Düsseldorf: Carlos Slim stützt Verkauf von E-Plus

Düsseldorf : Carlos Slim stützt Verkauf von E-Plus

Der Multimilliardär aus Mexiko hat bei O2 einen höheren Preis für den Düsseldorfer Mobilfunker E-Plus durchgesetzt. Für die Arbeitsplätze und die Kunden ist das keine gute Nachricht – doch das Kartellamt könnte noch intervenieren.

Beim Verkauf von E-Plus ist gestern ein wichtiger Zwischenschritt gelungen: Der Hauptaktionär des E-Plus-Mutterunternehmens KPN, Carlos Slim, stimmt nun doch der Abgabe des Düsseldorfer Mobilfunkers an den Wettbewerber Telefónica Deutschland/O2 aus München zu. Vorher hatte es Verhandlungen zwischen dem mexikanischen Multimilliardär und O2 sowie dessen Mutterkonzern Telefónica aus Spanien gegeben. Als Ergebnis erhöhte O2 das Angebot für E-Plus um rund 500 Millionen Euro – und Slim wird als Hauptaktionär von KPN dem Verkauf von E-Plus zustimmen.

Für die Mitarbeiter und die Kunden ist der neue Schritt keine gute Nachricht. Zwar können die 4000 Beschäftigten von E-Plus stolz darauf sein, dass ihr Unternehmen mit insgesamt 8,5 Milliarden Euro bewertet wird. Doch die Zeit als unabhängige starke Kraft im deutschen Mobilfunkmarkt könnte nun zu Ende gehen.

In der konkreten Umsetzung erhält KPN zwar wie geplant einen Anteil von 24,9 Prozent an Telefónica Deutschland und 3,7 Milliarden Euro in bar. Im zweiten Teil der Transaktion winkt KPN aber mehr Geld. Der spanische Telefónica-Konzern wird KPN 1,3 Milliarden Euro zahlen und dafür statt 7,3 Prozent an der deutschen Tochter lediglich 4,4 Prozent erhalten. Die weiteren 2,9 Prozent an Telefónica Deutschland können die Spanier der KPN innerhalb eines Jahres für 510 Millionen Euro abnehmen – als Ergebnis hätte KPN sich praktisch aus Deutschland zurückgezogen.

Telefónica Deutschland würde fast 45 Millionen Kundenbeziehungen kontrollieren. Der Aktienkurs des Unternehmens stieg denn auch gestern um ungefähr zwei Prozent an.

Doch bei allem Jubel der Anteilseigner ist noch keineswegs sicher, ob das Geschäft wirklich durchgeht. Denn das Bundeskartellamt signalisierte vergangene Woche große Skepsis. "Dass ein solcher Zusammenschluss erhebliche Folgen für den Wettbewerb hätte und in all seinen Facetten genau geprüft werden muss, liegt auf der Hand", hatte Kartellamts-Chef Andreas Mundt erklärt. Zwar gebe es in wenigen Ländern wie Österreich nur noch drei überregionale Netzbetreiber, doch spielt das für Wettbewerbswächter Mundt keine Rolle.

Ein Vergleich mit Deutschland sei schon mit Blick auf die Einwohnerzahl wenig sachgerecht. Zudem seien in den meisten EU-Staaten, selbst in kleineren Ländern wie Schweden immer noch vier Mobilfunknetzbetreiber aktiv. "Andere EU-Länder können keine Blaupause für dieses Fusionskontrollverfahren liefern. Es kommt allein auf die Marktverhältnisse in Deutschland an", sagte Mundt.

Sofern E-Plus-Chef Torsten Dirksden Verkauf seiner Firma überhaupt wirklich unterstützt – er ist im Nebenberuf KPN-Vorstand und da zu Disziplin verpflichtet – könnten viele frühere Äußerungen von ihm mit dazu führen, dass die Übernahme verboten wird. Denn Dirks hatte oft darauf hingewiesen, dass E-Plus die Preise im deutschen Mobilfunkmarkt stärker als alle Wettbewerber nach unten getrieben hatte.

E-Plus hatte auch mit der Flatratemarke "Base" Pauschaltarifen zum Durchbruch verholfen – mittlerweile sind Vodafone und Telekom aber ähnlich aggressiv mit Flatrates unterwegs. Um die Fusion genehmigt zu bekommen, hatte Dirks bereits angedeutet, man könne Frequenzen an die Wettbewerber abgeben. An den Marktverhältnissen von nur drei Wettbewerbern würde das aber nichts ändern.

(RP)