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Bundesbank: Claudia Buch soll offenbar Vizepräsidentin werden

Bundesbank : Claudia Buch soll offenbar Vizepräsidentin werden

Die Wirtschaftsweise Claudia Buch soll Regierungskreisen zufolge neue Vizepräsidentin der Bundesbank werden. Die Personalie war in der Koalition umstritten, am Mittwoch dürfte sie offiziell werden.

Die Wirtschaftsweise Claudia Buch soll Regierungskreisen zufolge neue Vizepräsidentin der Bundesbank werden. Die Personalie war in der Koalition umstritten, am Mittwoch dürfte sie offiziell werden.

Eine mit der Personalentscheidung vertraute Person bestätigte dies am Montag der Nachrichtenagentur Reuters in Berlin. Die 47-jährige Claudia Buch folgt Sabine Lautenschläger nach, die Ende Januar als Nachfolgerin für Jörg Asmussen in das Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) gewechselt war.

Buch leitet das renommierte Wirtschaftsforschungsinstitut IWH in Halle. Weder sie noch ihr bisheriger Arbeitgeber wollten sich dazu äußern. Die Personalie war innerhalb der großen Koalition umstritten. Während sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für Buch starkmachte, trat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) für Bundesbank-Vorstand Joachim Nagel ein.

Endgültig dürfte am Mittwoch das Bundeskabinett die Berufung beschließen. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte Buch dem Vernehmen nach favorisiert. Zudem lag nach dem Abgang Lautenschlägers die erneute Berufung einer Frau in den sechsköpfigen Vorstand der deutschen Notenbank in der Luft. Lautenschläger hatte Asmussen im EZB-Direktorium ersetzt, der als Staatssekretär ins Bundesarbeitsministerium gewechselt ist.

Buchs fachliche Kompetenz hätten auch die Sozialdemokraten nicht bestritten, hieß es. Stattdessen hätten sie kritisiert, dass die Wirtschaftsprofessorin keine politische und keine größere Verwaltungserfahrung habe und dass mit ihr wieder ein externer Vertreter in die Spitze der Notenbank aufrücke. Der unterlegene Kontrahent Nagel ist seit Jahren Bundesbankvorstand.

Buch ist seit 2012 Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung und leitet das renommierte Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). Die Ökonomin ist außerdem Mitglied des bei der EZB angesiedelten wissenschaftlichen Beirats des Europäischen Ausschuss für Systemrisiken, der Probleme im Finanzsystem erkennen soll, bevor sie zu Krisen führen. Die gebürtige Paderbornerin hat an den Universitäten von Bonn und Wisconsin Volkswirtschaft studiert.

Promoviert und habilitiert wurde sie am Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Ihre Forschungsschwerpunkte waren zuletzt Finanzmärkte, Bankenregulierung und Geldpolitik.

(REU)