Leverkusen: Bienenschutz: Bayer muss Pestizid vom Markt nehmen

Leverkusen: Bienenschutz: Bayer muss Pestizid vom Markt nehmen

Zugleich kündigte der Leverkusener Konzern die Übernahme eines US-Herstellers von Verhütungsmitteln für 852 Millionen Euro an.

Seit Jahren sterben in Europa Bienenvölker, die für die Bestäubung vieler Pflanzen wichtig sind. Seit Jahren wird über die Ursachen gestritten. Nun glaubt die EU-Kommission, in bestimmten Pestiziden den Schuldigen ausgemacht zu haben. Die EU-Kommission beschloss gestern, den Einsatz von sogenannten Neonikotinoiden ab Dezember für zwei Jahre zu verbieten. Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace nennt die Pflanzenschutzmittel "Bienen-Killer Nummer eins", in Deutschland überlebe jede dritte Biene den Winter nicht. Vom Pestizid-Verbot betroffen sind der Schweizer Konzern Syngenta sowie die Bayer AG. Der Leverkusener Konzern stellt die Pestizide unter anderem in Monheim her und vertreibt sie unter den Namen "Poncho" und "Gaucho". Das Verbot bedeute einen Umsatzverlust von 80 Millionen Euro pro Jahr, so Bayer.

"Wir sind weiter überzeugt, dass Neonikotinoide für Bienen sicher sind, wenn die Produkte vorschriftsmäßig eingesetzt werden", erklärte ein Bayer-Sprecher. Ein Verbot werde die Bienengesundheit nicht verbessern. Auch aus Sicht von Syngenta sind Viren und eine Verringerung des Lebensraumes die eigentlichen Ursachen für das Bienensterben. "Damit steht der Anbau von Winterraps in vielen Regionen Deutschlands auf der Kippe, denn Landwirte haben kaum Alternativen, um ihre Raps-Pflanzen vor Schadinsekten zu schützen", warnte der Industrieverband Agrar.

Für Bayer kam die nachmittägliche Nachricht aus Brüssel zur Unzeit. Einige Stunden zuvor hatte der Konzern eine große Übernahme für seine Pharmasparte angekündigt und damit die Börse begeistert. Der Kurs fiel nur deshalb, weil die Aktie gestern mit Dividendenabschlag gehandelt wurde.

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Bayer will für 852 Millionen Euro das US-Unternehmen Conceptus übernehmen, das Verhütungsmittel herstellt und mit 300 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 110 Millionen Euro macht. Wichtigstes Produkt des kalifornischen Unternehmens ist "Essure", ein Verfahren zur Sterilisation von Frauen, das ohne Vollnarkose auskommt. Dabei wird in den Eileiter ein Ring eingesetzt, um den sich Gewebe bildet, was binnen drei Monaten zum Verschluss des Eileiters führt. Das Verfahren ist seit 2002 in den USA zugelassen, mittlerweile auch in Europa.

Schon jetzt liegt ein Schwerpunkt von Bayers Pharmasparte bei Verhütungsmitteln. Die Verhütungspillen Yaz/Yasmin gehören zu den umsatzstärksten Medikamenten von Bayer, die im vergangenen Jahr einen Erlös von gut einer Milliarde Euro erzielten. "Diese Übernahme passt außerordentlich gut zu unserem Geschäft, besonders in den USA, dem wichtigsten Gesundheitsmarkt der Welt", erklärte Bayer-Chef Marijn Dekkers.

Die letzte große Übernahme, die Dekkers geplant hatte, war zwar gescheitert. Im vergangenen Jahr wollte Bayer den amerikanischen Vitaminhersteller Schiff Nutrition übernehmen, sich aber nach dem Auftauchen anderer Interessenten nicht auf einen teuren Bieterkampf einlassen. Die Eigentümer von Conceptus aber sind von sich aus auf Bayer zugekommen, heißt es. Daher sind die Leverkusener zuversichtlich, am Ende auch den Zuschlag zu bekommen. Bayer will innerhalb der nächsten zehn Arbeitstage eine Offerte zum Kauf aller Conceptus-Aktien machen und bietet den Anlegern 20 Prozent mehr als den Schlusskurs von Freitag.

(RP)
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