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Bertelsmann übernimmt Gruner + Jahr ganz

Gütersloh/Hamburg : Bertelsmann übernimmt Gruner ganz

Die Gründerfamilie Jahr verkauft die letzten 25,1 Prozent an dem Verlag.

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann hat beim Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G+J) in Zukunft alleine das Sagen. Die Gründerfamilie Jahr zieht sich komplett zurück aus dem traditionsreichen Hamburger Medienhaus, das Titel wie "Stern", "Brigitte" und "Geo" herausgibt. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe sagte, der Schritt sei "ein klares Bekenntnis zum Journalismus und zum Wert journalistischer Inhalte im digitalen Zeitalter". Die Komplettübernahme erleichtere die Zusammenarbeit zwischen G+J und anderen Konzerntöchtern wie dem Fernsehsender RTL oder dem Buchriesen Random House. Wie diese Zusammenarbeit aussehen könnte, haben bereits Ableger wie "Stern-TV" oder "Geo-Television" gezeigt.

Bertelsmann hielt bislang 74,9 Prozent der G+J-Anteile. Die Übertragung der noch von der Jahr Holding gehaltenen Anteile von 25,1 Prozent werde zum 1. November erfolgen, sagte Rabe. Der Aufsichtsrat von Bertelsmann habe der Transaktion zugestimmt. Zum Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben. Rabe sagte nur, der Preis sei "angemessen und fair" und werde in bar bezahlt, nicht in Form einer Beteiligung an Bertelsmann oder RTL. Vor zwei Jahren waren Verhandlungen noch an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. Zugleich widersprach Rabe Spekulationen, Bertelsmann könnte nun das Verlagshaus zerschlagen. "Wir haben keine Absicht, Gruner + Jahr insgesamt oder in Teilen zu verkaufen." Auch eine Verschärfung des erst im August angekündigten Sparplans sei nicht geplant. G+J will in den kommenden drei Jahren rund 400 Stellen in Deutschland abbauen und 75 Millionen Euro einsparen.

G+J war 1965 von den Verlegern John Jahr und Gerd Bucerius sowie dem Druckereibesitzer Richard Gruner gegründet worden. Bereits 1969 beteiligte sich Bertelsmann an dem Unternehmen. G+J steckt derzeit in einem Strukturwandel vom klassischen Zeitschriftenverlag hin zu einem digitalen Unternehmen. Während Verlage wie Springer und Burda bereits mehr als die Hälfte ihrer Erlöse im Internet erwirtschaften, ist es bei Gruner + Jahr nur ein Zehntel. Nach einem Verlustjahr 2012 gab es 2013 immerhin wieder einen Gewinn von 81 Millionen Euro. Der Umsatz sank leicht auf 2,07 Milliarden Euro.

(dpa)