Edmonton Blackberry am Abgrund – 4500 Mitarbeiter entlassen

Edmonton · Viele Kanadier waren schon im Wochenende, als Freitag ein Erdbeben die Börse in Toronto erschütterte. Der Smartphone-Hersteller Blackberry, der einstige Stolz der ganzen Nation, verlor nach katastrophalen Quartalszahlen zeitweise fast ein Viertel seines Wertes – und das Unternehmen steht nun womöglich vor dem Aus. Noch vor wenigen Jahren galt der Konzern aus Waterloo als das Vorzeigeunternehmen Kanadas und die Blackberrys als das Statussymbol einer ganzen Managergeneration. Plötzlich sieht sich der Konzern angesichts eines Quartalsverlustes von fast einer Milliarde Dollar (0,74 Milliarden Euro) zu Massententlassungen gezwungen. 4 500 Mitarbeiter, mehr als eine Viertel der Belegschaft, müssen gehen. Experten rechnen mit einem Verkauf oder einer Zerschlagung des Konzerns.

Blackberry hatte im harten Wettbewerb auf dem Smartphone-Markt zuletzt immer mehr den Anschluss an die Rivalen Samsung und Apple verloren und lange den Trend zu berührungsempfindlichen Geräten verschlafen. Das neue Smartphone Z10, mit dem sich der Konzern aus der Krise katapultieren wollte, hatte gute Kritiken bekommen und die ersten Verkaufszahlen auf dem Heimatmarkt in Kanada waren vielversprechend. Aber das Z10 ist trotz einiger technlogischer Vorteile im Vergleich zu den iPhones von Apple zum Ladenhüter geworden. Das neue Smartphone Z30, das erst vergangene Woche vorgestellt wurde, nahm kaum noch jemand wahr. In Erwartung einer bevorstehenden Pleite greifen offenbar nur noch wenige Konsumenten zu.

Bereits im Sommer hatte Blackberry angekündigt, alle Alternativen durchzuspielen – darunter Joint-Ventures, einen Verkauf aber auch eine Zerschlagung des Konzerns. Die schlechten Zahlen dürften einen Verkauf nun aber erschweren. Die meisten Analysten in Kanada rechnen eher damit, dass der Konzern zerschlagen wird. Noch hat Blackberry aus guten Zeiten ein beträchtliches Finanzpolster, doch auch dieses wird immer dünner. Der neuerliche Quartalsverlust war in etwa doppelt so hoch ausgefallen, wie die meisten Analysten erwartet hatten. Zuletzt waren bei Blackberry weltweit noch etwa 12 000 Menschen beschäftigt. Nun bleiben wohl nur noch knapp 8 000 übrig. Die Wirtschaftsexpertin des staatlichen kanadischen Rundfunksenders CBC, Amanda Lang, sprach angesichts der Blackberry-Krise am Wochenende von einem der traurigsten Freitage in der kanadischen Wirtschaftsgeschichte.

(RP)
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