Düsseldorf: Brauereien erhöhen Preise

Düsseldorf: Brauereien erhöhen Preise

Ein Kasten Bier kostet künftig im Schnitt einen Euro mehr. Der Handel reagiert damit auf die Preispolitik der großen Pils-Brauereien.

Geht es nach den Bierbrauern ist die Zeit von Preisen unter zehn Euro für einen Kasten Gerstensaft vorbei. Nachdem im vergangenen Jahr die Preise für die Gastronomen angehoben wurden, folgten nun Preiserhöhungen für Verbraucher in den Getränkemärkten. Die ersten Getränkehändler haben auf die erhöhten Abgabepreise der Hersteller bereits reagiert: Der Kasten kostet nun durchschnittlich einen Euro mehr.

Betroffen sind davon besonders Biere der großen Pilsbrauereien wie Krombacher, Veltins, Bitburger und König Pilsener. Die Hersteller begründen den Preisanstieg mit erhöhten Produktionskosten. "Wir haben seit vier Jahren Preiserhöhungen vermieden, obwohl unsere Kosten für Personal und Rohstoffe gestiegen sind", heißt es etwa von der Veltins-Brauerei.

Branchenexperte Hermann Josef Walschebauer sieht einen anderen Grund: "Die großen Hersteller haben sich in den vergangenen Jahren in einen Preiskampf begeben, aus dem sie schwer wieder raus kommen", sagt er. Dass die finanzielle Situation einiger Brauereien nun angespannt sei und der Absatz sinke, sei selbstverschuldet. Denn der Markt ist umkämpft. Viele Premiummarken fänden sich inzwischen bei Discountern wie Aldi, der Handel drücke durch Sonderaktionen die Preise.

Das beklagen auch die Hersteller, widersprechen aber der Aussage, dass die Entwicklung auf ihre eigene Kappe gehe. "Bier wird leider zu oft deutlich unter Wert veräußert", heißt es von der König-Pilsener-Brauerei in Duisburg. Die Preisgestaltung in den Märkten liegt letztlich beim Handel und nicht bei den Brauereien, heißt es von den Herstellern.

Ob der die erhöhten Preise dauerhaft an die Kunden weitergibt, bleibt abzuwarten. Bier zu günstigen Preisen gilt bei Einzelhändlern noch immer als beliebtes Mittel, um Kunden in die Läden zu locken. Bereits im Mai vergangenen Jahres hatte Krombacher höhere Preise angekündigt, als dann kein anderer Hersteller mitmachte, kehrte Krombacher zum alten Preis zurück.

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Die Ausgangslage ist nun jedoch anders, da fast alle großen Hersteller eine Preiserhöhung angekündigt oder bereits vollzogen haben. Momentan scheint der Handel diese aber an die Kunden weiterzugeben. Laut Michael Keith, Geschäftsführer des Getränkegroßhändlers Fako aus Neuss, sind die neuen Preise im Markt angekommen. "Durchschnittlich hat sich der Preis um drei Prozent erhöht, was wir so an unsere Kunden weitergeben", sagt Keith.

Der Kostendruck ist unterdessen nicht das einzige Problem der Brauereien. Sie haben immer stärker mit einem rückläufigen Bierkonsum zu kämpfen. Konnte der Absatzrückgang auf dem deutschen Markt in der Vergangenheit noch durch starke Exporte ins Ausland ausgeglichen werden, sank der Absatz deutscher Bierbrauer im vergangenen Jahr auf einen neuen Tiefstand.

2017 wurden laut Statistischem Bundesamt 93,5 Millionen Hektoliter abgesetzt und damit so wenig wie noch nie seit der Wiedervereinigung - ein Minus von 2,5 Prozent. Dieser Trend wird auch an der Bierproduktion in Nordrhein-Westfalen deutlich. Wurden dort 2016 noch mehr als 9,16 Millionen Hektoliter hergestellt, waren es im vergangenen Jahr nur noch knapp über neun Millionen (minus 1,6 Prozent). Besonders drastisch war der Rückgang bei der Produktion von Altbier (minus 5,5 Prozent), Pils verlor 1,7, Kölsch 0,3 Prozent.

Dass nun fast ausschließlich die Pils-Hersteller ihre Preise erhöhen, liegt laut Hermann Josef Walschebauer daran, dass sie den größten Anteil am Markt haben und es bei dieser Sorte den größten Preiskampf gibt. Bei kleineren und Hausbrauereien rechnen Experten hingegen zunächst nicht mit Preissteigerungen, da deren Preise höher seien, als die von Pils und sie zudem weniger dem Druck des Marktes unterliegen.

(maxk)