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Bundesbank: Das Bargeld geht nicht aus

Versorgung der Bürger : Bundesbank: Das Bargeld geht nicht aus

Weder um die Verfügbarkeit noch um die Hygienen müssen sich die Deutschen sorgen. Das sagen Zentralbanker und Infektiologen. Ein Schweizer Experte dagegen glaubt, auf Scheinen könnten Grippeviren 17 Tage überleben.

Am Montag hat die Bundesregierung erklärt, dass Banken und Sparkassen geöffnet bleiben sollen. Das beruhigt indes nicht alle. Manche haben offenbar große Zweifel an der Aufrechterhaltung der Bargeldversorgung in der Corona-Krise. Ein Beispiel: die Sparkasse Duisburg. Die meldete am Dienstag verstärkten Andrang auf alle Filialen. In zwei Geschäftsstellen im Stadtgebiet wurden sogar Zugangsbeschränkungen eingeführt, weil am Montag und Dienstag zu viele Kunden – vor allem ältere Menschen – Geld abgehoben und Überweisungen erledigt haben. „Es haben sich so viele Menschen in der Filiale aufgehalten, dass wartende Kunden erstmal draußen bleiben mussten“, sagte ein Sprecher unserer Redaktion. Die Sparkasse warnt nun davor, einen „Run“ auf die Filialen zu starten. Es gebe zwar eine verstärkte Nachfrage nach Bargeld, die Versorgung sei aber in jedem Fall gesichert, es gebe keinen Grund zur Sorge. Ältere Kunden sollten Bankbesuche vermeiden, sie könnten Überweisungen bis 1500 Euro auch telefonisch über das Servicecenter erledigen.

Das Beispiel Duisburger Sparkasse steht stellvertretend für einen Andrang, den es auch bei anderen gegeben haben dürfte. Bargeld ist ungeachtet des wachsenden Trends zum bargeldlosen Zahlen derzeit ein Riesenthema für die Menschen. Dazu ein paar wichtige Hinweise:

Muss man sich Sorgen um die Bargeldversorgung machen? Nein, weil es tatsächlich genug Stellen gibt, an denen man sich versorgen kann. „Das Bargeld wird in Deutschland nicht ausgehen, unsere Tresore sind prall gefüllt, die Logistik stimmt“, sagte Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann am Dienstag. Kanzlerin Angela Merkel sagte auf die Frage, ob sich Menschen Sorgen machen müssten, dass Geld knapp werden könnte: „Es gibt keinerlei Anzeichen dafür.“ Solche Befürchtungen seien gegenstandslos. Insgesamt gibt es in Deutschland etwa 60.000 Geldautomaten bei Privat- und Volksbanken sowie den Sparkassen, dazu noch einmal 20.000 Stellen in Handelsfilialen. Kunden der Cash Group (Deutsche Bank, Postbank, Commerzbank, HypoVereinsbank) können zudem an 1300 Shell-Tankstellen Geld ziehen. Für Mitglieder der Cash-Pool-Gruppe (zwei Dutzend andere Privat- und Genossenschaftsbanken) gibt es zum Teil auch Bargeldversorgung auf Betriebsgeländen. Selbst wenn Bankfilialen geschlossen sind, gibt es häufig Zugang zu vorgelagerten Räumen mit Geldautomaten.

Kann Bargeld Viren verbreiten? Die Antwort liegt in der Umkehrung: Würde sich das Virus tatsächlich über Scheine und Münzen weiterverbreiten, wäre die Zahl der infizierten Menschen vermutlich weitaus höher. Das hat am Dienstag auch der Infektiologe und Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, René Gottschalk, so erklärt. Er wendet sich damit gegen den Schweizer Gesundheitsexperten Mark Witchi, der jüngst behauptet hatte, Influenzaviren beispielsweise könnten auf Banknoten bis zu 17 Tage überleben. Sein Rat: Nach dem Anfassen von Geldscheinen sofort die Hände waschen, ehe man sich ins Gesicht greift. Aus Sicht des bekannten Charité-Virologen Christian Drosten dagegen sind sowohl Corona- als auch Grippeviren gegen Eintrocknung „extrem empfindlich“.

Was ist mit Geldautomaten und Kontoauszugsdruckern? Besondere Vorkehrungen dafür haben Banken und Sparkassen nicht getroffen. Es gilt die Empfehlung, die in den vergangenen Wochen schon sehr häufig ausgesprochen worden ist. Wer die Geräte in den Niederlassungen anfasst, sollte sich nachher so schnell wie möglich die Hände gründlich waschen und sich vorher nicht ins Gesicht greifen. Wer das beherzigt, senkt die Gefahr einer Tröpfcheninfektion deutlich.

Wie kann ich ohne Bargeld zahlen? In Supermärkten und Discountern wird nach Angaben des Privatbankenverbandes BdB ohnehin nur noch die Hälfte aller Umsätze mit Bargeld gemacht. Der Rest erfolgt über Giro- oder Kreditkarten sowie über Smartphones, die im Zahlungsverkehr immer mehr an Bedeutung gewinnen. Einzelne Supermärkte und Parkhäuser fordern Kunden bereits aktiv auf, auch Kleinbeträge lieber mit Karte als mit Bargeld zu zahlen.

Muss ich im Supermarkt aber meine Geheimnummer eingeben? Nicht zwangsweise. Das kontaktlose bargeldlose Bezahlen hat ohnehin stark zugenommen. Laut Bankenverband wurden Ende 2019 etwa 30 Prozent aller Transaktionen mit einer Girocard kontaktlos abgewickelt. Das funktioniert so: Der Kunde hält seine Karte oder sein Smartphone nahe an das Lesegerät heran; dadurch wird die Zahlung ausgelöst. Das funktioniert allerdings nur bei kleinen Beträgen (je nach Anbieter zwischen 25 und 50 Euro) und auch nur für maximal vier bis sechs Transaktionen. Danach muss man einmal wieder mit Pin-Eingabe zahlen, ehe das kontaktlose Bezahlen wieder funktioniert. Das ist auf jeden Fall hygienischer, weil man die Tastatur des Lesegeräts nicht berühren muss.