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Düsseldorf: Chemie einigt sich nach hartem Kampf

Düsseldorf : Chemie einigt sich nach hartem Kampf

Die 550 000 Beschäftigten bekommen 2,8 Prozent mehr Geld für 17 Monate.

Am Ende war es nicht mehr als ein Werbegag, mit dem die IG Bergbau Chemie Energie (IG BCE) in die diesjährigen Tarifgespräche für die 550 000 Chemie-Beschäftigten gestartet war. Tarifvorstand Peter Hausmann hatte vor Verhandlungsbeginn gefordert, für Mitarbeiter ab 60 Jahren solle künftig auch eine Drei-Tage-Woche möglich sein. Übrig geblieben ist davon am Ende nicht viel. Aber gerechnet hatte mit einer Umsetzung dieser Forderung wohl ohnehin keiner der Beteiligten.

Denn selten war eine Tarifrunde in der chemischen Industrie derart aufgeheizt wie in diesem Jahr. Für gewöhnlich schaffen es beide Seiten, sich in der zweiten Runde zu einigen. Ohne großes Trara, ohne Reibereien, schnell und geräuschlos. Regelmäßig verweisen Arbeitgeber und Gewerkschaft auf die gut funktionierende Sozialpartnerschaft. Hohes Lohnniveau ohne große Konflikte - so könnte man das gemeinsame Motto beschreiben.

Doch in diesem Jahr standen die Zeichen erstmals auf Sturm. Wäre es gestern zu keiner Einigung gekommen, wäre der erste echte Arbeitskampf seit 1971 ein großes Stück näher gerückt. Die Drohungen der IG BCE und die Warnstreiks dürften Eindruck gemacht haben, denn bereits am Donnerstagmittag hieß es nach Angaben von Verhandlungsteilnehmern, man habe für eine bessere Gesprächsatmosphäre gesorgt und "auf Neustart geschaltet".

Die 2,8 Prozent bei einer Laufzeit von 17 Monaten sind ungewöhnlich bescheiden für die IG BCE, die in den vergangenen Jahren deutlich mehr durchsetzen konnte. Allerdings kommt noch der höhere Beitrag der Arbeitgeber zum Demografiefonds hinzu - und dieser kommt nach Gewerkschaftsangaben einer Erhöhung um 0,9 Prozent gleich. Über die Verwendung des Geldes, das die Arbeitgeber in den Fonds einzahlen, entscheiden Geschäftsführung und Betriebsräte. Sie können dieses entweder für ein Langzeitkonto, die Altersteilzeit, eine Teilrente, eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung, die tarifliche Altersvorsorge und die etwas sperrig klingende "lebensphasenorientierte Arbeitszeit" - also die Vier-Tage-Woche - nutzen.

Die Gewerkschaft akzeptierte im Gegenzug zähneknirschend die lange Laufzeit von 17 Monaten. Außerdem erlaubt der Abschluss es Unternehmen in wirtschaftlich schwieriger Situation, die Tariferhöhung um zwei Monate aufzuschieben. IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis sprach von einem "tragfähigen Ergebnis" für die Beschäftigten.

(RP)