Düsseldorf: Bei Ergo tagt erneut der Aufsichtsrat

Düsseldorf: Bei Ergo tagt erneut der Aufsichtsrat

Die Mitarbeiter des Versicherungskonzerns Ergo erleben schwierige Zeiten. Erst der Skandal um die Sexparty für Vertriebsmitarbeiter der Hamburg-Mannheimer-Tochter HMI vor vier Jahren in der ungarischen Hauptstadt Budapest, dann die Affäre um falsch ausgewiesene Kosten in mehr als 10 000 Riester-Vorsorge-Verträgen, jetzt mögliche Ungereimtheiten bei Betriebsrenten-Policen in 160 Unternehmen – die Hiobsbotschaften reißen für den Konzern einfach nicht ab.

Am nächsten Dienstag trifft sich der Aufsichtsrat des Unternehmens erneut zu einer Sitzung. Dabei dürfte es auch um die Ergebnisse der Ermittlungen gehen, die nach dem Bekanntwerden des Budapest-Skandals angestoßen worden waren. Damals hatte der Versicherungskonzern nicht nur intern eine Task-Force gebildet, die sämtliche Vorgänge aufklären sollte, sondern parallel dazu die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Price Waterhouse Coopers (Pwc) mit einer Untersuchung beauftragt. Jetzt liegen die Ergebnisse der eingesetzten Prüfungskommission vor. Ergo hatte bereits angekündigt, dass danach über weitere Maßnahmen entschieden werden solle. Bereits klar ist, dass Ergo die ehemaligen Hamburg-Mannheimer-Manager Ulf Redanz und Kai Lange wegen der Lustreise nach Budapest angezeigt hat. Am Mittwoch will Ergo auch die Öffentlichkeit über die Resultate der Ermittlungen und ihre Konsequenzen informieren.

Nach den möglichen Unstimmigkeiten bei Betriebsrenten haben Verbraucherschützer eine Deckelung von Provisionen für Vertriebs-Mitarbeiter gefordert. Mit der gängigen Praxis würden die Anreize "völlig falsch gesetzt", sagte der Versicherungsexperte des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Lars Gatschke. Begründung: Für den Abschluss von Einzelverträgen würden höhere Provisionen gezahlt als für Kollektivverträge mit Unternehmen. Laut "Handelsblatt" sollen bei Ergo Mitarbeiter der Hamburg-Mannheimer Pensionskasse zunächst günstige Rahmenverträge mit Betrieben ausgehandelt, dann aber doch teurere Einzelverträge an die Beschäftigten verkauft haben, um höhere Provisionen für ihre Vermittlung kassieren zu können.

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Ergo will diesen Vorwurf so nicht stehenlassen und argumentiert, dass die Zahlen auch davon abhingen, ob ein Unternehmen an einem Standort stark konzentriert oder die Belegschaft über viele Standorte verteilt sei. Daraus ergebe sich ein unterschiedlicher Beratungsaufwand und somit auch unterschiedliche Kosten. Die Zahl möglicherweise betroffener Versicherter, die zu teure Betriebsrenten-Verträge über die Pensionskasse abgeschlossen haben, ist somit noch offen.

(RP)
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