Übernahme von Gatz und Hannen Bolten glaubt an die Zukunft des Altbiers

Düsseldorf · Mit der Übernahme der Carlsberg-Marken Gatz und Hannen bauen die Korschenbroicher ihr Geschäft am Niederrhein weiter aus. Um den Gastronomie-Vertrieb kümmern sich Käufer und Verkäufer gemeinsam.

 Der überwiegende Teil der Deutschen trinkt Pils.

Der überwiegende Teil der Deutschen trinkt Pils.

Foto: Getty Images/iStockphoto/istock

Wenn der Durchschnittsverbraucher in Deutschland Bier trinkt, ist in der überwiegenden Zahl der Fälle Pils im Glas oder in der Flasche. Altbier, so lässt sich aus dem nackten Marktanteil der Sorte schließen, hat nach den großen Geschäften vor allem der 1980er-Jahre seine erfolgreichste Zeit hinter sich. Im Vergleich zum Pils ist der Absatz nur noch verschwindend gering.

Gleichzeitig ist da aber immer noch die Hochburg um Düsseldorf und den unteren Niederrhein, in der immer noch viel Altbier getrunken wird und in der die Hausbrauereien in den vergangenen Jahren deutliche Zuwächse verzeichnet haben. Deshalb glaubt Michael Hollmann an den Fortbestand der Traditionssorte: „Wir glauben an die Zukunft des Altbiers und den guten Biergeschmack“, sagte der Chef der Privatbrauerei Bolten. Die übernimmt mit heutiger Wirkung die beiden Marken Gatz und Hannen vom Konkurrenten Carlsberg. Um den Vertrieb in der Gastronomie kümmern sich Käufer und Verkäufer in einer Kooperation künftig gemeinsam. Produziert und abgefüllt werden Gatz und Hannen gegenwärtig bei Königshof in Krefeld.

„Die beiden Marken passen deshalb perfekt zu uns, weil wir uns konsequent auf die Führung kleiner Biermarken ausgerichtet haben“, so Michael Hollmann, der Bolten 2005 gemeinsam mit dem ehemaligen Diebels-Eigentümer Paul Bösken-Diebels übernommen hat.  Man wolle in Zusammenarbeit mit Carlsberg die Region am Niederrhein gezielt ausbauen. Bolten ist nach eigenen Angaben die älteste Altbierbrauerei der  Welt.

Carlsberg ist die weltweit viertgrößte   Brauerei-Gruppe. Rund 40.000 Menschen arbeiten weltweit für das Unternehmen. „Ich freue mich, dass wir mit der Privatbrauerei Bolten ein passendes neues Zuhause für Hannen Alt und Gatz Altbier gefunden haben, um die Traditionsgeschichte beider Marken mit Expertise und Leidenschaft fortzuschreiben. Für uns bietet der Verkauf hingegen die Chance, unsere Ressourcen auf das Kerngeschäft zu fokussieren und unsere Führungsposition in diesem zu stärken“, erklärte Sebastian Holtz, der Chef von Carlsberg Deutschland. Carlsberg will sich künftig stärker auf die Kernmarken konzentrieren.  Dazu gehören unter anderem die Marken Astra, Holsten, Wernesgrüner, Lübzer und Duckstein. Die Traditionsmarken Hannen und Gatz passen  nicht mehr ins Konzept der Dänen.

Hannen war in den 80er-Jahren beim Altbier deutscher Marktführer mit einem Ausstoß von etwa 1,2 Millionen Hektoliter, die niederrheinische Diebels-Gruppe kam in ihren Blütezeiten sogar auf 1,6 Millionen Hektoliter, Gatz, das damals noch Gatzweiler hieß, in der Spitze immerhin auf etwa 600.000 Hektoliter. Davon ist nicht viel geblieben. Nach Angaben aus Branchenkreisen kommen Hannen und Gatz aktuell gerade mal auf zusammengerechnet 30.000 Hektoliter. Als Carlsberg 1988 Hannen kaufte, ging der Stern des Altbiers auf großer Bühne aber schon langsam unter. 2003 verkauften die Nordeuropäer die Hannen-Braustätte in Mönchengladbach an Oettinger, behielten aber die Markenrechte. 

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