Altersvorsorge: Bei der Lebensversicherung sinken die Überschüsse weiter

Altersvorsorge : Bei der Lebensversicherung sinken die Überschüsse weiter

Durch die anhaltend niedrigen Zinsen sind die Aussichten schlecht. Bessere Renditen versprechen nur Produkte mit geringeren Garantien.

Die Perspektiven für die Kunden der Lebensversicherer verschlechtern sich. Im kommenden Jahr dürften die Überschüsse sinken. Grund sind die historisch niedrigen Zinsen. Das zwingt die Versicherer, für Altverträge mit hohen Garantien mehr Rückstellungen zu bilden. „Wir schätzen, dass die Branche in diesem Jahr neun Milliarden Euro in die sogenannte Zinszusatzreserve einzahlen muss“, sagt Russel Kemwa, Sprecher der Ratingagentur Assekurata. 2018 seien es sechs Milliarden Euro gewesen.

Damit geraten die laufenden Überschüsse der Lebensversicherer noch stärker unter Druck. Marktführer Allianz hat bereits bekanntgegeben, dass diese Überschüsse  2020 von 2,8 auf 2,5 Prozent gesenkt werden. Das betrifft die klassische Renten- und Lebensversicherung. Die Versicherer Axa, ihre Tochter DBV und die Ideal halten dagegen die Überschüsse stabil. Bei den anderen Anbietern geht Assekurata davon aus, dass die meisten bald dem Beispiel der Allianz folgen und ihre Überschüsse senken. „Wir rechnen damit, dass im Marktdurchschnitt 2020 die Überschüsse für private Renten auf 2,30 Prozent fallen“, sagte Kemwa. In diesem Jahr lag der Schnitt bei 2,46 Prozent. Neue Produkte mit reduzierten Garantien erhalten meist eine leicht höhere Zinsgutschrift. Im Produkt Perspektive der Allianz liegt die jährliche Zinsgutschrift beispielsweise bei 2,6 Prozent. Bisher waren 2,9 Prozent bezahlt worden. Die tatsächliche Rendite der eingezahlten Beiträge fällt aber deutlich geringer aus, denn es werden nur die Sparanteile nach Abzug der Kosten für Vertrieb und Verwaltung verzinst.

„Die Lebensversicherungsbranche ist weiter in einem desolaten Zustand“, warnte Axel Kleinlein vom Bund der Versicherten (BdV). Dennoch raten Experten nicht generell von einer privaten Rentenversicherung ab. „Wer seine gesetzliche Rente aufstocken möchte, sollte individuell prüfen, ob nicht ein neues Produkt sinnvoll ist, bei dem die Garantien abgesenkt sind. Damit hat er höhere Renditechancen“, sagt Christina Jasmer, Vorständin beim Bundesverband Deutscher Versicherungsmakler (BDVM). Dabei müsse man den Kunden aber klarmachen, dass sie den Vertrag bis zum Ende durchhalten müssten, weil die noch enthaltenden Garantien in der Regel erst dann fällig würden.

„Für manche, die gar kein Risiko eingehen wollen, kann auch eine klassische Rentenversicherung noch interessant sein“, so Jasmer. Dann müsse man den Kunden erläutern, dass diese Garantie sehr viel Rendite koste. Klassische Policen werden indes kaum noch verkauft. Viele Lebensversicherer haben sie gestrichen oder bieten sie nur noch in der betrieblichen Vorsorge an. Bei den neuen Policen wird in der Regel nur garantiert, dass am Ende der Laufzeit die eingezahlten Beiträge vorhanden sind. Laut Assekurata liegt es sogar im Trend, nur 80 bis 90 Prozent der Beiträge zu garantieren. Das kann für Kunden trotzdem von Vorteil sein. Denn die Aufsicht erlaubt den Unternehmen, bei garantieärmeren Produkten weniger Eigenkapital zu reservieren. Damit können sie mehr Kapital risikoreich anlegen. „Die Kunden tragen mit den neuen Produkten ein höheres Risiko, haben aber auch die Chance auf eine bessere Verzinsung“, heißt es bei Assekurata.

Der Bund der Versicherten lehnt die neuen Produkte ab. Sie seien zu kompliziert und undurchsichtig. Es gebe viele Möglichkeiten, neben der Lebensversicherung für das Alter zu sparen. BdV-Chef Kleinlein: „Für einige sind kostengünstige Börsenfonds, sogenannte ETFs, das Richtige, für andere Immobilien.“ Allein bei der betrieblichen Altersvorsorge sieht Kleinlein auch Vorteile. Denn der Arbeitgeber müsse haften und zahle Zulagen. Zudem gebe es Steuer- und Sozialabgabenachlässe.