Bei Amazon bestellte Pakete könnten teurer werden.

Im Internet bestellte Ware wird wohl teurer: Post will Paketpreise erhöhen

Bei der Post steht ein Strategiewechsel im Paketgeschäft bevor, nachdem Vorstand Jürgen Gerdes gehen muss: Anstatt beim Online-Handel den Marktanteil zu erhöhen, soll es bei Paketen nun vorrangig um höhere Gewinne gehen.

Bei der Post geht eine Ära zu Ende: Der für die Sparte Paket, E-Commerce und Post (PeP) zuständige Vorstand Jürgen Gerdes legt sein Mandat nach elf Jahren im Vorstand nieder. Das gab der Konzern am Dienstag bekannt. Für eine Übergangszeit wird wie schon seit April Vorstandschef Frank Appel die so wichtige Sparte leiten. Gerdes musste gehen, weil das klassische Postgeschäft rund um Briefe und Pakete als wichtigster Bereich des Weltkonzerns zu wenig Gewinn abwirft, meint Appel.

Der Wechsel sorgt für Unruhe. „Wenn die Gewinne bisher zu niedrig sind, steigt der Arbeitsdruck weiter“, sagt ein Zusteller in Düsseldorf. „Jetzt werden wohl noch billigere Partnerfirmen für manche Aufträge eingeteilt“, sorgt sich ein Manager.

Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass die Kunden sich auf steigende Preise einstellen müssen. Standardbriefe sollen ab 1. Januar 80 Cent statt 70 Cent kosten. Ein Antrag wurde bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Kleinere Warensendungen werden zum 1. Juli um bis zu 45 Prozent teurer. Dann kostet eine Sendung von bis zu 50 Gramm 1,30 Euro statt bisher 90 Cent.

Zusätzlich bereitet der Konzern höhere Preise auch für Pakete und Päckchen vor. Dies geht aus einer Präsentation hervor, die Appel und Finanzvorstand Melanie Kreis am Freitag bei Finanzanalysten vorstellten. Demnach soll es künftig darauf ankommen, „Wachstum und Ertragsstärke“ wieder besser zu balancieren. Im Klartext: Nachdem Gerdes überwiegend auf Wachstum und einen steigenden Marktanteil setzte, soll jetzt wieder mehr verdient werden.

Preisanpassungen im deutschen Paketgeschäft sollten beim Neuverhandeln von Verträgen mit Großkunden vereinbart werden, heißt es in der Präsentation. Höhere Tarife sollten „einen bedeutsamen Beitrag“ bringen, damit das operative Ergebnis bis 2020 im Pep-Bereich bei 1,7 Milliarden Euro liegt – dieses Jahr sind nur 1,1 Milliarden Euro drin.

Dabei stößt das geplante Drehen an der Preisschraube auf deutliche Kritik. „Wenn die Post im Paketbereich die Erträge gezielt hochtreiben will, dann bestätigt das ihre starke Marktstellung“, sagt Justus Haucap, früherer Chef der Monopolkommission. „Nun droht, dass manche sehr große Kunden wie insbesondere Amazon noch stärker gepflegt werden, um sie an die Post zu binden, wogegen viele andere Großkunden mehr zahlen müssen.“ Dem schließt sich Klaus Gettwart an, Vorstand des Deutschen Verbandes für Post und Telekommunikation (DVPT): „Mit höheren Preisen will die Post es ausnutzen, dass sie rund 45 Prozent des Paketemarktes kontrolliert. Unternehmen müssen dann noch mehr alternative Angebote prüfen.“

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Die große Frage ist, ob die höheren Tarife auch Privatkunden treffen werden. Eine Rolle spielen dabei die Preise für selbst aufgegebene Pakete. Diese Mengen sind aber zu klein für die Post, ein Hochschrauben der Tarife lohnt nur wenig.

Mehr als 80 Prozent der täglich bis zu zehn Millionen Pakete werden dagegen von Online-Händlern zu Großkundenrabatten versandt. Und da stellt sich die Frage, ob die Post nur von diesen mehr Geld für die Zustellung fordert, oder ob die Empfänger einen Teil des Aufschlages übernehmen müssen. So forderte Frank Rausch, Chef von Hermes, dass Privatkunden künftig 50 Cent Zuschlag zahlen sollen, wenn Waren bis in ihre Wohnung statt in einen Paketshop geliefert werden.

Auf Anfrage erklärt die Post, sie könne sich weiter keine Zuschläge für die Lieferung direkt nach Hause vorstellen. „Es gibt da keinerlei Planungen“, sagt ein Sprecher. Der Logistikberater Detlef Symanski aus Essen sagt: „Das flächendeckende Zustellnetz mit Paketwagen in fast jede Straße fast jeden Tag ist für die Post ein Konkurrenzvorteil – also ist ein Zuschlag für die Lieferung nach Hause eher nicht zu erwarten.“

Das ist aber nur die halbe Wahrheit: Um das große Zustellnetz auszunutzen, führt die Post aktuell in vielen Städten das Angebot einer abendlichen Lieferung zur Wunschuhrzeit für jeden Kunden ein. 2,99 Euro Zuschlag zahlt der Empfänger dann für die Lieferung am frühen Abend. „Damit macht die Post aus gutem Service viel Geld“, meint Berater Symanski.

Derweil sorgt sich der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer um die Zukunft des von der Post gebauten Elektrolieferwagens Streetscooter. „Der Streetscooter war das ganz persönliche Baby von Jürgen Gerdes. Jetzt wo Gerdes geht, wird sich der Vorstand das Projekt wegen der hohen Anlaufverluste sicher noch einmal genau anschauen“, sagt Dudenhöffer. „Ich kann nicht ausschließen, dass die Post den Streetscooter wieder aufgibt.“