Bierbranche: Diebels-Zukunft bleibt unsicher - AnheuserBusch sagt Verkauf ab

Was passiert nach dem geplatzten Verkauf? : Das Diebels-Dilemma

Eigentlich wollte AnheuserBusch InBev seine Töchter Diebels und Hasseröder verkaufen. Dieses Vorhaben ist abgesagt. Was steckt hinter der neuen Strategie?

Wenn man über ein Jahr mit dem Gedanken leben musste, dass der eigene Arbeitgeber an einen weithin unbekannten und dazu noch umstrittenen Finanzinvestor verkauft wird, hat es erst einmal etwas Beruhigendes, wenn der Verkauf platzt und der Eigentümer bleibt. Deshalb sind große Teile der Belegschaft bei der Privatbrauerei Diebels vorerst entspannt, nachdem die belgisch-brasilianische Muttergesellschaft AnheuserBusch InBev beschlossen hat, Diebels und Hasseröder nicht zu verkaufen. „Bei AnheuserBusch wissen wir, was wir haben“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Thomas Engelsiepen, „es ist gut, dass wir jetzt erst mal wissen, was wird.“

Wobei sich manche schon wundern, woher der plötzliche Sinneswandel kommt in Bremen, wo die Deutschland-Tochter der Muttergeselschaft ihren Sitz hat. Ist das Festhalten an Diebels und Hasseröder wirklich ein Zeichen für den Plan, in Deutschland die Nummer eins zu werden? Oder einfach nur das Eingeständnis, dass es für das Brauerei-Duo keinen seriösen Investor gab, der bereit war, den geforderten Kaufpreis zu zahlen?

„Die haben Diebels nicht verkauft bekommen“, glaubt der Bierexperte Hermann-Josef Walschebauer. Oder wollten es nicht, weil der letzte verbliebene Interessent (dem Vernehmen nach ein Finanzinvestor) nicht mal ein Drittel des Preises habe zahlen wollen, den der Beinahe-Käufer Daniel Deistler geboten hatte. Angeblich war zuletzt für das Paket Diebels/Hasseröder ein Kaufpreis von weniger als 70 Millionen Euro im Gespräch.

Dazu gibt es vom Eigentümer keine Aussagen. Der will in Deutschland die Nummer eins werden, das deutsche Geschäft also weiterentwickeln und wachsen, „anstatt einen großen Teil unseres Portfolios zu verkaufen“. Florian Weins, der jüngst installierte Deutschland-Chef von AB InBev, hat erklärt: „Unsere Strategie für Deutschland hat sich weiterentwickelt. Daher werden Hasseröder und Diebels in Zukunft eine neu definierte Rolle in unserem Portfolio spielen.“ Wie diese Ankündigungen mit der vergleichsweise geringen Bedeutung von Altbier in Deutschland zusammenpassen, bleibt einstweilen unbeantwortet. Von der Sorte wurden im Januar dieses Jahres in Nordrhein-Westfalen gerade mal 26.000 Hektoliter ausgestoßen, und auch wenn das ein Plus von 18 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahresmonat war – es wird immer noch 19 Mal so viel Pils abgefüllt und mehr als viermal so viel Kölsch. Aktueller Marktanteil des Altbiers: nicht einmal vier Prozent.

Den Rückstand gegenüber andern Biersorten aufzuholen, würde lange dauern. Und man müsste viel Geld investieren. „Diebels hat einen riesigen Investitionsstau“, sagt Experte Walschebauer. Der liege in Millionenhöhe. Andere Quellen sprechen von bis zu 15 Millionen Euro. Die Anlagen seien „ausgelutscht“, heißt es in der Branche.

Will sich AnheuserBusch das antun? Auch der weltgrößte Bierproduzent hat kein Geld zu verschenken bei einem Schuldenberg von fast 100 Milliarden Euro. Vielen Beobachtern fällt es schwer, daran zu glauben, dass eine niederrheinische Altbier-Marke mit einem jährlichen Ausstoß von 200.000 Hektoliter in den Investitions-Überlegungen eines Weltkonzerns einen maßgebliche Rolle spielen soll.

Bei der Betriebsversammlung in Issum am Donnerstag vor mehr als 150 Mitarbeitern hat sich die Geschäftsleitung jedenfalls noch nicht in die Karten schauen lassen, wie ihre Wachstumspläne aussehen. Geht es nach Engelsiepen, soll sie das aber schon bald tun. „Innerhalb der nächsten 14 Tage hoffen wir auf ein Gespräch und klare Aussagen über die Zukunft“, so der Betriebsratsvorsitzende. Und es folgt eine klare Forderung: „Man muss in die Marke und den Standort investieren.“

Mehr von RP ONLINE