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Berlin gründet Eine-Milliarde-Fonds für Afrika

Afrika-Gipfel : Berlin gründet Eine-Milliarde-Fonds für Afrika

Die Zahl der in Afrika lebenden Menschen wird sich bis 2050 auf 2,5 Milliarden verdoppeln. Doch wirtschaftlich kommt der Kontinent kaum auf die Beine. Viele, vor allem Jüngere, fliehen daher nach Europa. Die Bundesregierung stemmt sich der Entwicklung durch mehr Hilfestellungen entgegen.

(dpa/mar) Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eine Milliarde Euro zusätzlich für die Förderung privater Investitionen in Afrika zugesagt. Bei einer Wirtschaftskonferenz in Berlin kündigte sie am Dienstag die Gründung eines Fonds mit diesem Umfang an, der vor allem kleinere und mittlere Unternehmen zu einem stärkeren Engagement auf dem Nachbarkontinent Europas ermutigen soll. „Wir wollen hier heute gemeinsam ein deutliches Signal setzen, nämlich dass uns an einer guten und gewinnbringenden Nachbarschaft zwischen Afrika und Europa gelegen ist“, sagte die Kanzlerin vor Top-Managern und elf afrikanischen Staatschefs.

Bei den in Afrika tätigen deutschen Unternehmen stieß die Ankündigung auf große Zustimmung. Der Vorsitzende des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft, Stefan Liebing, sprach von einer „beinahe historischen Ankündigung“. Entwicklungsorganisationen monierten dagegen, dass die ärmeren afrikanischen Staaten vernachlässigt würden.

Kanzlerin und Bundesfinanzministerium hatten schon während der deutschen G20-Präsidentschaft im vergangenen Jahr eine Initiative für stärkere Investitionen in Afrika gestartet. Dazu gehören sogenannte Reformpartnerschaften, bei denen Hilfsmittel bei Erfüllung bestimmter Reformversprechen gezahlt werden. Dafür hat die Bundesregierung bisher 365 Millionen Euro für Tunesien, Ghana und die Elfenbeinküste bereitgestellt. Weitere Partnerschaften mit Äthiopien, Marokko und Senegal sollen nun hinzukommen.

Insgesamt umfasst die G20-Initiative Partnerschaften mit zwölf Ländern. Mit fünf davon hat Deutschland bereits Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. Drei weitere würden bald hinzukommen, kündigte Merkel an. Neben dem Investitionsfonds plant die Bundesregierung auch eine stärkere Abfederung von Risiken, etwa politische Instabilität oder mangelnde Zahlungsmoral, speziell für deutsche Unternehmen. „Deutsche Unternehmen sind noch zögerlich in Afrika im Vergleich zu Schwellenländern wie Indien und China“, sagte Stephan Klingebiel vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik.

Skeptisch reagierten Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) kritisierte, dass ärmere und akut von Konflikten gezeichnete afrikanische Staaten nicht zu den Partnerländern zählen. Auch die entwicklungspolitische Lobbygruppe ONE kritisierte, die Partnerschaften zielten zu einseitig auf die Investitionsförderung ab und vernachlässigten die Bekämpfung der Armut.

Am Nachmittag wollte Merkel mit elf afrikanischen Staats- und Regierungschefs sowie mit dem österreichischen Kanzler Sebastian Kurz zu einem Gipfeltreffen zusammenkommen. Afrika ist für Europa sowohl ein Kontinent der Chancen als auch der großen Herausforderungen. Die Bevölkerung in Afrika wächst weiterhin rasant: UN-Experten erwarten, dass sich die Zahl der Menschen in Afrika bis 2050 auf etwa 2,5 Milliarden verdoppeln wird. Damit wird Afrika ein immer wichtigerer Absatzmarkt, das Bevölkerungswachstum könnte aber auch zu mehr Armut und zu Migration nach Europa führen.