1. Wirtschaft

Ceconomy-Verlust im dritten Quartal verdoppelt

Elektronikhandel : Media-Markt-Mutter rutscht tief ins Minus

Die Elektronikhandelskette Ceconomy gerät zwischen April und Juni noch weiter in die roten Zahlen. Sie kann die Kosten aus der Rückkehr zum Normalbetrieb nicht auffangen. In Deutschland leidet das Geschäft am meisten unter der Pandemie.

Das hätte sich Karsten Wildberger mit Sicherheit anders gewünscht: Knapp zwei Wochen vor dem offiziellen Start des neuen Vorstandsvorsitzenden entwickelt sich das pandemiegeprägte Geschäftsjahr 2020/2021 für den Elektronikhändler Ceconomy und seine Marken Media-Markt und Saturn immer schlechter. Im dritten Quartal dieses Geschäftsjahrs, also zwischen April und Juni, hat sich der operative Verlust der Elektronikhandelskette auf 106 Millionen Euro mehr als verdoppelt. „Fast das gesamte laufende Geschäftsjahr war bisher von der Covid-19-Pandemie und den damit verbundenen temporären Marktschließungen, insbesondere in Deutschland, geprägt“, erklärte der noch amtierende Konzernchef Bernhard Düttmann am Montag bei der Vorlage der vorläufigen Quartalszahlen. „Das dritte Quartal bildete dabei keine Ausnahme“, so Düttmann. Das bereinigte Ebit, bei dem unter anderem Effekte aus Standortschließungen nicht eingerechnet sind, sank um 48 Millionen Euro auf minus 93 Millionen Euro. Bei dieser Kennziffer steckt der Konzern somit nach neun Monaten deutlich in den roten Zahlen. Endgültige Daten soll es am 12. August geben.

Dass der Lockdown das Geschäft auf dem Heimatmarkt besonders getroffen hat, kann man auch an den Umsazentwicklungen in einzelnen Staaten ablesen. Während in den nicht-deutschsprachigen Auslandsmärkten die Umsätze teils deutlich gestiegen sind, verlor der zusamengefasste Bereich Deutschland/Österreich/Schweiz mehr als vier Prozent an Geschäft. Die vollständige Öffnung der deutschen Media-Markt- und Saturn-Märkte sei erst zum Ende des dritten Quartals, also im Juni, möglich gewesen, so Düttmann. Und auch da kamen die Kunden dann nicht in dem Maß, wie sich das Ceconomy erhofft hatte:  Die Kundenfrequenz liege  noch unter dem Niveau von vor der Pandemie, so Düttmann. Gleichzeitig ging die Kurzarbeit in großen Teilen zu Ende, so dass bei Ceconomy auch die laufenden Kosten zuletzt wieder deutlich stiegen.

Das Online-Geschäft hat zu wenig Entlastung gebracht, innerhalb des Konzerns ist es langsamer gewachsen als die Gesamterlöse. Während diese mehr als sieben Prozent zulegten, wuchs der Online-Umsatz nur um 3,3 Prozent auf etwa 1,5 Milliarden Euro, In den zurückliegenden Quartalen hatte er noch immer deutlichen Schub gegeben. Der ist in den Ländern, in denen die Filialen wieder schneller und durchgängiger geöffnet hatten als in Deutschland, zwischen April und Juni offenbar ausgeblieben. Insgesamt macht der Online-Handel bei Ceconomy gegenwärtig etwas mehr als ein Drittel des Geamtgeschäfts aus.

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Keine leichte Aufgabe also für den künftigen Konzernchef Wildberger, der von Eon kommt und am 1. August seinen Job in Düsseldorf antritt. Zumal der promovierte Physiker und sein Arbeitgeber auch noch ein Problem bei den Aktionären lösen müssen: Die geplante Komplettübernahme der Media-Saturn-Holding hat sich zuletzt verzögert, weil eine Handvoll Anteilseigner gegen die dafür notwendige geplante Kapitalerhöhung ist. Hintergrund: Ceconomy will Alleineigentümer von Media-Saturn werden und dafür die 21,62 Prozent kaufen, die die Erben des Media-Markt-Mitgründers Erich Kellerhals noch über ihre Familienholding Convergenta halten. Im Gegenzug soll Convergenta mit bis zu 29,99 Prozent an Ceconomy beteiligt werden. Im ersten Schritt sollen 25,9 Prozent der Anteile übertragen werden; zudem soll Convergenta bei dem Tausch 130 Millionen Euro in bar sowie Wandelanleihen im Wert von 160 Millionen Euro bekomen, die das Unternehmen in Aktien umtauschen können soll.

Dafür jedoch wäre die Kapitalerhöhung notwendig. Wegen der Klagen gegen sie ist der bisherige Zeitplan nun nicht mehr zu halten. Im laufenden Geschäftsjar wird der Deal auf jeden Fall nicht mehr abgeschlossen. Ceconomy erwägt, die Aktionäre erneut über die Kapitalmaßnahmen abstimmen zu lassen. Eine Entscheidung darüber ist aber noch nicht gefallen.