Düsseldorf/Utrecht: City Logistik – NRW kann von Utrecht lernen

Düsseldorf/Utrecht : City Logistik – NRW kann von Utrecht lernen

In der Studie "NRW 2020" schlägt McKinsey eine neues Verkehrskonzept für die City vor. Halbleere Lkw sollen aus den Innenstädten verbannt werden. Die niederländische Stadt Utrecht macht dies bereits vor – mit Erfolg.

Wer morgens in NRW pendeln muss und es eilig hat, kann regelmäßig verzweifeln: Die Straßen in den Innenstädten sind verstopft – und einer der Gründe dafür ist der Lkw-Lieferverkehr. In einigen Städten hingegen beschweren sich die Zusteller, weil sie die engen Zeitfenster nicht einhalten können, in denen sie in der Fußgängerzone mit ihren großen Sprintern Ware ausliefern dürfen. Im niederländischen Utrecht sind solche Szenen nicht mehr täglich zu sehen – und das, obwohl die 600 000-Einwohner-Stadt ähnliche Verkehrsprobleme hatte.

Die Lösung ist 1,25 Meter breit, mit 16 Metern so lang wie ein Lkw und hat drei Waggons, die an einem kleinen Zugwagen hängen. "Cargohopper" heißt das Gefährt, das den Lieferverkehr in Utrecht seit 2009 entlastet.

Zwar gibt es auch Regeln, um das Verkehrschaos in der Innenstadt einzudämmen, sagt Geschäftsführer Bert Roozendaal. Wollen Firmen kostenfrei Waren ins Zentrum liefern, müssen sie das frühmorgens tun. "So früh haben viele Läden aber nicht offen", erklärt er, "also müssten die Unternehmen später zwei Lkw in die Stadt schicken, damit sie im Zeitfenster bleiben." Nicht sehr umweltbewusst, deshalb kommt nun der Cargohopper. Die elektrisch betriebenen Fahrzeuge dürfen den ganzen Tag durch die Innenstadt fahren – und sind damit die einzigen neben der niederländischen Post und den Lieferdiensten TNT und DHL. "Das soll Anreiz für Firmen sein, den Dienst auch zu nutzen", sagt Roozendaal.

Und so funktioniert das System: Außerhalb der Stadt gibt es sogenannte Logistik-Hubs. Von ihren Lagern bringen Unternehmen die Ware mit Lkw an diese Umschlagplätze, Gabelstapler laden sie auf die Cargohopper um. Der kleine Elektro-Lkw zieht die Anhänger hinter sich her, die etwa eine Tonne Waren fassen und mit 20 Stundenkilometern durch die Stadt mit ihren engen mittelalterlichen Gassen zuckeln. Da die Wagen zwar lang, aber kaum breiter als ein Auto sind, kann der Verkehr auch während der Ladezeiten weiter fließen.

Das Modell könnte auch für andere Städte ein Vorbild sein, meint die Unternehmensberatung McKinsey – zumal der Lieferverkehr wegen des wachsenden Online-Handels dichter werden wird. Für die Studie "NRW 2020" hat McKinsey in Zahlen die Vorteile aufgeschlüsselt, die das Konzept für Düsseldorf bringen könnte: Etwa 35 000 Unternehmen, die den Service nutzen könnten, sitzen in der Landeshauptstadt. Kunden wären vor allem Gastronomiebetriebe, Hotels und Bürokomplexe, die meist keinen eigenen Fuhrpark haben. 120 000 Lkw-Fahrten müssen Düsseldorfer Straßen jeden Tag ertragen – die Hälfte davon hat ein oder mehrere Ziele in die Innenstadt. Bis zu 6000 Fahrten könnten eingespart werden, wenn man die Waren in einem Logistikzentrum bündelte und mit einem Lieferdienst ähnlich der Cargohopper ausfahren ließe, rechnet McKinsey vor. Das hätte in NRW etwa 15 bis 20 Prozent weniger Emissionen und weniger Staus zur Folge. Und die City-Logistik schont auch die Kassen: Um den Verkehr nur einen Stundenkilometer schneller fließen zu lassen, müssten im Straßenbau viermal mehr Mittel aufgebracht werden, als das Liefersystem koste.

In den Niederlanden sind die Cargohopper auf dem Vormarsch. Seit diesem Jahr fahren die Wagen in Enschede, bald auch in Amsterdam. Die Erfahrungen seien positiv, bilanziert Roozendaal. "Weniger Verkehr, weniger Lärm, weniger Staub." Noch sei das Geschäft aber sehr konjunkturabhängig. Gegenwärtig werden nur rund ein bis zwei Prozent aller Innenstadtlieferungen mit dem Dienst abgewickelt. In Zeiten, in denen die Menschen viel bestellten, nutzten mehr Firmen den Service als in wirtschaftlich schwachen Zeiten. Pro Paket werden für den Service um die zwei Euro fällig, für einen Rollcontainer etwa zehn Euro. Dass man mit einem Lkw und der Gebühr für die Cargohoppermehr sparen kann, als wenn man alles einzeln in die Stadt bringt, "muss erst noch in den Köpfen ankommen", meint Roozendaal.

Profitabler laufe das Geschäft mit Händlern in der Innenstadt, die den Transportdienst abonnieren: In Enschede nehmen die Carghopper 2 – größere, schnellere Elektro-Lkw – auf dem Rückweg ihrer Touren Papier, leere Verpackungen und Pakete für Online-Lieferungen der Läden mit. Leerfuhren gibt es nicht mehr.

(RP)