Verkehrssicherheit Blinker an Fahrrädern zukünftig erlaubt – ist das eigentlich sinnvoll?

Düsseldorf/Berlin · Besitzer von E-Bikes und von Fahrrädern können nun Blinker einbauen lassen. Nachrüstsets sind bereits erhältlich. Dank LED-Lampen kann die Qualität sehr gut sein. Der Fahrradclub ADFC-NRW warnt allerdings vor einem Missverständnis

Die Akkus von Pedelecs versorgen künftig auch die LED-Blinker.

Die Akkus von Pedelecs versorgen künftig auch die LED-Blinker.

Foto: dpa/Tobias Hase

So wie es bei Motorrädern schon immer Pflicht ist, können die Nutzer von Fahrrädern und Pedelecs künftig freiwillig Blinker anbringen, um besser auf das Abbiegen hinzuweisen. „Das ist eine vernünftige Änderung der Zulassungsordnung“, sagt Axel Fell, NRW-Vorsitzender des Fahrradclubs ADFC. „Dieser Schritt ist richtig und wichtig für die Verkehrssicherheit“, sagt ein Sprecher des ADAC Nordrhein. Und auch Oliver Luksic, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Digitales und Verkehr, lobt den Schritt als „gut für die Verkehrssicherheit, da Radfahrer dadurch beim Abbiegen besser wahrgenommen werden können“.Bisher sind Blinker nur bei mehrspurigen Rädern wie Lasten- und Liegerädern erlaubt sowie bei Rädern mit Aufbau wie Fahrrad-Rischkas, weil dort die Handzeichen des Fahrers ganz oder teilweise verdeckt werden.

Ab wann ist die Änderung gültig?

Die Bundesregierung erklärt, „optionale Fahrtrichtungsanzeiger“ dürften nach einer entsprechenden Entscheidung des Bundesrates „nun unmittelbar genutzt werden“. Das klingt nach sofort. Basis der Reform sei der technische Fortschritt. Damit ist gemeint, dass Akkus und Licht- Anlagen immer leistungsfähiger geworden sind und dass E-Bikes (Pedelecs) einen immer größeren Anteil an den verkauften Zweirädern haben. Pedelecs haben schon jetzt den Vorteil, dass ihre Vorder- und Rücklampen auch leuchten, wenn das Zweirad steht. Die sehr gute Stromversorgung erlaubt nun künftig sehr helle Blinker, was bei einer Stromversorgung mit Dynamo schwer denkbar ist. Außerdem sind heutige LED-Lampen sowieso deutlich heller als die früheren Fahrradbirnen und brauchen gleichzeitig weniger Strom.

Was ist der Sicherheitsvorteil?

Im Dunkeln sind Blinker sowieso deutlich besser zu erkennen als ein Armzeichen. ADAC und ADFC ergänzen, es erhöhe die Sicherheit, wenn Fahrende beim Abbiegen beide Hände am Lenker haben und nicht einen Arm ausstrecken. „Gerade älteren Menschen mit körperlichen Einschränkungen wird der Zugang zum Rad mit der elektrischen Unterstützung nun erleichtert. Das Handzeichengeben fällt ihnen oft schwer, da eine Hand vom Lenker genommen werden muss“, so der ADAC.

Was ist das große Risiko?

Axel Fell vom ADFC warnt davor, sich zu sicher zu fühlen, nur weil man einen gut sichtbaren Blinker betätigt hat. „Fahrradfahrer müssen als ungeschützte Verkehrsteilnehmer immer sehr vorsichtig sein. Sie sollten vor jedem Abbiegevorgang oder bei einem Spurwechsel auch nach hinten schauen, ob ein Risiko droht, weil sie zu oft übersehen werden.“


Wann kommen Pedelecs mit bereits eingebautem Blinker?

Staatssekretär Luksis rechnet bald mit Angeboten. „Die Fahrradbranche hat nun Planungssicherheit, um entsprechende Produkte auf den Markt zu bringen.“ ADFC-Experte Fell meint, auf den Fahrradmessen würden immer mehr Nachrüstsets vorgestellt.

Das Bundesverkehrsministerium meint, bereits zugelassene Blinkeranlagen für Mofas, für Drei-Räder oder für E-Bikes mit einer Unterstützung von bis zu 45-Stundenkilometern dürften nun auch an Fahrräder und Pedelecs (Unterstützung bis 25 Stundenkilometer) angebaut werden. Für rund 200 bis 250 Euro sind Blinkersets gut erhältlich, aber das nachträgliche Verkoppeln mit der Stromversorgung eines Pedelecs kann extra kosten. „Das kann im Einzelfall schon etwas komplizierter werden“, sagt dazu Jens Hartmann, Inhaber der Fahrradfirma Two Wheels in Essen. Allerdings haben manche Pedelecs bereits vorinstallierte Anschlüsse oder Leitungen, um externe Geräte anzuschließen.

Die Berliner Spezialfirma Velorian meint, man könne die Blinker relativ einfach versorgen, indem man das Anschlusskabel des Scheinwerfers nutze. Es gibt auch deutlich günstigere Blinkanlagen als für 250 Euro, aber dann sollte genau überprüft werden, ob sie zugelassen sind.

Sind Helme mit Blinker erlaubt?

Helme mit Blinker sind nicht verboten. Jüngst verkaufte Aldi einen solchen Fahrradhelm für unter 50 Euro. Allerdings ist eine solche Lösung nicht zu vergleichen mit einer echten Blinkanlage mit zwei Blinkern vorne und zweien hinten mit sehr hellem Licht.

Dürfen E-Bikes oder Fahrräder Bremslicht und Fernlicht haben?

Ja. Die Schlusslampen dürfen laut Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (STVZO) mit einer Bremslichtfunktion ausgestattet sein, die den nachfolgenden Verkehr warnt. Blinkende Schlusslichter sind verboten. Es ist erlaubt, bei der Vorderlampe auf besonders starkes Fernlicht umschalten zu können. Das erhöht deutlich die Sicht abseits von beleuchteten Ortschaften, zeigt die Erfahrung des Autors. Es muss aber möglich sein, auf Abblendlicht umzuschalten, so die staatliche Regel.

Gibt es eine Pflicht zum Einbau einer Blinkvorrichtung?

Nein.

Sind Rückspiegel sinnvoll?

Ja. Zumindest auf der linken Seite ist ein Rückspiegel absolut zu empfehlen. Man kann dann gut erkennen, ob sich ein Auto oder ein Zweirad von hinten nähert. Beim tatsächlichen Abbiegen oder bei einem Spurwechsel ist der berühmte „Schulterblick“ für Zweiradfahrer trotzdem zwingend.


Angenommen, der Motor eines Pedelec schaltet sich aus, weil der Akku fast leer ist. Geht das Licht dann direkt aus?

Nein. Auch wenn der Motor mangels Reserve abgeschaltet wird, muss der Akku die Lampen noch zwei Stunden versorgen, so die Vorgabe. Alternativ ist gesetzlich erlaubt, dass der Motor als Lichtmaschine genutzt wird, also Strom produziert, während der Fahrer in die Pedale tritt.

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