Bonpflicht in NRW: Viele Kunden wollen Kassenzettel nicht haben

Bäcker, Metzger und Co. : Bonpflicht sorgt in der Region zum Start für volle Mülltonnen

Seit dem 1. Januar gilt die gesetzliche Pflicht zur Ausgabe von Belegen. Im Alltag zeigt sich jedoch: Kaum ein Kunde will bei Bäcker, Metzger und Co. die Quittung haben. Und auch bei der Entsorgung gibt es ein Problem.

(RP) Der Verkauf läuft erst seit ein paar Stunden, doch ein Muster hat Hülya Benzer bereits erkannt: Noch bevor der Kassenbon gedruckt ist, nehmen viele Kunden ihre Waren und gehen. Also wandert das Papier in den Müll. „Wir haben heute gegen zwölf Uhr schon einen 20-Liter-Eimer mit Bons voll gehabt“, sagt die Inhaberin von „Benzers Café“ in Viersen.

Seit dem 1. Januar gilt die gesetzliche Pflicht zur Ausgabe von Belegen – und am ersten regulären Werktag des Jahres zeigen sich die Folgen der Regelung: „Für uns ist das ein Mehraufwand, der Kassenvorgang ist langsamer als vorher“, sagt Benzer. Und auch Kassenrollen seien momentan gar nicht so leicht zu bekommen.

Auch Jeannine Rädecker, Mitarbeiterin der Bäckerei Tebart in Sonsbeck, hält die Regelung für unsinnig: „Wer möchte denn in einem Jahr noch wissen, dass er heute fünf Brötchen gekauft hat? Wir haben einen Sack vor der Theke aufgestellt, in den die Kunden Bons werfen können.“ In den ersten acht Stunden hätten sich mehr als 200 angesammelt.

„Ich empfinde es als Misstrauensvotum gegen den Handel“, sagt der Düsseldorfer Bäcker Thomas Puppe. Doch auch die Kunden klagen, wie Chanel Arissen aus Kleve: „Es bringt nur Verschmutzung.“ Das sieht auch Dagmar Jahnel so, Verkäuferin bei der Metzgerei Moeselagen in Geldern. Denn weil dort die Bons wie die meisten auf Thermopapier gedruckt werden, dürfen sie laut Jahnel nicht über das Altpapier entsorgt werden.

Laut Bundesfinanzministerium können Geschäfte zwar statt eines Papierbelegs auch einen elektronischen Beleg ausstellen – dies könne über E-Mail, Kundenkonto oder sogenannte Near Field Communication (NFC) direkt auf das Smartphone erfolgen, heißt es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP.

Doch an der Praxistauglichkeit solcher Hinweise bekommt man Zweifel, wenn man Marlies Hepp zuhört. In ihrem „Kiosk am Neutorplatz“ in Dinslaken wird mit Kleinstbeträgen bezahlt. „Da kommen Kinder von der Schule mit ihrem Klimpergeld – der eine mit zehn Cent, der andere mit fünf Cent.“ Einen Bon wolle niemand. „Mein Papierkorb ist jetzt schon halb voll“, sagt Hepp: „Aber das ist mir lieber, als wenn die Kinder ihn draußen fallenlassen – dann muss ich nämlich raus und fegen.“

(RP)