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Frankfurt/M.: Bundesbank korrigiert Prognose

Frankfurt/M. : Bundesbank korrigiert Prognose

Ihr Chef Jens Weidmann erwartet für 2013 nur noch 0,3 Prozent Wachstum. Auch wenn die Exporte deutlich gestiegen sind – wegen der Schuldenkrise steht in der Euro-Zone viel auf wackligen Füßen.

Deutschland mag in der konjunkurellen Schwächephase der Euro-Zone noch das stärkste Glied der Kette sein, aber der Krise entziehen kann es sich auch nicht. Allein schon deshalb nicht, weil ein Großteil der deutschen Exporte in die Mitgliedsstaaten geht. Und auch wenn die Ausfuhren im vergangenen Monat wieder deutlich zugelegt haben – solange die Krise schwelt, stehen die Ausfuhren auf einem wackligen Fundament. "Trotz eines starken Monatsergebnisses bleibt die Entwicklung fragil", erklärte Anton Börner, der Präsident des Bundesverbandes des Groß- und Außenhandels (BGA). Die wesentlichen Impulse seien aus Übersee gekommen, heißt es.

Die andauernde Staatsschuldenkrise krise lässt vieles auf wackligen Füßen stehen. Die Konjunktur erhole sich nur mühsam, hat die Bundesbank festgestellt. Und trotz des überraschend starken Exportanstiegs im April sagt sie für das Gesamtjahr den ersten Rückgang der Ausfuhren seit dem Krisenjahr 2009 voraus. Die Rezession in den Euro-Ländern als wichtigstem Absatzkanal der deutschen Exportindustrie macht mehr unmöglich. Ergebnis der Analyse: Die Bundesbank senkt ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr von 0,4 auf 0,3 Prozent.

Andere Signale stimmen dennoch zuversichtlich. Die Bundesbank setzt unter anderem auf die Binnenwirtschaft: "Die gute Arbeitsmarktlage, stärker steigende Löhne und eine nachlassende Teuerung stützen in Deutschland den privaten Verbrauch", glaubt Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Der dürfte auch von der niedrigen Inflation profitieren. Die Bundesbank rechnet mit einem Preisanstieg um 1,6 Prozent für dieses Jahr und 1,5 Prozent im kommenden Jahr. Die Perspektiven für die Konjunktur hätten sich zuletzt aufgehellt, die deutsche Wirtschaft komme langsam wieder in Schwung. Und noch ein gutes Zeichen: Auch die Produktion in Deutschland legte zu. Vor allem am Bau gab es nach dem strengen Winter starke Nachholeffekte. Ökonomen rechnen deshalb mit einem guten zweiten Quartal, sie rechnen aber auch damit, dass der Schwung im zweiten Halbjahr nachlassen wird.

Andererseits: Auch diese Prognose liegt 0,4 Prozentpunkte unter der bisherigen Voraussage. Und sie funktioniert vermutlich auch nur, wenn es in der Euro-Zone insgesamt aufwärts geht. Das dauert. Griechenland hat gestern im sechsten Jahr der Rezession einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 5,8 Prozent mitgeteilt. Frankreich meldete am Vortag die höchsten Arbeitslosenzahlen seit 15 Jahren. In Spanien hat die Industrieproduktion im April zwar sieben Prozent zugelegt, aber das liegt unter anderem daran, dass im April 2012 auch das Osterfest für geringere Produktionszahlen gesorgt hatte. Rechnet man diesen Effekt heraus, beklagen die Iberer erneut sinkende Fertigungszahlen in der Industrie.

Diese Effekte lassen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht an eine schnelle Wende in der europäischen Zinspolitik glauben. Erst müssten Strukturreformen im Euro-Raum greifen, erst müsse das Vertrauen in Europas Banken wiederhergestellt sein, sagte Merkel bei der Stiftung Familienunternehmen. "Je weniger neue Schulden entstehen, desto mehr Raum ist für eine Kreditvergabe an Unternehmen", sagte Merkel. Erst danach sehe sie Raum für Zinssteigerungen.

Das Problem: Auch niedrige Zinsen haben die Konjunktur in den Euro-Krisenländern bisher nicht wirklich ankurbeln können. Und ohne ausreichendes Wachstum scheint eine Entschuldung schwierig. Griechenland ist dafür das beste Beispiel, weil die notwendigen Sparprogramme bisher jede wirtschaftliche Erholung unmöglich gemacht haben.

(RP)