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CO2-Steuer ab 2021 in Deutschland: Das sollten Verbraucher zur CO2-Besteuerung wissen

Klimaschutz : CO2-Steuer soll mehr Nachhaltigkeit erzwingen

Wird das vor allem teuer oder vor allem gut für die Umwelt? Wir haben die CO2-Steuer samt Vor- und Nachteilen analysiert. Was die CO2-Steuer kostet und wer sie zahlen muss, erfahren Sie hier.

Verbraucher müssen im neuen Jahr tiefer in die Tasche greifen. Der Deutsche Bundestag hat einem höheren CO2-Preis zugestimmt, der nun nicht mehr nur die Industrie und die Fluggesellschaften betrifft. Durch die neue CO2-Steuer werden Sprit, Erdgas und Heizöl für jedermann empfindlich teurer. 

Was ist CO2

CO2 ist die chemische Abkürzung für Kohlenstoffdioxid. Die chemische Verbindung besteht aus den Stoffen Sauerstoff und Kohlenstoff. Kohlenstoffdioxid ist ein farbloses und saures Gas, das in Wasser löslich ist. Grundsätzlich ist CO2 ein ganz normaler Bestandteil der Luft. Dieses Gas stoßen Säugetiere beim Atmen aus. Pflanzen wiederum nehmen es auf und wandeln es mithilfe der Photosynthese in Glukose und Sauerstoff um. Gewässer speichern CO2 physikalisch. Darüber hinaus findet CO2 in der Lebensmittelindustrie Verwendung. Es wird einigen Lebensmitteln zugesetzt beziehungsweise ist darin enthalten. Dazu gehören beispielsweise Mineralwasser, Bier und Sekt. Backhefe und Backpulver setzen bei der Verwendung CO2 frei. 

Ist von CO2 die Rede, denkt man aber vor allem an Kohlenstoffdioxid als Treibhausgas. Bei der Verbrennung fossiler Energieträger in der Industrie und im Straßenverkehr wird CO2 in großen Mengen ausgestoßen, die sich in der Atmosphäre ansammeln und dort schwere Schäden anrichten. CO2 gilt als ein wichtiger Katalysator der Klimaerwärmung. 

Warum ist CO2 schädlich fürs Klima?

Pro Jahr werden in Deutschland 800 Millionen Tonnen CO2 durch menschliche Aktivitäten freigesetzt. Die Hauptverursacher der Emissionen sind die Stromerzeugung, die Industrie und der Verkehr. Deutschland unterstützt die Ziele des Pariser Abkommens von 2015 und hat sich dazu verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. In der Europäischen Union soll dieser bis 2030 um rund 40 Prozent verringert werden. Als Vergleichswert wird der CO2-Ausstoß aus dem Jahr 1990 herangezogen. 

Klimaveränderungen haben starke Auswirkungen auf die Lebensbedingungen von Mensch und Tier. Extreme Wetterlagen wie anhaltende Dürre werden häufiger. Es kommt häufiger zu Waldbränden und weiteren Umweltkatastrophen wie dem Schmelzen der Gletscher und der Polkappen. Daher ist man sich in der Politik weitgehend einig, dass der Klimawandel verhindert oder zumindest abgemildert werden muss.  

Was ist die CO2-Steuer?

Die CO2-Steuer ist eine Umweltsteuer auf Benzin, Diesel, Heizöl und Gas. Sie wurde im Mai 2020 von der deutschen Bundesregierung rund um Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) auf den Weg gebracht. Ganz sang- und klanglos ging das Vorhaben nicht über die Bühne: Wegen Kritik der Opposition wurde die Gesetzesvorlage im politischen Prozess mehrmals abgeändert. So hat das Bündnis 90/Die Grünen erreicht, dass der Grundpreis für eine Tonne CO2 entgegen der ursprünglichen Planungen nochmals deutlich angehoben wurde. 

Die CO2-Steuer ist ein Baustein des neuen Klimaschutzprogramms 2030 und soll helfen, Treibhausgase zu minimieren. Durch die Verteuerung von Benzin, Heizöl, Diesel und Gas soll ein Umdenken in der Bevölkerung und der Industrie stattfinden hin zu umweltfreundlichen Alternativen und erneuerbaren Energien. Ein Beispiel dafür wäre, sich statt eines Geländewagens mit hohem Spritverbrauch ein E-Auto anzuschaffen. 

Warum wird die CO2-Steuer eingeführt?

Um die Klimaziele zu erreichen, will die Bundesregierung nicht mehr nur auf Freiwilligkeit und Appelle setzen. Aus Sicht der Bundesumweltministerin Svenja Schulze ist die CO2-Bepreisung absolut notwendig, um die Ziele des Pariser Abkommens bis 2030 erreichen zu können. „Der höhere CO2-Preis verteuert fossile Brennstoffe und bringt uns den Klimazielen näher. Die Einnahmen aus dem nationalen Emissionshandel werden in voller Höhe für die Entlastung der Haushalte und Unternehmen über die Stromrechnung verwendet“, teilt das Bundesumweltministerium mit. „Die klimafreundliche Wahl soll auch die richtige Entscheidung für den Geldbeutel sein.“ Die neue Steuer soll zu einer Reduzierung der Emissionen führen und somit einen positiven Effekt auf die Umwelt haben.

Die Deutsche Umwelthilfe dagegen hält die neue CO2-Steuer nicht in allen Bereichen für sinnvoll und treffsicher. Ein großer Kritikpunkt hier ist die höhere Besteuerung von Gas und Öl zum Heizen. Die Deutsche Umwelthilfe fordert, dass der ab Januar geltende CO2-Preis für Heizungen vollständig von den Vermietern getragen wird. „Bisher sieht die Regelung vor, dass die Kosten zu 100 Prozent auf Mieterinnen und Mieter umgelegt werden können“, berichtet eine Sprecherin des Vereins. „Das belastet nicht nur insbesondere einkommensschwache Haushalte, sondern setzt auch nicht da an, wo die Entscheidungen getroffen werden.“ 

Wann wird die CO2-Steuer eingeführt? 

Die neue CO2-Steuer, die nun erstmals auch die Verbraucher zu spüren bekommen werden, tritt im Januar 2021 in Kraft. Im Laufe der Jahre, so viel ist jetzt schon bekannt, wird der Preis für eine Tonne des Treibhausgases CO2 weiter angehoben, wodurch die Preise für Benzin, Diesel, Heizöl und Gas nochmals kräftig steigen werden. Bis 2025 wird eine Tonne des Gases 55 Euro kosten. 

Was kostet die CO2-Steuer?

Grundlegend für die Berechnung der neuen Steuer ist der Preis pro Tonne CO2. Dieser CO2-Preis wird zunächst bei 25 Euro liegen und ist von der Politik willkürlich festgelegt worden. Raffinerien und Gaslieferanten beispielsweise müssen über den nationalen Emissionshandel Verschmutzungszertifikate erwerben, deren Preis sich am CO2-Preis orientiert. Wer beispielsweise Heizöl für sein Eigenheim kauft, trägt anteilig die höheren Kosten mit.  

Wer muss die CO2-Steuer bezahlen?

Jeder wird ab Januar 2021 eine Preissteigerung bei Benzin, Diesel, Heizöl und Gas bemerken. Der Verbraucher zahlt die CO2-Abgabe aber nicht direkt. Sie wird bereits bei den Raffinerien und Gaslieferanten erhoben, die die höheren Kosten dann an ihre Kunden weitergeben. Insgesamt rechnet die Bundesregierung in 2021 mit 7,4 Milliarden Euro, die über die CO2-Abgabe in die Steuerkasse fließen werden. Sie hat angekündigt, die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung in Klimaschutzmaßnahmen zu reinvestieren oder die Bürgerinnen und Bürger an anderer Stelle zu entlasten. 

Wie berechnet man den CO2-Anteil?

Als Grundlage der Berechnung der CO2-Steuer dient der von der Bundesregierung willkürlich festgelegte Grundpreis von 25 Euro pro Tonne. Laut Umweltministerium ergeben sich daraus folgende Preissteigerungen: Benzin wird um sieben Cent teurer, Diesel um acht Cent, Heizöl um 7,9 Cent und Erdgas um 0,6 Cent. 

Welche Folgen hat die CO2-Steuer für Autofahrer und Pendler?

Wer sich ab 2021 ein neues Auto kauft, muss damit rechnen, mehr Kfz-Steuern zu zahlen. Das betrifft vor allem diejenigen, die sich für ein Fahrzeug mit hohen Verbrauchswerten entscheiden: Je mehr CO2 das Auto ausstößt, umso teurer wird es. Dazu zählen SUV und Sportwagen mit einem Ausstoß von mehr als 116 Gramm CO2 pro Kilometer. Die Politik versucht durch diese neue Regelung die Verbraucher dazu zu motivieren, auf Autos mit weniger Spritverbrauch oder gleich auf den öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen. Für bereits zugelassene Fahrzeuge ändert sich in Sachen Kfz-Steuer nichts. Der Deutsche Automobilclub ADAC sieht in der neuen Regelung einen vertretbaren Kompromiss zwischen Klimaschutz und bezahlbarer Mobilität. Wichtig ist dem ADAC zu betonen, dass die Halter von bereits zugelassenen Pkw nicht betroffen sind. 

Unabhängig vom Autokauf kommen Mehrkosten durch die CO2-Steuer auf alle Verkehrsteilnehmer zu. Die Preise von Benzin und Diesel an der Zapfsäule erhöhen sich. Ab 2021 werden auf die Benzinpreise sieben Cent draufgeschlagen, Diesel verteuert sich um acht Cent pro Liter. Als Rechengrundlage dient der Preis von 25 Euro pro einer Tonne CO2. Dieser Preis soll jährlich angehoben werden. Verbraucher müssen sich also auf weiter steigende Preise einstellen. 

Als Ausgleich für diese Mehrbelastung erhöht die Politik die Pendlerpauschale. Ab dem 21. Kilometer, der auf dem Weg zur Arbeitsstätte zurückgelegt wird, werden 35 statt bisher 30 Cent steuerlich veranschlagt. Eine weitere Anhebung der Pendlerpauschale ist ab 2024 geplant. 

Beim Thema Verkehr sieht die Deutsche Umwelthilfe einen Schritt  in die richtige Richtung. „Aktuell ist der CO2-Preis jedoch zu niedrig, um Lenkungsrichtung zu entfalten. Notwendig wäre mindestens eine Verdreifachung, um auch nur ansatzweise eine Klimaschutz-Wirkung zu erzielen“, teilt die Deutsche Umwelthilfe mit. Wichtig sei aus Sicht des Vereins zudem eine Reform der Kfz-Steuer, mit der Fahrzeuge, die den EU-Grenzwert von 95 Gramm CO2/km auf der Straße nicht einhalten, deutlich verteuert werden. Die Bundesregierung mache gerade das Gegenteil, wenn sie Dienstwagen subventioniert, die einen hohen Verbrauch und nur einen „Pseudo-Elektro-Zusatzmotor“ haben. Darüber hinaus dürfe man die soziale Dimension bei der Bewertung der CO2-Abgabe nicht vernachlässigen. Von aktuellen Förderprogrammen im Zusammenhang mit Elektromobilität würden derzeit ausschließlich Besserverdienende angesprochen. Umweltfreundliche Mobilität müsse aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe aber für jeden erschwinglich werden. 

Welche Vorteile hat die CO2-Steuer?

Ein probates Mittel, die Gesellschaft zu einem Umdenken zu bewegen, ist es, finanzielle Anreize beziehungsweise Abschreckungen zu schaffen. Genau das soll mit der CO2-Steuer erreicht werden. Durch die Verteuerung von fossilen Energieträgern sollen die Verbraucher dazu bewegt werden, klimafreundlicher zu leben. Ebenso soll in der Industrie für einen Wandel gesorgt werden, indem Produktionsprozesse hin zu einer umweltfreundlicheren Variante mit weniger Emissionen umorganisiert werden. 

Welche Nachteile hat die CO2-Steuer?

Die CO2-Abgabe ist keine neue Erfindung der Bundesregierung. Bisher mussten vor allem Fluggesellschaften und Industrieunternehmen, die hohe Emissionen haben, eine Abgabe bezahlen. Sie erwarben über den nationalen Emissionshandel Zertifikate, die ihnen Verschmutzungsrechte einräumten. Durch die Neuerungen ab 2021 werden mehr Unternehmen und Dienstleister in die Pflicht genommen. Jeder, der Waren und Dienstleistungen anbietet, bei denen CO2 ausgestoßen wird, muss diese Steuer zahlen und Zertifikate auf dem Emissionshandel kaufen. Denkbar ist es, dass für viele Waren und Dienstleistungen in der Folge die Preise steigen werden, weil die Mehrkosten durch die Abgabe auf die Verbraucher umgelegt werden. 

Ein weiterer Nachteil ist, dass die Steuerlast ohnehin bereits hoch ist und durch die CO2-Steuer nochmals deutlich steigt. Ob die Novelle wirklich den gewünschten Nutzen bringt, steht ebenso in Frage. 

„75 Prozent der Treibhausgasemissionen der EU gehen auf den Energieverbrauch zurück. Damit wir die Ziele des europäischen Green Deal erreichen, brauchen wir einen Paradigmenwechsel, um die saubersten und kosteneffizientesten Energielösungen zu implementieren“, teilt Dr. Katharina Reuter, Geschäftsführerin von UnternehmensGrün, dem Bundesverband der grünen Wirtschaft, mit. Elektrizität werde eine weiter steigende Bedeutung auch in den Sektoren industrielle und häusliche Wärmeversorgung sowie Mobilität bekommen. Die dafür notwendigen Investitionen hätten das Potenzial, die wirtschaftliche Erholung nach der Covid 19-Krise anzukurbeln. „Um das europäische Ziel einer Reduktion von Treibhausgas-Emissionen um mindestens 55 Prozent bis 2030 zu erfüllen, braucht Deutschland einen Anteil von 80 Prozent Grünstrom im Jahr 2030“, teilt Dr. Katharina Reuter mit. Die bisherigen Änderungen, die ab 2021 in Kraft treten, reichen dafür nicht aus. 

Welche Länder haben bereits eine CO2-Steuer?

In anderen Ländern gibt es bereits eine Steuer auf Emissionen. Schweden setzt seit vielen Jahren auf die CO2-Steuer. In dem skandinavischen Land gibt es sie bereits seit dem Jahr 1991. Eine Tonne CO2 kostet dort 115 Euro. Die Besteuerung hatte im Laufe der Jahre zur Folge, dass viele Verbraucher ihre Heizungsanlagen modernisierten. Heute wird in Schweden kaum noch Öl zum Heizen genutzt, weil es einfach zu teuer ist. Somit hat man bereits große Erfolge im Klimaschutz erzielen können, so dass es für Schweden sogar realistisch ist, einer großen Ambition nachzugehen: Schweden will bis 2045 CO2-neutral sein. 

Hier geht es zur Infostrecke: Zehn Dinge, die Sie im Zusammenhang mit der CO2-Steuer wissen sollten