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10 000 Beschäftigte bleiben zu Hause: Bei BMW stehen die Bänder still

10 000 Beschäftigte bleiben zu Hause : Bei BMW stehen die Bänder still

München/Berlin (rpo). Wegen der Metallerstreiks in Ostdeutschland stehen beim BMW-Konzern heute die Bänder in Regensburg und München still. Der Konzern muss die Produktion der 3er-Reihe stoppen.

In den Werken München und Regensburg stehen die Fertigungsstraßen still, weil die in Brandenburg an der Havel hergestellten Getriebe fehlen. "Deutlich über 10.000 Mitarbeiter" sind laut BMW insgesamt von den Einschränkungen betroffen. Auch die Werke Dingolfing und Landshut werden in Mitleidenschaft gezogen.

Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Hans Werner Busch, warnte im ZDF-Morgenmagazin vor weiteren Folgen der Streiks, die am Montag in Ostdeutschland fortgesetzt wurden. In Sachsen waren nach seinen Angaben etwa 8.000 Beschäftigte im Ausstand, einige weitere in Brandenburg. Neben BMW habe ja schon VW angekündigt, möglicherweise ebenfalls die Produktion einzuschränken. Zudem bestelle BMW derzeit auch keine Einzelteile mehr bei Zulieferbetrieben, so dass auch dort Auswirkungen zu spüren seien.

Der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Peters, verteidigte dagegen das Vorgehen der Gewerkschaft. Er sagte im ZDF, die großen Konzerne im Westen hätten die ostdeutschen Unternehmen ja zu einer harten Haltung gedrängt, weil sie die Arbeitszeit auch in den alten Bundesländern zur Disposition stellen wollten. Wenn im Osten nicht auch die 35-Stunden-Woche komme, drohe auch im Westen die Rückkehr zur 38-Stunden-Woche. Insofern wolle die Gewerkschaft auch die Beschäftigten im Westen von der Notwendigkeit des Streiks überzeugen. Gerade wegen der hohen Produktivität im Osten müsse die Arbeitszeitverkürzung zur Sicherung der Arbeitsplätze kommen.

Dagegen warf der sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt im ZDF-Morgenmagazin der IG Metall eine "grobe Einmischung in den Aufbau Ost" vor. Nur 8.000 Beschäftigte hätten über einen Streik von 100.000 Arbeitnehmern entschieden, aber die Mehrheit wolle den Arbeitskampf nicht, sagte der CDU-Politiker und sprach von einer Gefährdung des Standorts Ostdeutschland. Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Busch sagte, die Produktivität im Osten liege nur bei zwei Dritteln der im Westen. Deshalb sei eine weitere Arbeitszeitverkürzung nicht vertretbar. Die Arbeitgeber würden sich aber Gesprächen nicht verschließen, wenn die Gewerkschaft auf sie zu komme. Nur ein Stufenplan wie in der Stahlindustrie komme nicht in Frage.

Konzernangaben zufolge bekommen die Mitarbeiter für den Zeitraum des Produktionsausfalls kein Geld. Werde die bei den Arbeitsämtern beantragte Kurzarbeit genehmigt, erhielten die Beschäftigten rund zwei Drittel ihres Lohns von den Behörden. Die IG Metall sieht dagegen einen vollen Entgeltanspruch. Als Konsequenz aus den Streiks will BMW sein Engagement in den neuen Ländern überdenken. Nach derzeitigen Plänen soll in Leipzig ein neues BMW-Werk mit 5.000 Beschäftigten entstehen. Der Bau hat bereits begonnen. Rund 1.000 Mitarbeiter wurden schon für das Leipziger Werk eingestellt.

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Zulieferbetrieb ZF überdenkt Engagement im Osten

Auch der vom Streik betroffene Autozulieferer ZF überdenkt sein Engagement in den neuen Bundesländern. Bei den langfristigen Investitionsentscheidungen würden alle Standortvorteile, darunter auch die Arbeitszeitregelung, mit berücksichtigt. Sollten sich hier in Folge des aktuellen Arbeitskampfes wesentliche Änderungen ergeben, werde das Unternehmen gezwungen sein, alle laufenden und geplanten Entwicklungen einer kritischen Prüfung zu unterziehen. ZF hat in Ostdeutschland rund 1.600 Mitarbeiter und stellt Antriebs- sowie Fahrwerktechnik her.