen des Aktienkurses aufgenommen. Wie Börsianer in solchen Fällen gern sagen, sind die absehbaren Entwicklungen bei der Commerzbank wohl schon eingepreist. Immerhin hat die Aktie etwa 40 Prozent zugelegt, seitdem bekannt wurde, dass Knof neuer Chef werden und den glücklosen Zielke ablösen würde.Langfristigen Investoren hilft das allerdings nicht: Wer vor zehn Jahren Commerzbank-Aktien kaufte, hat seither auf dem Papier mehr als 80 Prozent des investierten Geldes verloren. Auch an der Stelle kann sich Knof verdient machen.