1. Wirtschaft

Beim Autozulieferer Continental drohen Kündigungen

Schwere Zeiten für Autozulieferer : Bei Continental drohen Kündigungen

Der Autozulieferer leidet unter den Folgen des Coronavirus – doch das ist längst nicht die einzige Herausforderung, die Conti und viele andere in der Branche unter Druck setzt.

Elmar Degenhart versucht gar nicht erst, die Lage schön zu reden: „Wir sind bei den absoluten Verlusten auf dem Fahrzeugmarkt weltweit auf dem Niveau von 2008/2009“. Allein im ersten Quartal dieses Jahres werde der Weltmarkt für Autos und leichte Nutzfahrzeuge um zehn Prozent zurückgehen, sagte der Chef des Automobilzulieferers Continental: „Allein in China rechnen wir mit 30 Prozent.“

Der Coronavirus hat seit Wochen schon die Automobilindustrie infiziert, doch wenn der Chef eines der wichtigsten Zulieferer weltweit die Diagnose stellt, dass der Heilungsverlauf langwierig wird, dann bleibt das nicht ohne Folgen. An den Börsen sackten nach der Vorstellung der Bilanz am Donnerstag die Kurse der Automobil-Aktien ab. Continental verlor zwischenzeitlich mehr als zehn Prozent an Wert, doch auch die Kurse der Hersteller Daimler, BMW und Volkswagen littten.

Das Problem der Industrie ist ja nicht nur das Virus, das ihren wichtigsten Absatzmarkt China in den vergangenen Wochen nahezu lahm gelegt hatte. Das viel größere Problem ist die Gleichzeitigkeit der Herausforderungen: Coronavirus, Handelsstreitigkeiten, dazu der Veränderungsdruck durch die Digitalisierung und durch neue Antriebe wie die Elektromobilität, die nicht zuletzt aufgrund schärferer Umweltauflagen nötig werden. „Die Autoindustrie durchlebt derzeit einen der heftigsten Stürme“, sagte Degenhart: „Die Auswirkungen werden uns noch lange beschäftigen.“

Das gilt nicht zuletzt für Degenharts eigenes Unternehmen, dem dieser Wandel schwer zu schaffen macht. So machte Continental im vergangenen Jahr unter dem Strich einen Verlust von 1,2 Milliarden Euro, nachdem man 2018 noch knapp 2,9 Milliarden Euro Gewinn gemacht hat. Der Umsatz stieg nur leicht von 44,4 Millionen Euro in 2018 auf 44,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr – eine Bilanz, die Finanzvorstand Wolfgang Schäfer nüchtern auf den Punkt brachte: „Das Geschäftsjahr ist für uns absolut nicht zufriedenstellend verlaufen.“

Bis Mai soll deshalb ein weiteres Sparpaket ausgearbeitet werden, das zweite innerhalb weniger Monate. „Im Extremfall können wir auch betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließen“, sagte Elmar Degenhart. Betriebsratschef Hasan Allak ist alarmiert: „Mit Kahlschlag lässt sich keine Transformation betreiben.“