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RWE-Tochterfirma: Bei Innogy geht es um Tausende Jobs

RWE-Tochterfirma : Bei Innogy geht es um Tausende Jobs

Langfristig könnte RWE-Tochter Innogy die Zahl der Arbeitsplätze auf 30.000 senken. Mitte des Jahres läuft ein Interessenausgleich aus, der die Mitarbeiter für die Zeit der Abspaltung schützt.

Der Börsengang der RWE-Tochter Innogy war ein voller Erfolg. Zum Höchstpreis hatte der Energiekonzern im Herbst 2016 seine Tochter, in der Vertrieb-, Netz- und Ökostrom-Geschäft gebündelt sind, an die Börse gebracht. Doch nun kommen die Mühen der Ebenen. Es gebe im Konzern Überlegungen, mittelfristig die Zahl der Arbeitsplätze um Tausende zu senken, erfuhr unsere Redaktion aus Konzernkreisen. Von den derzeit 40.000 Stellen könnten auf lange Sicht nur noch 30.000 Stellen übrig bleiben.

Da in der Innogy viele bisher selbstständige Einheiten aufgegangen seien, gebe es bei Verwaltung, Stäben und Querschnittsaufgaben viele Funktionen doppelt. Innogy wolle alle Bereiche nach "Synergien und Dissynergien" durchforsten, also schauen, wo man Stellen streichen kann und wo man sie aufbauen muss. Entschieden sei noch nichts, noch gebe es keine Verhandlungen dazu, aber in den Szenarien werde gedacht, hieß es.

Die Innogy-Sprecherin sagte dazu: "Effizienzsteigerung betreiben wir permanent. Aktuell sehen wir aber keine Notwendigkeit für ein derartiges Stellenabbauprogramm, wie wir dieser Zeitung bereits im Dezember gesagt hatten. Wir können das aber mit Blick in die Zukunft nicht ausschließen. Momentan suchen wir aber auch diverse Mitarbeiter am Markt, die mit uns die Zukunft gemeinsam gestalten wollen."

"Noch durch Interessenausgleich geschützt"

Bis Mitte des Jahres sind die Mitarbeiter noch durch eine Regelung abgesichert, die der Konzern mit der Mitbestimmung für die Zeit der Abspaltung vereinbart hat. "Noch sind die Mitarbeiter durch einen Interessenausgleich geschützt, laut dem kein Mitarbeiter im Rahmen einer Umorganisation in den Überhang geraten darf", sagte Arno Hahn, Gesamtbetriebsrats-Vorsitzender der Innogy SE. "Doch dieser Interessenausgleich läuft zum 30. Juni aus."

Hahn kennt die düsteren Szenarien nicht, betonte aber: "Sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt herausstellen, dass es einen Anpassungsbedarf gibt und Arbeitsplätze überflüssig werden, erwarten wir vom Konzern, dass der Abbau sozialverträglich erfolgt. Betriebsbedingte Kündigungen darf es weiterhin weder bei Innogy noch bei RWE geben."

Für einen Teilbereich hatte der Konzern bereits im März 2016 einen Abbau verkündet - für die britische Tochter nPower, der nach Problemen mit Abrechnungssystemen die Kunden davongelaufen waren und die in die roten Zahlen gerutscht war. Damals hatte RWE einen Abbau von 2400 Stellen bestätigt, davon entfiel etwa die Hälfte auf eigene Mitarbeiter, die andere Hälfte auf Fremdfirmen. Nur langsam gehe die Sanierung auf der Insel voran, heißt es in Gewerkschaftskreisen.

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"Hier ist nichts mehr zu holen"

Größte Gewinnbringer bei Innogy sind der Vertrieb (vor allem deutschen Kunden sichern die Marge) und das staatlich regulierte Netzgeschäft. In beiden Bereichen arbeiten in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und Belgien rund 28.000 Mitarbeiter. Das Ökostromgeschäft (1300 Mitarbeiter) ist noch klein. Die Zeit satter Renditen ist hier vorbei, seit es beim Windstrom keine festen Renditen mehr gibt, sondern die Windstrommengen ausgeschrieben werden.

Am 13. März legt Peter Terium die erste Bilanz für Innogy vor. Der frühere RWE-Chef war nach der Aufspaltung des Konzern zur Zukunftstochter gewechselt und hat den angeschlagenen Mutterkonzern Rolf Martin Schmitz überlassen. RWE besteht nun vor allem aus dem Erzeugungsgeschäft - und das hat schon Tausende Stellen abgebaut. "In den Kraftwerken und Tagebauen wurde jeder Lappen umgedreht, hier ist nichts mehr zu holen", heißt es in Gewerkschaftskreisen. Jetzt seien beim Sparen mal die Verwaltungskollegen dran. RWE hatte 2016 einen Teil der Innogy-Anteile an die Börse gebracht, hält aber noch 76,8 Prozent der Innogy-Anteile.

(anh)