Düsseldorf: Ceconomy enttäuscht die Börse

Düsseldorf: Ceconomy enttäuscht die Börse

Die Aktie des Elektronikhändlers verliert deutlich, weil die Analysten mutigere Gewinnprognosen erwartet hatten. Das Unternehmen verstärkt seine Online-Offensive. Im Streit mit Gesellschafter Kellerhals könnte es bald eine Lösung geben.

Der Elektronikhändler Ceconomy (Media-Markt, Saturn) ist gestern an der Börse Opfer der eigenen vorsichtigen Einschätzung geworden. Der eine Teil des im vergangenen Jahr aufgespaltenen Metro-Konzerns hat für das laufende Geschäftsjahr eine Gewinnsteigerung mindestens im mittleren einstelligen Prozentbereich vorausgesagt. Fünf Prozent könnte man daraus schließen. Weil aber die Analysten im Schnitt acht Prozent Plus als Prognose erwartet hatten, ging es mit der Aktie nach unten. Mehr als 4,5 Prozent betrug zum Handelsschluss der Kursverlust.

Ceconomy-Chef Pieter Haas und sein Vorstandskollege Mark Frese wollen sich davon aber nicht kirre machen lassen. Für Finanzvorstand Frese ist der Kursrückgang das Ergebnis von Gewinnmitnahmen; Haas will lieber etwas weniger versprechen als zu viel. In der Tat verdient Ceconomy aber weniger als manche Konkurrenten, und das ist am Kapitalmarkt wohlbekannt. Auch die Ankündigung, im kommenden Jahr 26 Cent Dividende je Aktie zahlen zu wollen, hat die Börsianer nicht versöhnlich gestimmt.

Zu Haas' Botschaften, mit denen er die Akteure an den Finanzmärkten gewinnen will, gehören die noch stärkere Verzahnung von Filial- und Online-Geschäft und mehr Dienstleistungsangebote an die Kunden. Damit will man auch dem Onlinehändler Amazon Paroli bieten, der zuletzt angekündigt hatte, Geschäfte in Deutschland eröffnen zu wollen. "Das haut uns nicht aus den Socken", sagt Haas. Vor fünf Jahren habe jeder gesagt, Media Markt und Saturn müssten werden wie Amazon - nun setze der US-Riese auf ein ähnliches Konzept wie die Ketten.

  • Düsseldorf : Ceconomy hat mal wieder Ärger mit Kellerhals

Was das Internet angeht, ist Media-Saturn spät aus den Startlöchern gekommen, aber mittlerweile in die Offensive gegangen. Der Online-Umsatz ist im abgelaufen Geschäftsjahr um 23 Prozent gestiegen und macht jetzt knapp elf Prozent an den Gesamterlösen von rund 22 Milliarden Euro aus. Das mittelfristige Ziel ist ein Anteil von 15 Prozent. Ähnlich sieht die Losung bei den Dienstleistungen aus. Die machen etwas mehr als sechs Prozent am Umsatz aus; die Zielmarke liegt bei zehn Prozent. Insgesamt soll der Umsatz leicht steigen; die Ergebnisprognose gilt sowohl für den Vorsteuergewinn Ebit als auch für das Ebitda, also einschließlich Abschreibungen. Für die beiden Problemmärkte Russland und Schweden soll es innerhalb der nächsten zwölf Monate eine Lösung gehen: Entweder gehört Ceconomy zu den Großen des Landes, oder es sucht Ausstiegschancen.

Was den Dauerstreit mit Minderheitseigentümer Erich Kellerhals angeht, hofft das Management darauf, dass der Media-Markt-Mitgründer irgendwann seine Anteile abgibt. Der einzige mögliche Weg aus Sicht von Haas ist eine Trennung der Streithähne, und da wäre dann eine Übernahme der Kellerhals-Anteile das Ziel des Vorstands. Darauf hat Kellerhals allerdings noch nicht reagiert. Der Mediator Clemens Vedder soll eine Lösung im Interesse beider Seiten finden.

Die zweite Baustelle, die nichts mit dem eigentlichen Geschäft des Elektronikhändlers zu tun hat, ist die Untersuchung der Staatsanwaltschaft Düsseldorf. Die prüft einen Verdacht auf Marktmanipulation. Bei diesem Vorwurf geht es darum, dass die damalige Metro, zu deren Vorstand Haas und Frese gehörten, möglicherweise ihre Ad-hoc-Meldepflicht verletzt hat, indem sie die Absicht, den Konzern aufzuspalten, zu spät veröffentlicht hat. Man habe den Kapitalmarkt immer rechtzeitig informiert, beteuerte Haas gestern. Im März 2016 sei bereits die Absicht, den Konzern möglicherweise aufzuspalten, veröffentlicht worden; damals habe es noch gar keinen Gremienbeschluss gegeben.

(RP)