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Bund bastelt an Hilfen für die Stahlindustrie

Strukturwandel : Bund bastelt an Hilfen für die Stahlindustrie

Im Rahmen der Wasserstoff-Strategie soll die Branche bei der Umstellung auf „grünen Stahl“ unterstützt werden. Zudem soll die heimische Stahlindustrie stärker vor unfairen Praktiken geschützt werden.

Um Thyssenkrupp und anderen Stahlkonzernen zu helfen, klimafreundlicher zu arbeiten und wieder wettbewerbsfähig zu werden, arbeitet die Bundesregierung an Hilfen. Im Rahmen der Wasserstoff-Strategie soll die Branche bei der Umstellung auf „grünen Stahl“ unterstützt werden. Damit ist Stahl gemeint, der mit Hilfe von Ökostrom erzeugt wird. Zudem soll die heimische Stahlindustrie stärker vor unfairen Praktiken geschützt werden. „Eine langfristig starke, international wettbewerbsfähige und klimaneutrale Stahlindustrie am Standort Deutschland ist für die Zukunft unseres Landes von herausragender Bedeutung“, heißt es im Entwurf des 32-seitigen „Handlungskonzepts Stahl“, der unserer Redaktion vorliegt.

Darin macht die Regierung zunächst den Niedergang der Branche deutlich: Seit 2010 ist die Stahlproduktion in Deutschland um rund zehn Prozent auf 39,7 Millionen Tonnen gesunken. Die Zahl der Beschäftigten fiel um 4000 auf 86.000. Thyssenkrupp hat bereits den Abbau weiterer Stellen angekündigt. Die Corona-bedingte Rezession verschärfe die Probleme, eine Wiederaufnahme der Produktion in voller Höhe erscheine mittelfristig „wenig wahrscheinlich“, heißt es in dem Papier weiter. Es sei stattdessen zu befürchten, dass die globale Stahlnachfrage noch stärker einbreche als nach der Finanzkrise 2009.

Nun sollen Europäische Union und Deutschland mit der Stahlindustrie die Weichen für eine nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit stellen. Dies soll helfen, dass Europa langfristig klimaneutral wirtschaften kann. Eine große Herausforderung: 30 Prozent der CO2-Emissionen der deutschen Industrie kommen aus der Stahlbranche. Zugleich soll verhindert werden, dass energieintensive Industrien in Länder mit geringeren Klimaschutz-Auflagen abwandern. Vor allem China, so beklagen die Autoren des Papiers, habe in erheblichem Umfang Kapazitäten aufgebaut, die nicht der globalen Nachfrage entsprächen.

Doch die Umstellung auf klimaneutrale Produktion kostet viel Geld: 30 Milliarden Euro bis 2050 müssten investiert werden, schätzt die deutsche Stahlbranche. Davon seien allein zehn Milliarden bis 2030 fällig. Und dabei soll der Steuerzahler helfen. „Wir wollen erreichen, dass der Einsatz von Kokskohle zur Stahlerzeugung schrittweise auf Wasserstoff umgestellt werden kann. Dies setzt voraus, dass neue Anlagen zur Stahlerzeugung von Anfang an so ausgelegt werden, dass neben Erdgas auch der Einsatz von Wasserstoff möglich ist.“ Wenn der Wasserstoff mithilfe von Elektrolyse per Ökostrom hergestellt wird, würde die Industrie tatsächlich klimafreundlich arbeiten. Neben dem grünen gibt es auch blauen Wasserstoff aus Erdgas.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat sich bereits mit Vertretern von Konzernen und IG Metall getroffen. Derzeit wird das Stahlkonzept innerhalb der Bundesregierung abgestimmt. Gerangel gibt es mit dem Umweltministerium. Thyssenkrupp, Salzgitter oder Arcelor sind bereits selbst aktiv. Unter dem Deckmantel des Klimaschutzes könnten den deutschen Herstellern Staatsgeld auch grundsätzlich helfen oder gar Kooperationen und Fusionen beschleunigen.