BMW: Im Oktober könnten 550 Vertragshändler schließen

Streit mit Händlern : Ab Oktober droht Lieferstopp für 550 BMW-Autohäuser

Die Gewinnwarnung am Montag ist nicht das einzige Problem von BMW. Der Hersteller und die Auto-Händler streiten seit Monaten über eine Verlängerung der Verträge. Eine Einigung ist nicht in Sicht. Das könnte gravierende Folgen haben.

Für einen stolzen Händler von Premiumfahrzeugen müssen sich die Zeilen aus der BMW-Zentrale wie Hohn anhören: „Sollten Sie entgegen unserer Annahme kein Interesse mehr an der Fortführung Ihres Händlervertrags haben, besteht die Möglichkeit, mit uns als autorisierte Vertragswerkstatt zusammenzuarbeiten.“ An den Vertragsentwürfen, heißt es weiter, werde man keine Anpassungen mehr vornehmen.

Alle fünf Jahre müssen die Verträge zwischen BMW und den rund 550 deutschen Vertragshändlern verlängert werden. Doch obwohl die aktuellen Papiere nur noch bis zum 30. September gültig sind, können sich beide Parteien seit Monaten nicht einigen. BMW, heißt es aus Händlerkreisen, lehne jegliche Verhandlungen ab. In einem Mahnschreiben hatte das Unternehmen die Händler stattdessen aufgefordert, bis zum heutigen Mittwoch die Verträge zu unterschreiben. „Das wird nicht passieren“, heißt es jedoch in Händlerkreisen. Die Betriebe werden das Ultimatum verstreichen lassen.

"Die uns vorgelegten Verträge über ein Geschäftsmodell 2018+ werden wir so nicht unterschreiben", sagte der Präsident des Verbandes Deutscher BMW Vertragshändler, Peter Reisacher, der „Süddeutschen Zeitung“. Damit droht dem Konzern eine gefährliche Lage. Die Häuser, die für elf Milliarden Euro Umsatz bei BMW stehen, müssten Ende des Monats die Arbeit einstellen. Nur 50 der 600 BMW-Häuser gehören dem Bericht der „SZ“ zufolge dem Konzern selbst.

Sollte es nicht doch noch zu einer Einigung kommen, hätten die Händler ab Montag keinen Zugriff mehr auf BMW-Fahrzeuge, könnten keine Ersatzteile mehr ordern oder eine Finanzierung über die BMW-Bank anbieten. Das Geschäft der Betriebe, die mehr als 22.000 Mitarbeiter haben, würde wohl massiv einbrechen.

Der Konflikt kommt allerdings auch für BMW zur Unzeit. Denn nachdem zuletzt bereits Konkurrent Daimler und der Zulieferer Continental ihre Prognosen kassiert hatten, musste gestern auch BMW mitteilen, dass man die Ziele für das laufende Jahr wohl nicht erreichen werde. Sowohl Umsatz als auch Gewinn werden wohl geringer ausfallen als im Vorjahr.

Zehn Jahre lang hatte es bei BMW keine Gewinnwarnung mehr gegeben. Doch nun leidet BMW unter den gleichen Problemen wie der Rest der Branche: die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China verteuern aufgrund höherer Zölle auch die Exporte aus dem US-BMW-Werk nach Asien. Gleichzeitig entbrannte in Europa vor der Umstellung auf das neue Prüfverfahren WLTP eine Rabattschlacht zwischen den Auto-Herstellern, an der sich BMW offenbar nicht beteiligen wollte – zulasten der Verkäufe.

Der Konflikt mit den Händlern wird in der Mitteilung hingegen mit keinem Wort erwähnt. Dabei hat auch er das Potenzial, die Krise weiter zu verschärfen. Denn die Fronten sind seit Monaten verhärtet. BMW will eine höhere Gewinnmarge und mehr direkten Zugang zum Kunden, den man bislang nur über 44 eigene Niederlassungen hat. Die Händler wiederum fühlen sich von BMW um einen Teil ihres Geschäfts gebracht, weil das Unternehmen die eigenen Vertriebsaktivitäten immer weiter ausdehnt. So gab es zuletzt Berichte, BMW werde jährlich 10.000 Dienstwagen direkt an die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) liefern. Gleichzeitig sollen die Renditen der BMW-Händler deutlich unter denen der Konkurrenz liegen. Auch das stört die Autohäuser.

Doch der zuständige BMW-Manager Pieter Nota gab sich nach Händlerangaben bislang unnachgiebig. Der Niederländer ist erst seit Januar für den Vertrieb der Münchner zuständig und so etwas wie die Tina Müller des BMW-Konzerns. Die Marketing-Expertin kümmerte sich bei Henkel jahrelang um Haarpflegeprodukte, bevor sie dann als Branchenfremde das angekratzte Image des Autoherstellers Opel aufpolierte. Eine ähnliche Wende dürfte sich BMW von Nota im Vertriebsbereich erhoffen, der genau wie Müller aus dem Konsumgüterbereich in die Automobilindustrie gewechselt ist. Der Niederländer war vorher bei Beiersdorf, wo er sich als Marketingchef um Marken wie Nivea kümmerte. Nun soll er dafür sorgen, dass der BMW-Vertrieb wie geschmiert läuft.

Das ist offenbar bitter nötig. Denn während die Vertragshändler zuletzt einen Gewinn von 80 Millionen Euro erwirtschafteten, machten die BMW-eigenen Autohäuser nach Angaben aus Branchenkreisen im vergangenen Jahr angeblich 120 Millionen Verlust. BMW wollte sich zu den Zahlen ebenso wenig äußern wie zum Konflikt generell. Doch die Parteien werden irgendwann eine Lösung finden müssen. Deutschland ist nach China und den USA der wichtigste Markt.

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